Bundesfeier

«Nicht der übliche patriotische Schwulst»

Mit dem Vizedirektor der Deza sprachan der Bundesfeier in der Reithalle ein Mann, der aus eigener Anschauung etwas vom Elend auf der Welt versteht. Für die Schweiz, so seine Botschaft, ist die humanitäre Hilfe eine Pflicht.

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Sie war eine Mischung aus einer Geschichtsstunde, einer Vorlesung und einem Werbespot für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) – die Rede, die Manuel Bessler gestern auf Einladung der Bundesfeierkommission Winterthur in der Reithalle hielt. Oder, wie es Peter Arbenz hinterher ausdrückte: «Nicht der übliche patriotische Schwulst!»

Bessler (1958) war auf Einladung des früheren FDP-Stadtrats und späteren Direktors des Bundesamtes für Flüchtlinge in seine alte Heimat Winterthur gereist. Die beiden Männer kennen sich schon lange – aus ihrer Zeit beim Militär. Zusammen standen sie 1994 im Jugoslawienkrieg im Einsatz: Arbenz als Generalinspekteur der Schutztruppe der Vereinten Nationen, Bessler als seinmilitärischer Mitarbeiter.

Bessler, heute Vizedirektor der Deza, studierte Jura in Zürich und arbeitet als Anwalt. Über das Rote Kreuz und die Vereinten Nationen führte sein Weg zurDeza, für die er seit 2011 die humanitäre Hilfe leitet.

«Wir wollen verhindern, dass Syrien eine ganze Generation verliert.»Manuel Bessler, Vizedirektor der Deza

Diese Hilfe hat nicht nur Tradition, sie ist sozusagen eine historische Verpflichtung, wie Bessler mit einem weiten historischen Bogen zu verdeutlichen suchte, der ihn von den Helvetiern bis zur Gründung des Roten Kreuzes führte. Dann wurde sein Referat zahlenlastig: Alle zwei Sekunden sei heute ein Mensch gezwungen, sein Zuhause zu verlassen, sagte Bessler. 68 Millionen Menschen seien auf der Flucht, die grosse Mehrheit davon seien Binnenflüchtlinge. Von den drei Millionen Asylsuchenden auf der Welt hätten 0,58 Prozent in der Schweiz ihren Antrag gestellt. Die Zahlen, so die Botschaft,widersprechen der öffentlichen Wahrnehmung. 5,5 Millionen Syrer seien in die Türkei, in den Libanon und in den Irak geflüchtet, so Bessler. Nach Europa dagegen eine Million. Ob das wenige oder viele seien, das sei natürlich eine Frage der politischen Position.

Der neutrale Dritte

Mit eingespielten Videos gab Bessler Einblicke in die Arbeit der Deza, die im Libanon Schulen baut, für die Flüchtlinge und für die einheimische Bevölkerung. «Wir wollen verhindern, dass Syrien eine ganze Generation verliert. Diese Kinder müssen das Land wieder aufbauen», sagte er.

Die Herangehensweise der Schweiz stellte Bessler als die des neutralen Dritten dar. So sei es der Schweiz als einzigem Land gelungen, Güter hinter die Front in der Ost-Ukraine zu bringen. Chemikalien zur Wasseraufbereitung seien es gewesen, und das Wasser fliesse jetzt auf beide Seiten.

Dass die Deza in der Werbung in eigener Sache nicht unerfahren ist, machte ein weiteres Video deutlich, mit Mitarbeitenden, die von ihrer Arbeit erzählen – mit Musik unterlegt und professionell geschnitten. Dass Bessler kein Politiker, sondern Staatsangestellter ist, wurde wiederum in der Schlusskurve deutlich, der etwas der Furor fehlte. «Warum müssen wir helfen?», fragte er rhetorisch. «Weil es Hilfe braucht und weil wir es können.» Und er bedankte sich für die Steuern und die moralische Unterstützung. (Landbote)

Erstellt: 02.08.2018, 08:27 Uhr

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