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«Nur schwer nachzuvollziehen»

Wie konnte bei Stadtwerk über viele Jahre gemauschelt werden? Und gibt es einen Ansatz für eine Strafuntersuchung? Die oberste ­Finanzkontrolleurin der Stadt nimmt Stellung.

Sandra Berberat, Chefin der Finanzkontrolle.
Sandra Berberat, Chefin der Finanzkontrolle.
Johanna Bossart

Frau Berberat, Sie haben langjährige Erfahrung als Wirtschaftsprüferin. Wie besonders ist der Fall Stadtwerk?Sandra Berberat:Für die Win­terthurer Stadtverwaltung ist dieser Fall sehr aussergewöhnlich und hat hauptsächlich mit der früher gelebten Kultur bei Stadtwerk zu tun.

Wie oft prüfen Sie die ­­städ­tischen Abteilungen auf Un­regelmässigkeiten?Ich habe vom Gemeinderat den Auftrag, innert eines Sechsjahresrhythmus alle rund 70 städtischen Betriebe mit meinem Team einmal zu überprüfen. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass wir immer mal wieder auf Bereiche mit Verbesserungspotenzial stossen, denn wo gehobelt wird, fallen Späne.

Weshalb entdeckten Sie die Probleme bei Stadtwerk erst jetzt?Die letzte Überprüfung des Bereichs Energie-Contracting, welcher für den Fall Wärme Frauenfeld AG verantwortlich ist, fand 2012 statt. Wir haben jedoch bereits Anfang 2015 im Rahmen der Umstellung von HRM1 auf HRM2 festgestellt, dass die Beteiligung Wärme Frauenfeld AG überbewertet ist und wertberichtigt werden muss. Im Revisionsbericht wurde dies entsprechend offengelegt.

Die Bilanztricks, die zum Wohl der Wärme Frauenfeld AG angewendet wurden, hätten Ihnen doch aber zumindest in der ­Jahresrechnung der Stadt ­auffallen müssen?Diese sogenannten Bilanztricks, welche angewendet wurden, fanden in der von Stadtwerk pu­blizierten Rechnung statt. Diese wird von uns nicht revidiert. In der von uns geprüften Stadt­rechnung war alles korrekt ab­gebildet. Ich habe angeregt, dass aus der Stadtwerk-Rechnung ­klarer hervorgehen muss, dass es sich um nicht revidierte Zahlen handelt.

«Für Winterthur sehr aussergewöhnlich.»

Sandra Berberat, Chefin der Finanzkontrolle

Sie kennen sich auch in Rechtsfragen aus. Gibt es Anhaltspunkte für eindeutige juristische Verfehlungen?Der Auftrag zur Sonderprüfung war klar umschrieben. Nicht ­Bestandteil der Prüfung war, zu beurteilen, ob Anhaltspunkte für eindeutige juristische Verfehlungen vorliegen. Einige Feststellungen sind aber auch für mich nur schwer nachzuvollziehen. Dazu zählen das Vorenthalten von Informationen gegenüber dem Stadtrat, das Fördern von Gegengeschäften, die Feststellungen im Bereich Lohnerhöhung und Bonusauszahlung sowie die Ausgaben rund um den Heiligbergstollen, welche gemäss den heutigen Informationen vom Volk hätten bewilligt werden müssen.

Sie hatten über Monate ­ver­tieften Einblick in Geschäfts­leitungsprotokolle und Bilanzen. Welchen Anteil an den ­Verfehlungen hat neben der ­Geschäftsleitung der ehemalige Werkvorsteher, Matthias ­Gfeller?Inwiefern der ehemalige Stadtwerk-Vorsteher über die aufgedeckten Themenbereiche umfassend informiert war, kann ich nicht beurteilen. Als Departementsvorsteher trägt man letztendlich die Gesamtverantwortung über ein Departement.

Nun wird Stadtwerk interimistisch geführt, viele Geschäfts­leitungsmitglieder sind noch immer dabei. Finden Sie das richtig?Nachdem Stadträtin Barbara Günthard-Maier die interimistische Leitung von Stadtwerk übernommen hat, spürte man umgehend einen beginnenden Kulturwandel bei Stadtwerk. Stadtwerk wurde enger geführt und damit näher an die Stadtverwaltung gebunden. Während der Sonderprüfung stellte ich eine sehr grosse Offenheit seitens der Geschäftsleitung wie auch der Mitarbeitenden fest. Ihnen war eine vollständige Transparenz wichtig und sie haben uns bei unserer Prüfung umfassend unterstützt. In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass Stadtwerk nun auf gutem Weg ist.

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