Winterthur

Ein Luzerner leitet bald die Stefanini-Stiftung

Christoph Lichtin heisst der Kunsthistoriker und Museumsleiter, den Bettina Stefanini zum Leiter der grossen Sammlung ihres Vaters macht. Er verlässt Luzern nicht ganz grundlos.

Christoph Lichtin wechselt von Luzern nach Winterthur. Foto: PD

Christoph Lichtin wechselt von Luzern nach Winterthur. Foto: PD

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Christoph Lichtin ist ein Museumsmann mit einem Herz fürs Publikum. Als Direktor des Historischen Museums Luzern hat er neben vielem anderem auch Ausstellungen über den Kabarettisten Emil Steinberger organisiert oder über den Besuch von Queen Victoria in Luzern anno 1868. Und stets wusste er seine Arbeiten so zu verkaufen, dass das Publikum in Scharen kam.

«Man kann kreativ sein und etwas machen mit den Ressourcen.»Christoph Lichtin

Die Möglichkeiten seines Museums gerieten in den letzten Jahren allerdings zunehmend in Gefahr. Die Luzerner Kantonsregierung hat dem Naturmuseum und dem Historischen Museum zu sparen befohlen. «Ein happiger Sparauftrag» sei das, sagte Museumsdirektor Lichtin damals, tat aber, wie ihm geheissen wurde.

Aus zwei Museen soll eines werden, beim Personal und bei den Kosten allgemein muss gespart werden. Das Konzept steht, Lichtin hat daran mitgearbeitet und hält es für «ein gutes Konzept». Das nun umzusetzen, dauere etwa fünf bis sieben Jahre, sagt er, und da habe er sich gefragt: «Will ich das durchziehen, oder will ich mit 56 nochmals etwas Neues machen?»

Lichtin bei einer Vernissage. Als Museumsdirektor hat er in den letzten Jahren viele Ausstellungen organisiert.

Ab August in Winterthur

Sein Entscheid wurde gestern zeitgleich in Luzern und in Winterthur publik gemacht: Lichtin gibt seine Stelle in Luzern Ende Juli auf und beginnt in Winterthur als Geschäftsführer und Sammlungsleiter der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte.

«Das ist eine der interessantesten Stellen, die es gibt, also bewarb ich mich und wurde ausgewählt; es passte einfach alles zusammen», schwärmt Lichtin. Bruno Stefaninis Sammlung sei wie ein roher Diamant, den man zum Leuchten bringen könne. Die Ausgangssituation sei toll und das Team motiviert: «Man kann kreativ sein und etwas machen mit den Ressourcen.»

Bettina Stefanini, Stiftungsratspräsidentin und Tochter des verstorbenen Sammlers, gibt die Blumen zurück: «Wir sind überglücklich, dass er zusagte.» Lichtin sei eine ausgewiesene Fachperson, der die Stiftung in der Schweizer Kulturlandschaft neu positionieren könne. In welcher Form und wo Lichtin die Sammlung oder Teile davon zeigen will, kann er noch nicht sagen; der Stiftungsrat hat noch keine Strategie festgelegt.

In beiden Feldern einen Fuss

Lichtins Werdegang aber belegt: Er ist nicht nur ein Mann für Historisches, sondern auch für die Kunst: Er war zuvor neun Jahre lang am Kunstmuseum Luzern tätig. «Es war nicht einfach, eine Person zu finden, die in beiden Feldern einen Fuss hat», sagt Bettina Stefanini.

Lichtin sei unter den 44 Bewerbungen klar der Geeignetste gewesen. Derzeit sind 16 Personen bei der Stiftung angestellt. Der Kunstbereich sei mittlerweile fertig inventarisiert, sagt Stefanini, bei den übrigen Sammelobjekten gebe es jedoch noch einiges zu tun und manche Kartonschachtel zu öffnen.

(mgm)

Erstellt: 10.04.2019, 11:30 Uhr

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