Winterthur

«Nun müssen wir wieder zusammenstehen»

Mit über 3000 Stimmen Vorsprung entschied Michael Künzle (CVP) das Rennen ums Stadtpräsidium für sich. Nach einem teils heftig geführten Wahlkampf appellierte er an beide Seiten, sich nun wieder gemeinsam für das Wohl der Stadt Winterthur einzusetzen.

Der Stadtvater gemahnt zur Einigkeit: Michael Künzle in seiner Rede direkt nach der Wiederwahl.

Der Stadtvater gemahnt zur Einigkeit: Michael Künzle in seiner Rede direkt nach der Wiederwahl. Bild: Marc Dahinden

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Bevor die Resultate bekannt waren, wollte niemand eine Prognose über den Ausgang wagen. Man war sich einig: Es wird eng.Ganz so eng wie erwartet wurde es dann doch nicht. Kurz nach 14 Uhr war klar, dass der alte auch der neue Stadtpräsident sein wird.

Ein erleichterter Michael Künzle (CVP) setzte, kaum im Wahlzentrum angekommen, zu einer Rede an. «Ich durfte gewinnen, das ist ein gutes Gefühl», sagte er. Nun gelte es, wieder gemeinsam das Gute für die Stadt zu realisieren. Die im Wahlkampf entstandenen Lager müssten wieder zusammenfinden.

«Das Volk hat Nein gesagt zu einem allzu grossen Machtanspruch der SP.»

Ganz spurlos war der Wahlkampf nicht an Künzle vorbeigegangen. Es war eine bange Zeit für ihn und der Druck entlud sich, als er seiner Frau für die Unterstützung dankte. Nach einer langen Umarmung seiner Frau Karin hatte er Tränen in den Augen.

Erleichtert war auch CVP-Parteipräsident Andreas Geering. Seine erste Analyse zum Resultat: «Das Volk hat Nein gesagt zu einem allzu grossen Machtanspruch der SP.» Zudem glaubt er, dass die Angriffe der SP gegen Künzle, etwa, er arbeite zu wenig strategisch, ins Leere gelaufen seien. Sicher seien die bürgerlichen Wähler durch das Resultat vom 4. März auch wachgerüttelt worden.

«Viele Bürgerliche wählten alle Bisherigen wieder und mussten dann nach dem ersten Wahlgang erkennen, dass die Gegenseite dies nicht getan hatte.» Geering findet, wie Künzle, es sei wichtig, nun wieder konstruktive Sachpolitik zu betreiben. «Das Schlimmste wäre, wenn es in der nächsten Legislatur nur knappe Entscheide gäbe, je nachdem, welche Seite mehr Abwesende hat. Wir wünschen uns gut abgestützte Entscheidungen.»

Alternative geboten

Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP, zeigte sich nach der Entscheidung enttäuscht. «Es wäre schön gewesen, eine Frau an der Spitze der Stadt zu haben und den Richtungswechsel zu stärken. Aber immerhin haben wir eine Alternative geboten.» Auch die Juniorpartnerin der SP, die Grünen, hatten auf ein anderes Resultat gehofft. «Künzle profitierte von einem Mitleidsbonus», glaubt Co-Präsident Reto Diener.

«Künzle hat keine grossen Fehler gemacht; deshalb hätte es den Leuten leidgetan, wenn er abgewählt worden wäre.»

«Er hat keine grossen Fehler gemacht; deshalb hätte es den Leuten leidgetan, wenn er abgewählt worden wäre. Es scheint, als ob manche nach dem ersten Wahlgang etwas erschreckt waren.» Zudem sei es sicher «kein stärkender Faktor» gewesen, dass Yvonne Beutler erst im zweiten Wahlgang angetreten sei.

FDP-Fraktionspräsident Stefan Feer sieht das Resultat als Gegenreaktion zum 4. März. «Viele Leute fanden, es brauche eine Antwort. Denn Winterthur ist nicht so links, wie es nach den Wahlen den Eindruck machte. Gerade in Sachthemen entscheiden die Winterthurer oft bürgerlich.» Deshalb sei es der FDP gut gelungen, die eigenen Leute für Künzle zu mobilisieren.

Auch die SVP hat sich im Wahlkampf für Künzle engagiert, obwohl der eigene Stadtrat, JosefLisibach, nicht zuletzt wegen fehlender bürgerlicher Stimmen, abgewählt worden war. «Es bringt nichts, nachtragend zu sein», sagt SVP-Fraktionspräsident Daniel Oswald. «Wir müssen als Bürger­liche zusammenstehen. Wir setzten uns dafür ein, dass unsere Leute wählen gingen, und erwarten das bei anderen Vorzeichen auch von den anderen.» Zu Künzles Appell, nun wieder zusammenzustehen, sagt Oswald, es sei wichtig, dass man zu den eigenen Positionen stehe. «Es müssen nicht alle gleicher Meinung sein. Wichtig ist aber der gegenseitige Respekt.»

Künzle gewinnt fünf Kreise

Ein Blick auf die Resultate zeigt, dass Künzle fünf von sieben Kreisen für sich entscheiden konnte. Besonders gross ist der Vorsprung in Seen, wo er mehr als doppelt so viele Stimmen machte wie Beutler, aber auch in seinem Heimatkreis Oberwinterthur holte er deutlich mehr Stimmen. Beutler gewann nur die Kreise Altstadt und Veltheim. Allerdings nicht so deutlich, dass es hätte spannend werden können. Fast ein Patt gab es im Kreis Mattenbach, wo Künzle 14 Stimmen mehr erhielt.

An Vereinzelte gingen 888 Stimmen. Ungültig waren 270 Stimmen. Dass die Präsidiumswahl bewegte, zeigt die für einen zweiten Wahlgang hohe Beteiligung von 43,8 Prozent. Zum Vergleich: Als Jürg Altwegg (Grüne) vor rund einem Jahr gewählt wurde, lag die Beteiligung bei 36 Prozent. Am fleissigsten gingen die Leute in Veltheim an die Urne, wo die Wahlbeteiligung 51,4 Prozent betrug. In Töss wählten nur 34,7 Prozent.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.04.2018, 19:34 Uhr

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