Winterthur

Nur noch zwei Prozent Arbeitslose

Sowohl die Arbeitslosenquote als auch die Anzahl Stellensuchender entwickeln sich positiv in Winterthur. Die Gründe sind nicht eindeutig, einen Zusammenhang mit dem Inländervorrang schliesst das RAV derzeit aus.

Vorläufiger Tiefststand beim RAV Winterthur. Foto: M. Dahinden

Vorläufiger Tiefststand beim RAV Winterthur. Foto: M. Dahinden

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Winterthur hat den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Bildungsstadt hinter sich, und auch die negativen Folgen der Finanzkrise sind nicht mehr spürbar. Dies zeigt sich unter anderem bei der städtischen Arbeitslosenquote. Sie ist mit zwei Prozent so tief wie seit 1992 nicht mehr. Der Trend könnte sich noch verstärken.

Laut Jürgen Fackelmayer, Leiter des RAV Winterthur, könnte die Winterthurer Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten nochmals sinken: «Ich rechne nicht mit grossen Schwankungen, vielleicht liegt die Quote in den nächsten Monaten mal etwas über, vielleicht etwas unter zwei Prozent.»

Tiefststand überall

Die Arbeitslosenquote gilt weltweit als hilfreicher Vergleichsindikator, auch wenn die Berechnungsgrundlage sich stark unterscheiden kann. Fackelmayer warnt jedoch vor einem zu starren Blick auf die Quote: Aussagekräftiger sei die Anzahl registrierter Stellensuchender.

«Die Zahl gibt besser wieder, wie viele Leute tatsächlich auf Stellensuche sind.»

Dazu zählen neben den Arbeitslosen auch all jene Personen, die beim RAV gemeldet sind, jedoch nicht sofort vermittelbar sind. «Darunter rechnen wir jene, die sich noch in einer Kündigungsfrist befinden, einen Zwischenverdienst haben oder an einem internen Programm teilnehmen», sagt Fackelmayer. «Diese Zahl gibt besser wieder, wie viele Leute tatsächlich auf Stellensuche sind.»

Tatsächlich sind in Winterthur derzeit 1209 Personen arbeitslos gemeldet. Das Total der Stellensuchenden beträgt hingegen 2231 Personen. Aber egal, welche Zählweise man anschaut: Ein Tiefststand ist bei beiden Zahlen zu verzeichnen. So sank auch die Anzahl Stellensuchender in den letzten eineinhalb Jahren um rund 500 Personen – trotz Bevölkerungswachstum.

Die Zahl der Ausgesteuerten, die ihren Taggeld-Anspruch ausgeschöpft und immer noch keine neue Stelle gefunden haben, beziffert das RAV in Winterthur übrigens mit «zwischen 30 und 70 Personen pro Monat». Sie tauchen nicht mehr in den Statistiken auf.

Viele Hilfskräfte

Die Gründe für den Trend, der sich auch im Kanton und in der ganzen Schweiz zeigt, dürften vielfältig sein. Neben der guten Konjunktur war es wohl auch die sinkende Zahl der Zuwanderer in den letzten vier Jahren. Zudem trat vor einem Jahr die Stellenmeldepflicht in Kraft. Damit soll die Vermittlung von Personen, die bei einem RAV registriert sind, gefördert werden. Nützt die Massnahme?

«Wir registrieren keinen Zusammenhang zwischen dem sogenannten Inländervorrang und den tieferen Arbeitslosenzahlen»

«Wir registrieren keinen Zusammenhang zwischen dem sogenannten Inländervorrang und den tieferen Arbeitslosenzahlen», sagt Fackelmayer. «Die Resultate der Vermittlungen auf meldepflichtige Stellen können wir aber noch nicht abschliessend auswerten» Eine Bilanz dazu wird der Bund im Herbst ziehen.

Ein möglicher Grund für den aussergewöhnlich tiefen Stand in Winterthur ist laut Fackelmayer auch die hohe Zahl an Hilfskräften in Winterthur: «In der Stadt sind 42 Prozent der angemeldeten Stellensuchenden Hilfskräfte ohne Ausbildung, in Zürich ist diese Zahl viel tiefer, dort hat es deutlich mehr Fachkräfte die auf den RAV gemeldet sind.»

Hilfskräfte seien aber in der aktuellen Arbeitsmarktlage einfacher als sonst vermittelbar und könnten in verschiedenen Funktionen eingesetzt werden: «Vielleicht ist das ein Grund, warum unsere Arbeitslosenquote nochmals tiefer ist als jene in der Stadt und dem Kanton Zürich.»

Erstellt: 03.07.2019, 17:43 Uhr

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