Winterthur

Occasion-Velos: Häufig geklaute Ware?

Am Samstag ist Velobörse. Pro Velo geht davon aus, dass dort kaum geklaute Ware verkauft wird. Als Käufer kann man sich nur bedingt schützen.

Die Velobörse in der Winterthurer Reithalle lockt jeweils zahlreiche Kunden an. Doch wie sauber sind die dort angebotenen Velos eigentlich?

Die Velobörse in der Winterthurer Reithalle lockt jeweils zahlreiche Kunden an. Doch wie sauber sind die dort angebotenen Velos eigentlich? Bild: Patrick Gutenberg

Alle fünfzehn Minuten wird schweizweit ein Velo geklaut, mindestens. Einberechnet sind hier nur Diebstähle, die tatsächlich angezeigt werden. Das tönt nach viel. Doch die Zahlen sinken und haben sich im Kanton Zürich in den letzten zehn Jahren halbiert, gemessen an der Einwohnerzahl. Ausser bei den E-Bikes. Dort zeigt die Kurve nach oben.

Letztes Jahr wurden im Kanton Zürich insgesamt rund 6700 gestohlene Velos gemeldet. Die Chancen, dass ein solches wieder auftaucht, stehen nicht einmal 1:50. Ein Teil davon wird illegal verkauft, unter der Hand, online oder auf offener Strasse, wie im Falle des Velodiebes, den die Stadtpolizei Zürich letzte Woche geschnappt hat. Er hatte über 50 Fahrräder geknackt und sich beim Verkauf als städtischer Mitarbeiter ausgegeben. Schadensumme: 87 000 Franken. In Winterthur konfiszierte die Stadtpolizei vor vier Jahren bei einem Diebespaar aus Rumänien 19 Velos aus dem Transporter, und 2017 flog ein Verkäufer auf, nachdem jemand auf einem Onlineverkaufsportal sein geklautes Velo wiedererkannt hatte.

«Praktisch keine Chance»

Wie stellt man als Privatperson beim Kauf eines Occasion-Velos sicher, dass es nicht gestohlen wurde? «Man hat praktisch keine Chance», sagt Dave Durner, der Geschäftsführer von Pro Velo Zürich. Selbst wenn man es in einem Laden kaufe, habe man keine Garantie, kenne aber immerhin den Verkäufer. Dass geklaute Velos im Onlineverkauf «effektiv ein Problem» seien, bestätigt man bei der Plattform Velomarkt.ch, wo gegen 3000 Occasionen gehandelt werden. Dort werden Inserate zwar gecheckt, bevor sie aufgeschaltet werden. Doch man arbeite derzeit an einem systematischen Analysetool und baue eine Datenbank auf, wo man sein Velo mit Fotos und Detailangaben registrieren lassen könne, um es später leichter zu finden.

Velobörse: Nur legale Ware?

Nächsten Samstag reiht sich in der Reithalle an der jährlichen Velobörse wieder Drahtesel an Drahtesel. Pro Velo geht davon aus, dass dort praktisch keine Diebesware angeboten wird. Jeder Händler muss sich beim Registrieren mit Identitätskarte ausweisen, viele seien seit Jahren dabei. Man schaue sich die Velos vorgängig an. Bei einem Verdacht hole man die Polizei auf den Platz. Letztes Jahr habe man bei der Velobörse auf dem Zürcher Helvetiaplatz einen Dieb verhaften lassen. «Aber sonst haben wir praktisch nie Probleme», sagt Durner. Die Polizei mache «leider» keine regelmässigen Kontrollgänge oder Stichproben, auch in Winterthur nicht.

Ganz machtlos ist man beim Verkaufsgespräch nicht. Mit drei Kontrollfragen schränkt man das Risiko ein:

1 Ist der Preis realistisch? Ein zu gutes Angebot sollte skeptisch machen.

2 Ist die Rahmennummer angegeben? Jedes Velo hat eine individuelle Rahmennummer, häufig an den Rahmenrohren. Abgeschliffene oder nachgestanzte Nummern melden.

3) Sind die Personalien bekannt? Auf der Kaufquittung sollten auch diejenigen des Verkäufers stehen. Bei Speedbikes ab 45 Kilometer pro Stunde braucht es einen Fahrzeugausweis.

Langfingerstadt Winterthur

In Winterthur wurden letztes Jahr 888 Velodiebstähle angezeigt. Das sind 40 mehr als im Vorjahr, aber ein Viertel weniger als vor zehn Jahren. Im schweizweiten Vergleich reiht sich die «Velostadt» mit 6,2 Diebstählen pro 1000 Einwohner zwar vorne ein, liegt aber doch deutlich hinter Basel (13,3), Luzern (11,6) oder Biel (10,6). Auch in der Stadt Zürich (7,8) wird häufiger geklaut. Hotspots, an denen in Winterthur besonders viele Velos wegkommen, gibt es laut Stadtpolizei nicht.

Wo werden pro Einwohner die meisten Velos geklaut? Quelle: www.atlas.bfs.admin.ch

Auch beim Veloklau gilt leider: Man kann sich nur bedingt schützen, aber man kann Dieben die Arbeit etwas erschweren:

1 Am sichersten (und schwersten) sind die Bügelschlösser (Preis: zwischen 60 und 120 Franken). Auch sie lassen sich knacken, doch zumindest nicht in wenigen Sekunden mit dem Bolzenschneider, sondern gemäss «Kassensturz»-Test in über einer Minute mit dem Akkuwinkelschleifer. Schlösser unter 20 Franken bieten kaum Schutz.

2 Velo anschliessen statt nur abschliessen, am besten an gut beleuchteten Abstellplätzen, damit es nicht in einen Transporter gehievt werden kann. Gilt auch für Wohnquartiere, wo sich professionelle Diebe bewegen.

3 Rahmennummer, Velofarbe, -modell und -eigenheiten notieren. Das erleichtert der Polizei die spätere Fahndung.

Velobörse, Samstag, 13. April, 10–16 Uhr (Annahme vorher), Reithalle. www.provelowinterthur.ch.

Erstellt: 10.04.2019, 15:37 Uhr

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