Konsum

«Otto’s-Kunden? Oft Frauen über 50»

Der Retailer Otto’s hat im Lokwerk gerade seine dritte lokale Filiale eröffnet. Einkaufsleiter Rolf Ineichen im Interview über die Parallelen zum Europapark, das markante Logo und gefälschten Wein.

Führt das Familienunternehmen Otto’s mit seinem Bruder in der zweiten Generation: Einkaufsleiter Rolf Ineichen.

Führt das Familienunternehmen Otto’s mit seinem Bruder in der zweiten Generation: Einkaufsleiter Rolf Ineichen. Bild: Natalie Guinand

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Herr Ineichen, in keiner Stadt hat Otto’s mehr Filialen als in Winterthur. Neben derjenigen in der Grüze und den Archhöfen, zieht es sie nun auch ins Lokwerk. Expandieren Sie schweizweit oder funktioniert Otto’s hier besonders gut?
Rolf Ineichen: Wir sind in Winterthur schon lange verwurzelt. Mit unserer ersten Filiale sind wir vor 30 Jahren an die Bäcker-Strasse ins Mattenbachquartier gezogen. Damals waren wir noch ein reines Liquidationsunternehmen. Seit 2004 gibt es uns mit einer grösseren Filiale in der Grüze und seit letztem Jahr auch in den Archhöfen als Beauty-Shop. Nun machen wir im Lokwerk weiter, mit einer typischen Otto’s-Filiale: Mit einem Sortiment von rund 70000 günstigen Artikeln, verteilt auf kleinem Raum.

Das Lokwerk hatte als Einkaufszentrum einen Kaltstart: Wenig Publikum, tiefe Umsätze, hohe Leerstände. Dass ein Discounter nun die Trendwende bringen soll, tönt nach einem letzten Hilfeschrei.
Wir glauben an das Lokwerk, sonst wären wir nicht da. Wir haben schweizweit bereits 100 Filialen. Aber wir müssen und wollen nicht wachsen um jeden Preis. In anderen Einkaufszentren haben wir bewiesen, dass wir sie als Zugpferd beleben können. Das wird uns auch hier gelingen.

Sie hätten schon vor Jahren ins Lokwerk ziehen können, sagten aber ab. War die Offerte diesmal so viel besser?
Wir haben uns überzeugen lassen, dass es in Winterthur eine dritte Filiale verträgt. Bekanntlich wächst das Quartier um das Lokwerk rasant.

Wie sieht das Profil eines typischen Otto’s-Kundens aus?
Das hängt vom Sortiment und der Filiale ab. Dort, wo wir auch Möbel verkaufen, wie in der Grüze, ist der Männeranteil grösser. Aber in einer Filiale wie im Lokwerk? Preisbewusste Frauen über 50 und Familien.

«Wir haben uns überzeugen lassen, dass es in Winterthur eine dritte Filiale verträgt.»Rolf Ineichen?
Einkaufsleiter Otto’s

Wie erklären Sie sich das?
Ich sage immer: Wir sind der Europapark unter den Grossverteilern. Man stöbert umher und wird dabei ständig überrascht, bei Ottos von Produkten, die man so vorher noch nie gesehen hat und erst recht nicht zu diesem Preis. Unsere Kunden lassen sich nicht vom Einkaufszettel steuern.

Anders gesagt: Man kauft Sachen, die man nicht braucht.
Nein, gar nicht, wir führen keine Ramsch-Ware, sondern häufig Markenartikel und Konsum- und Gebrauchsgegenstände, die man regelmässig benutzt, vom Staubsauger, über Joggingschuhe bis zum Parfüm. Wäre es so, wie Sie vermuten, wären die Kunden letztlich frustriert, mit dem Resultat, dass sie nicht wiederkämen. Aber wir haben viele Stammkunden.

Sie scheinen es nicht zu mögen, in die Discounter-Ecke gestellt zu werden.
Ich rede mit Blick auf unser breites Sortiment lieber von Erlebniswelt. Anders als bei anderen Grossverteilern gibt es hingegen keine Garantie, das ein Produkt ständig verfügbar ist. Aber wir kennen unsere Stärken: Vielfalt, und ein wechselndes Sortiment zu tiefen Preisen.

Ohne eine ausgefeilte Spedition und ein grosses Lieferanten-Netzwerk würde das nicht funktionieren. Woher beziehen Sie ihre Ware?
Die Details darüber, wie unser Netzwerk funktioniert, bleiben Geschäftsgeheimnis. Wir haben unser Netzwerk über die Jahre aufgebaut. Es gibt zwei Hauptkanäle. Beim Direktvertrieb kaufen wir direkt beim Produzenten ein. Beim sogenannten Graumarkt läuft es etwas anders. Da geht es um hochstehende Marken- und Luxus-Produkte, die gewisse Hersteller lieber nicht in unseren Regalen sähen, Spitzenweine oder Parfüme zum Beispiel. Dort müssen wir über Zwischenhändler im Ausland gehen. Dann spielt das Prinzip: Grosse Bestellmengen, tiefe Einkaufspreise.

Ein breites, wechselndes Sortiment und zig Einkaufskanäle bergen auch das Risiko, dass man übers Ohr gehauen wird. Letztes Jahr hatte Otto’s gefälschten Wein im Sortiment.
Da haben unsere Kontrollen zu spät gegriffen, aber immerhin doch früher als beim Importeur. Bei einer Degustation haben wir gemerkt, dass mit dem Wein etwas nicht stimmt, haben ihn sofort aus dem Sortiment genommen und Kunden und Medien informiert. Das Verfahren gegen den fehlbaren Verkäufer läuft. Das ganze ist ein Einzelfall.

«Obacht!», denkt man auch, wenn man ihr markantes Firmenlogo sieht: Ein erhobener Zeigefinger auf rotem Grund. Wie kam es dazu?
Auf unsere Ursprünge als Liquidationsunternehmen. Kreiert hat es unsere Mutter. Der erhobene Zeigefinger war in den Siebzigern und Achzigern ein Symbol, das signalisierte: Achtung, hier gibt es günstig etwas zu holen!

Erstellt: 23.04.2019, 18:34 Uhr

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