Winterthur

Nur Seen ist noch in SVP-Hand

In vier von sieben Kreisen war die SVP­ ­bislang die stärkste Partei. Nun hat sie gleich drei davon an die SP ­verloren, wie eine Spezialauswertung der Wahlergebnisse zeigt.

Seen ist die letzte verbliebene SVP Bastion.

Seen ist die letzte verbliebene SVP Bastion. Bild: Marc Dahinden

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Die Altstadt und Veltheim wählen links. Dies zeigt eine Auswertung der Ergebnisse der Gemeinderatswahlen nach Stadtkreisen, die der «Landbote» vornahm. In tieferem Ausmass schert im Vergleich zur ganzen Stadt auch Mattenbach nach links aus (siehe Grafik).

Die Grafik zeigt, welche Partei in welchem Stadtkreis überdurchschnittlich gut (grüne Balken) beziehungsweise unterdurchschnittlich gut (rote Balken) abgeschnitten hat.

Dagegen tendieren Seen und Wülflingen und in geringerem Mass auch Oberi nach rechts. In Töss werden sowohl SP als auch SVP überdurchschnittlich gut gewählt, auf Kosten der Mitteparteien. FDP und GLP machen in der Altstadt ihr bestes Resultat.

Am Sonntag hatte Fraktionspräsident Daniel Oswald den Wahltag aus Sicht der SVP prägnant zusammengefasst: «Wir haben auf die Kappe bekommen, Punkt.» Der Vergleich der Stadtkreise zeigt nun: Die einst stolze Partei hat überall klar verloren. Am stärksten ist die Einbusse, verglichen mit 2014, in der traditionellen Hochburg Wülflingen – 6,0 Prozent beträgt hier der Verlust. In der wenig SVP-freund­lichen Altstadt ist der Rückgang mit 3,3 Prozent noch am tiefsten.

Oberi, Töss und Wülflingen sind gekippt

Besonders bitter für die Volkspartei: Sie hat ihren Status als stärkste Kraft gleich in drei Kreisen verloren. 2014 lag sie in Oberwinterthur, Töss und Wülflingen vor der SP, nun liegt sie allenorts dahinter. Beispiel Wülflingen: Vor vier Jahren schlug man hier die Sozialdemokraten mit 31 zu 22 Prozent, nun hat sich mit 24 zu 30 Prozent das Verhältnis fast gedreht. Nur in Seen brachte man noch einen zweiprozentigen Vorsprung ins Ziel.

Bei der Partei selbst hat man die Resultate auch genau angeschaut. Man habe durchwegs schlecht mobilisiert, konstatiert Fraktionschef Oswald. Dies zeige sich an der gesunkenen Zahl unveränderter Listenstimmen. Man werde nun «Massnahmen beschliessen», um das Steuer bis zu den nächsten Wahlen herumzureissen.

Freuen darf man sich bei der SP, die nun sechs von sieben Kreisen beherrscht. In fünf davon stimmten mehr als 30 Prozent der Wähler für die Sozialdemokraten, in dreien mehr als ein Drittel; die Gewinne liegen zwischen 8,3 Prozent (Wülflingen) und 2,5 Prozent (Seen). «Winterthur ist nicht zwingend überall urbaner geworden», kommentiert SP-Co-Präsident Christoph Baumann. Er meint aber: «Die Leute wollen, dass man mit Visionen regiert statt mit Klein-Klein.» Zudem habe die SP in allen Quartieren einen intensiven Wahlkampf geführt und das Gespräch mit den Bewohnern gesucht.

EDU, BDP und Piraten würden Fünf-Prozent-Hürde reissen

Winterthur kennt bekanntlich keine Fünf-Prozent-Hürde wie die Stadt Zürich. Gäbe es sie, könnten die Kleinparteien EDU, BDP und Piraten die Hürde in keinem Stadtkreis überspringen; sie schieden aus dem Parlament aus. Das beste Resultat der Kleinparteien erzielte mit 2,8 Prozent Stimmenanteil die EDU in Seen (gesamte Stadt: 1,5 Prozent). Die AL hätte die Hürde in einem Kreis übersprungen, in der Altstadt. Hier gewann die Links­partei 6,0 Prozent der Stimmen (gesamte Stadt: 3,8 Prozent).

Im Zweikampf der christlichen Mitteparteien hat die EVP in fünf Kreisen die Nase vorn. Einzig im stärker katholisch geprägten Töss schneidet die CVP etwas besser ab, in Mattenbach liegen die beiden Parteien genau gleichauf. Das beste Resultat erzielte die EVP in Seen mit 8,4 Prozent (gesamte Stadt: 6,1 Prozent).

(Der Landbote)

Erstellt: 09.03.2018, 18:17 Uhr

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Korrigiertes Gesamtresultat

Aufsichtskommission will Antworten

Zwei Pannen hintereinander: Nachdem im Vorfeld der Wahlen Listen falsch gedruckt worden waren, vergassen die Stimmenzähler nach der Wahl knapp 2000 Wülflinger Wahlzettel. ­Bisher ist nicht bekannt, ob sich eine Partei für einen Stimmrechtsrekurs entscheidet.

Klar ist aber, dass es ein Nachspiel im Gemeinderat geben wird. Annetta Steiner, die unterlegene Stadtratskandidatin der GLP, will als Präsidentin der Aufsichtskommission aktiv werden: «Wir werden uns die Sache in der Ratsleitung und in der Aufsichtskommission anschauen und uns aufzeigen lassen, was alles geschehen ist.»

Steiner will wissen, ob wirklich «alles auf dem Tisch» liegt und welche Massnahmen für die nächsten Wahlen in vier Jahren geplant sind.

Daniel Oswald, SVP.

Christoph ­Baumann, SP.

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