Dorfet

Oberi in römischer Hand

Vor drei Jahren wurde das traditionelle Oberi-Fäscht in einem mutigen Schritt zum Römerfest umgewandelt. Der Augenschein zeigt: Das kommt an.

In der Sandarena kämpften Gladiatoren, und so manche Besucher kamen ebenfalls verkleidet an das Römerfest in Oberi.
Video: Simon Grässle

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In der Sandarena, in der später Gladiatorenkämpfe gezeigt werden, stehen sich am Samstagnachmittag zwei Schwinger zum Kräftemessen gegenüber. Derweil schreitet in weisser Toga und roter Schärpe ein Römer auf das daneben liegende Festzelt der «Sons of Dionysos» zu: Es ist «Junior» (seinen bürgerlichen Namen will er partout nicht preisgeben), der mit seiner stattlichen Figur den römischen Senator überzeugend darstellt.

Sex on the Beach und Cerevisia, Falafel und kalabrische Spezia­litäten – Dorffeste vereinen Gegensätzliches. Das gilt auch fürs Wetter: Nach einem verregneten Start am Freitag hat die Sonne wieder das Sagen. «Junior» von den «Sons of Dionysos» nimmts gelassen: Nach dem Gewitterregen habe sich das Zelt später noch gefüllt. «Wir haben gute Bands und ein treues Stammpublikum», sagt er, «wie die Partyband ‹Jam Son›, die heute Abend spielt: Sie hat 800 Stücke aller Genres im Repertoire und nach ihrem letztjährigen Auftritt hier viele Anhänger.»

Schweisstreibende Kostüme

Auch im Festzelt beim Dorfschulhaus sind beim offiziellen Fest­apéro viele Römerinnen und Römer unterwegs, darunter auch Ortsvereinspräsident Andi Müller, der sich ganz wörtlich «in Schale» geworfen hat: Er trägt den metallenen Brustpanzer eines Zenturio – und der wiegt etwa 13 Kilo. Dazu kommt ein Helm mit feuerrotem Haarkamm, den er bei diesem schwülwarmen Wetter aber nur bei offiziellen Auftritten aufsetzt. Und überhaupt: «Ich laufe nicht die vollen zwei Tage in dieser Montur rum – dafür ist es doch ein bisschen zu warm . . .»

Auch weitere Vorstandsmitglieder sind kostümiert: Mit seinem ledernen Brustpanzer sieht Vizepräsident Daniel Welter (dank eingearbeitetem Sixpack) ziemlich beeindruckend aus. Und der danebenstehende Römer mit goldenem Lorbeerkranz im Silberhaar ist nicht etwa ein simpler Senator, sondern gleich Cäsar persönlich, wie man lachend belehrt wird. Im Kostüm entdeckt man dann sogar ein bekanntes Gesicht: Yves Tobler, ebenfalls im Vorstand des Ortsvereins und Kulinarik-Messeveranstalter.

Knoblus panem et Cerevisia

Apropos Kulinarik: Wie an jeder Dorfet werden natürlich auch verschiedenste Speisen angeboten, doch hier sind sie mit mehr oder weniger lateinischen Namen versehen, das Knoblibrot mutiert zu «Knoblus panem», und Ghackets mit Hörnli heisst «Tritumcibum et collyra» . . . Wer aber wissen will, was die Römer wirklich assen, erhält an der Hohlandstrasse bei Vera Zürrer Auskunft.

In schlichtem, blassgrünem Gewand und weissem Kopftuch sitzt sie als Gallorömerin Slania in ihrem Zelt und erklärt: «In der römischen Küche spielten Gewürze und Kräuter aus dem Orient eine grosse Rolle.» Römische Speisen seien oft süss-scharf oder süss-sauer gewesen – das gelte aber nur für reiche Leute, denn das einfache Volk habe immer dasselbe gegessen: Getreidebrei. Ein wichtiger, omnipräsenter Bestandteil für alle aber sei das Liquamen gewesen; das Flüssiggewürz sei vergleichbar mit unserem Maggi – oder mit der Sojasauce der asiatischen Küche.

800 Teigtäschchen

Das führt uns zurück in die Gegenwart und direkt zu Tashi Pirawa, der an seinem kleinen Stand mit seiner Frau Tensin schon zum vierten Mal tibetische Spezialitäten anbietet. Inzwischen kennen und schätzen auch die «Römer von Oberi» seine Momos und Shabales – sechs- bis achthundert Stück dieser handgemachten, gefüllten Teigtäschchen werden jeweils am Dorffest abgesetzt. (Landbote)

Erstellt: 20.08.2018, 10:00 Uhr

Andi Müller, OK-Präsident Römerfest Oberi.

Nachgefragt

«Unser Konzept ist aufgegangen»

Vor drei Jahren wurde die Oberi-Dorfet zum Römerfest umgewandelt. Warum eigentlich?
Andi Müller: Das Dorffest lief immer schlechter, das Format schien abgegriffen. Wir wollten etwas Neues ausprobieren – auch damit wir uns später nicht Nichtstun hätten vorwerfen müssen. Im Dorfkern haben wir viele Zeugen römischer Geschichte, das Thema lag also nahe.

Wie hat es sich etabliert?
Vor allem bei den Kindern ist das Römerthema super angekommen. Die sind voll motiviert und bringen auch ihre Eltern mit; unser Konzept ist aufgegangen. Wir stellen zudem fest, dass die Schulen das Thema aufgreifen: Es kommen ganze Klassen, die gut vorbereitet sind – das merken wir an den Fragen, die die Kinder stellen. Aber auch Erwachsene zeigen grosses Interesse. An den Führungen der Kantonsarchäologie haben schon im ersten Jahr über 400 Personen teilgenommen.

Haben es nicht irgendwann mal alle gesehen? Wie sehen die Zahlen nach drei Jahren aus?
Die Besucherzahlen steigen stetig. Auch die Vereine sind motivierter und investieren in Dekorationen und Kostüme. Das zahlt sich aus: Wer etwas macht, hat seine Festbeiz am Samstagabend garantiert voll. (amh)

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