Konsum

Ostern auf Kosten des Regenwalds?

In Schokolade steckt häufig Palmöl, das wegen seines Anbaus in der Kritik steht. Es gibt in der Region aber Bäckereien, die ohne Palmöl arbeiten.

Ohne Palmöl, bio oder gar vegan? Viele Faktoren entscheiden, ob ein Schokohase umweltfreundlich ist.

Ohne Palmöl, bio oder gar vegan? Viele Faktoren entscheiden, ob ein Schokohase umweltfreundlich ist. Bild: Urs Baptista

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Kilometerlange Monokulturen statt üppigem Regenwald, verkohltes, brandgerodetes Ödland, Orang Utans die sich an letzte Baumreste klammern — die Bilder von Palmölplantagen in Indonesien erschüttern. Gerade vor Ostern ist das Thema aktuell, steckt Palmöl doch in vielen Schokoladenprodukten.

Die Öldeklaration versteckt sich häufig im Kleingedruckten (siehe Box). In der Region gibt es aber Bäckereien, die bewusst auf Palmöl verzichten. «Seit etwa drei Jahren backen wir ganz ohne Palmöl», sagt Christoph Schneider von der Bäckerei Schneider in Flaach. Nicht weil das Öl qualitativ nicht die gewünschten Ergebnisse erbringen würde, sondern aus Umweltbewusstsein.

«Der Konsum des Palmöls steigt weltweit rasant, 65 Prozent davon wird in der Lebensmittelindustrie verwendet»

Die Schokoladenhasen seien weniger das Problem, sagt Schneider weiter. Hochwertige Couverture enthalte eigentlich nie Palmöl. Dieses werde aber eher in Glasuren und Füllungen verwendet, etwa in Schokoeiern oder Pralinées. In der Bäckerei hätten sie Palmöl früher in Blätterteig, Kuchenteig und Frittiergebäck verwendet. «Wir ersetzen es jetzt mit Sonnenblumenöl oder Rapsöl. Das sind natürlich rechte Mengen, es macht also sicher einen Unterschied.»

Auch die Bäckerei Schläpfer in Henggart hat palmölfreie Osterhasen im Angebot, schon seit Jahren. «Wir haben uns nicht bewusst gegen Palmöl entschieden und dann den Produzenten gewechselt», sagt Franziska Schläpfer. «Sondern wir waren einfach froh, dass unser Produzent bereits palmölfrei arbeitete.»

Boykott gegen Lobbyismus?

Die beiden Bäckereien sind nicht die einzigen. Neun Bäckereien aus dem Zürcher Weinland verzichten laut einer Umfrage der Stiftung Paneco in ihren Schokohasen auf Palmöl. Die Stiftung aus Berg am Irchel setzt sich seit ihrer Gründung für den Regenwaldschutz in Indonesien Sumatra ein. Paneco lobt das Engagement der Bäckereien.

«Der Konsum des Palmöls steigt weltweit rasant, 65 Prozent davon wird in der Lebensmittelindustrie verwendet», sagt Fabian Freuler, Umweltwissenschaftler bei Paneco. Es sei deshalb wichtig, auf das Problem aufmerksam zu machen. «Gerade in Fertigprodukten steckt häufig Palmöl.»

Er weist darauf hin, dass die Nachfrage nach Palmöl steige, auch weil die produzierenden Akteure Lobbyismus in Politik und Industrie betreiben, um etwa mit Freihandelsabkommen mehr umsetzen zu können. Im Moment verhandelt die Schweiz mit Malaysia über ein solches Abkommen. Umweltorganisationen fordern, dass der Bund jetzt handeln und bestimmte Umweltkriterien für importiertes Palmöl festlegen soll.

Angesichts solcher Akteure stellt sich die Frage, wieviel der einzelne Konsument bewirken kann. Ob Boykott die Industrie verändert, kann Freuler nicht sagen. Aber: «Als Konsument sollte man palmölfreie Produzenten unterstützen. Damit bewegt man andere Produzenten eher zu palmölfreier Produktion».

62 Millionen Tonnen Palmöl

Freuler räumt ein, dass es natürlich noch andere Kriterien für die Nachhaltigkeit eines Produkts gebe. Er betont aber, dass Palmöl ein entscheidender Punkt sei: «Im Jahr 2015 wurden 62 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Zum Vergleich: Die weltweite Kakaoproduktion belief sich im Jahr 2016 auf lediglich 4.5 Millionen Tonnen.»

