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Obergericht dreht Winterthurer Entscheid um

Ein Narkosearzt, der eine betäubte Patientin belästigte, wird in zweiter Instanz doch verurteilt.

Das Zürcher Obergericht verurteilte einen Arzt zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten.
Das Zürcher Obergericht verurteilte einen Arzt zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten.
Keystone

Eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzog das Zürcher Obergericht bei einem Fall, der im Februar 2018 in Winterthur für Schlagzeilen sorgte. Ein Narkosearzt wurde beschuldigt, einer damals 21-jährige Patientin, die noch sediert war, unters T-Shirt gegriffen und ihre Brüste geknetet zu haben. Dabei wurde er von einer Pflegefachfrau erwischt, die den Raum betrat und laut rief: «Was machen Sie da?» Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sprach das Obergericht den Arzt nun der Schändung schuldig.

Zeugin nie befragt

Das Winterthurer Bezirksgericht hatte den Mann 2018 noch freigesprochen und ihm eine Entschädigung von 33000 Franken zugesprochen. Dies obwohl das Gericht keine Anhaltspunkte dafür sah, dass die Pflegefachfrau bewusst falsch aussagte. Hingegen könne es «auch nicht ausschliessen, dass die Zeugin eine Fehlinterpretation traf». Der Gerichtsvorsitzenden war dabei nicht wohl; sie betonte, dass es ein Mehrheitsentscheid des Dreiergremiums gewesen sei. Befragt hatte das Winterthurer Gericht die Zeugin freilich nicht, es stützte sich vollständig auf die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ab.

Vor Obergericht wurde die Zeugin hingegen vorgeladen und befragt. Es kam zum Schluss, dass ihre Aussagen sehr stimmig, konkret und detailliert seien. Eine Fehlinterpretation sei angesichts des simplen Sachverhalts kaum möglich und das Verhalten des ertappten Arztes sei als Eingeständnis seines Fehlverhaltens zu deuten. Laut Aussage der Pflegefachfrau hatte er sich danach bei ihr entschuldigt und um «eine zweite Chance» gebeten. Als sie sein Verhalten der Gesundheitsdirektion meldete, kündigte er ihr fristlos und reichte eine Anzeige wegen Falschbeschuldigung ein. Das Obergericht verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Das Urteil kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

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