Worauf achten Sie beim Schokohasen-Kauf?

(Der Landbote)

Erstellt: 28.03.2018, 18:35 Uhr

Palmölfrei Einkaufen

Palmöl ist in sehr vielen Alltagsprodukten enthalten – von der Wandfarbe über Kerzen, Kosmetika, Waschmittel oder eben den Schoko-Ostereiern. Sich die Inhaltsstoffe genau anzuschauen, hilft:

Seit 2016 existiert in der Schweiz eine Pflicht, Palmöl auf Produkten zu deklarieren. Apps wie etwa CodeCheck helfen zusätzlich. Bei Lebensmitteln nützt vor allem eins: Möglichst frische, unverarbeitete Produkte kaufen und auf Fertigprodukte verzichten. Wer konsequent sein will, muss auch dem Fleisch entsagen. Denn Palmöl wird als Futtermittel eingesetzt.

«Bio-Palmöl ist besser als gar keins»

Auf was man beim Kauf von Schokolade achten sollte und wieso der WWF gegen einen Palmöl-Boykott ist.

Was muss ich beachten, wenn ich an Ostern umweltbewusst Schokolade essen möchte?
Corina Gyssler*: Am einfachsten ist es, auf ein Bio-Label zu achten. So kann man sicher sein, dass die Schokolade mit einem hohen Umweltstandard produziert wurde.

Das setzt ein grosses Vertrauen in Bio-Labels voraus.
Das hat der WWF auch. Wir beobachten die Entwicklung dieser Labels seit Jahren sehr genau. Und sie haben deutliche Fortschritte gemacht. Heute wird etwa die soziale und die ökologische Komponente miteinbezogen, da die Konsumenten bei nachhaltigen Produkten beides verlangen. Die besten Labels, die auch Schokoladen herstellen, sind unter anderem Bio Knospe oder Naturaplan.

Aber was wäre wichtiger: bio, palmölfrei, fair trade oder vegan?
Auch das ist schwierig zu beantworten. Am umweltfreundlichsten ist nach wie vor der Bio-Anbau. Bezüglich veganer Schokolade kann ich nur sagen, dass pflanzliche Produkte eine deutlich geringere Umweltbelastung haben als tierische. Heisst, keine Milch in der Schokolade verbessert deren Umweltbilanz. Oft steckt dort dann aber wieder Palmfett oder -öl drin.

Stichwort Palmöl: Was ist mit palmölfreier Schokolade?
In den meisten Osterhasen, die nur aus einer Schokoladenschicht bestehen, braucht es zur Herstellung kein Palmöl. Da dieses eine zähflüssige Konsistenz hat, wird es hinegen oft für Pralinéfüllungen, etwa in Schokoriegeln oder gefüllten (Oster-)Eiern verwendet.

Bringt ein Boykott von palmölhaltigen Produkten, wie es etwa Paneco vorschlägt, etwas?
Nein, wir vom WWF sind der Überzeugung, dass das nichts bringt. Europa importiert etwa 16 Prozent der globalen Palmölproduktion. Diese Nachfrage macht europäische Unternehmen und Konsumenten zu einem wichtigen Hebel auf dem Weg zu einem verantwortungsvollen Palmöl-Anbau. Sie haben es in der Hand, verschärfte Anbaukriterien einzufordern.

Würde man Palmöl bei uns überhaupt ersetzen können?
Ich denke nicht. Schweizer Bauern hätten kaum die Kapazität den gesamten Bedarf abzudecken. Es würde auch wenig Sinn machen. Als Ersatz für Palmöl bräuchte es andere Pflanzenöle, etwa aus Raps, Sonnenblume, Soja oder Kokosnuss. Diese Pflanzen sind deutlich weniger produktiv sind und brauchen für die gleiche Menge Ertrag etwa drei- bis siebenmal so grosse Anbaufläche. Das wirkt sich dies entsprechend negativ auf die Umwelt aus.

Der RSPO-Standard, der ja vom WWF mitgegründet wurde, steht in der Kritik. Das zertifizierte Öl sei nicht nachhaltig. Ist diese Kritik berechtigt?
Der RSPO, ein freiwilliger Mindesstandard, erfüllt die Anforderungen des WWFs auch nicht in allen Belangen. Ziel ist es aber, die Masse der Palmöl-Produzenten zu einem verantwortungsvolleren Anbau zu bewegen. 20 Prozent sind bereits dabei und machen damit mehr, als ihnen die Gesetze ihrer Länder vorschreiben.

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