Wülflingen

Paradiesische Idylle im Weiertal

Der Garten von Maja und Richard von Meiss ist durch die Skulpturenbiennale über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das verwunschene Anwesen am Eingang zum Rumstal könnte man schon fast als Park bezeichnen.

Wenn man den Garten hinter dem ehemaligen Gasthof Weiertal betritt, ist man sofort in einer anderen Welt. Direkt hinter dem Haus blühen jetzt dicke Büschel Osterglocken und eine hellrote Kamelie.

An der Hauswand empor wächst ein sorgfältig am Spalier gezogener Birnbaum, die Pfirsich- und Aprikosenknospen sind schon fast geöffnet, zu ihren Füssen blühen Hyazinthen und Primeln um die Wette. Aus dem Gewächshaus duftet es betörend nach Zitronen. Auch einige Skulpturen aus dem Besitz der Familie stehen hier rings um den privaten Gartenteil vor der Küche.

Der renaturierte Bach, der das 10 000 Quadratmeter grosse Anwesen durchquert, fliesst direkt am Sitzplatz vorbei, idyllischer geht es kaum noch. Dieser Teil des Gartens ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, wenn der Kulturort Weiertal sich für Ausstellungen oder Kulturanlässe dem Publikum öffnet.

Bis auf wenige Ausnahmen nur einheimische Pflanzen

Die grosse Obstwiese, auf der jeweils während der Biennale der grösste Teil der Skulpturen und Kunstwerke ausgestellt sind, haben Maja und Richard von Meiss erst angelegt, nachdem sie das Gehöft 1982 gekauft hatten. «Wir haben bewusst nur alte Sorten gepflanzt», sagt Richard von Meiss.

«Als unsere Kinder klein waren, sind sie auf dem Weiher Schlittschuh gelaufen.»Maja von Meiss

In seinen Aufgabenbereich fällt der Baumschnitt. Jeden Winter werden die rund 20 Bäume so beschnitten, das sie auch ordentlich Ertrag liefern. Wer im Herbst hier vorbeifährt, kann auswählen zwischen Goldparmäne, Glockenapfel, Boskop und noch vielen Sorten mehr – ein Teil der Ernte verkauft der Hausherr.

Auch die hohe Naturhecke, die das Grundstück zur Rumstalstrasse hin abschirmt, stammt aus der Anfangszeit. «Eigentlich wollten wir nur einheimische Pflanzen», sagt von Meiss, «aber einige Ausnahmen mussten wir zulassen». Dazu gehören beispielsweise die Forsythien. «Die gelbe Blütenpracht ist um diese Jahreszeit einfach unvergleichlich». Auch der mächtige Tulpenbaum, die Rosen und die Buchshecke sind quasi Sündenfälle.

Zwei Weiher, umrahmt von hohen Bäumen, bilden das Herzstück der Anlage. «Am Anfang haben wir keinen Plan gehabt, wie unser Garten einmal aussehen soll, wir wussten nur dass wir einen Weiher wollten», erzählt Richard von Meiss. Anfangs habe man es nur mit Lehm versucht, aber damit habe der Teich das Wasser nicht gehalten. Deshalb wurde ein Untergrund aus Folie und Glasfaser ausgebracht, der gut dicht hält. «Als unsere Kinder klein waren, sind sie auf dem Weiher Schlittschuh gelaufen», sagt Maja von Meiss. Ihr Sohn habe auf der kleinen Wasserfläche sogar segeln gelernt.

Maja und Rick von Meiss über ihren Garten und dessen Pflege.

Vor kurzem haben die Frösche hier gelaicht, inzwischen schwimmen schon Kaulquappen umher. Dem verstärkten Algenwuchs will Richard von Meiss demnächst mit effizienten Mikroorganismen zu Leibe rücken. Die überlange Harke, die auf dem Sitzplatz parat liegt, dient dazu, die Algen aus dem Wasser zu fischen, bevor die Seerosen wieder die einen Teil der Oberfläche bedecken.

Der Natur wenn nötig auf die Sprünge helfen

Einen Garten natürlich aussehen zu lassen, ist gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. An den Ufern des Weihers blühen Buschwindröschen Primeln und Schlüsselblumen. Sie sind nicht etwa von selber gewachsen, sondern irgendwann mal gepflanzt worden, auf dass sie sich von selber vermehren. Man müsse das richtige Mass finden, wann man eingreift und wann man der Natur ihren Lauf lässt. Im Sommer werden am Ufer jede Menge Blutweiderich und Iris blühen.

«Am Anfang haben wir keinen Plan gehabt, wie unser Garten aussehen soll, wir wussten nur dass wir einen Weiher wollten»

Eine ganz dezidierte Meinung hat Richard von Meiss was Neophyten angeht:. «Goldrute, Springkraut und Sommerflieder dulden wir bewusst in unserem Garten». Deren Blüten würden Insekten dann Nahrung geben, wenn nichts anderes blüht, sagt er. Sie im Zaum zu halten mache nicht mehr Arbeit als viele einheimische Gewächse wie diverse Gräser, Brombeeren, Efeu oder die wuchernden Goldnesseln. In den trockenen Blättern am Ufer raschelt eine Blindschleiche. Friedlich ist es hier.

Ein Seerrosenteich, fast wie bei Monet

Rund ein bis zwei Tage Arbeit pro Woche steckt das Ehepaar in den Garten. Die Hauptverantwortung liegt bei Richard von Meiss, die Aufgabe seiner Frau sei vor allem, mit dem Rasentraktor zu fahren: «Eine schöne Abwechslung zur Ausstellungsorganisation, eine Arbeit, die hauptsächlich am Computer stattfindet».

Der schönste Platz im Garten liegt vor der Datscha, einem russisch wirkenden Holzhäuschen. Während der Biennale wird es von den Künstlern genutzt, die sich für ihre Kunstwerke einen Platz im öffentlichen Teil des Gartens aussuchen können. Auf dem Kiesplatz vor der Datscha finden immer wieder Kulturanlässe statt. Auch die Familie sitzt am liebsten auf der Holzterrasse mit Blick auf den Weiher mit den Seerosen. Man fühlt sich an ein Gemälde von Monet erinnert.

Am gegenüberliegenden Ufer vor dem Steg stehen eine Bank und ein Liegestuhl. «Da wollte ich gestern Nachmittag die Sonne geniessen», sagt Maja von Meiss. Aber kaum habe sie gelegen und den Blick schweifen lassen, habe sie gesehen, dass es etwas zu tun gibt. «Ich glaube mehr als zwei Minuten habe ich nicht im Liegestuhl gelegen». Welche Gärtnerin kennt das nicht.

www.galerieweiertal.ch So. 17. Juni, 13 Uhr , öffentlicher Gartenrundgang mit Rick von Meiss: «Natur grenzenlos wild oder gezähmt und strukturiert?» (Der Landbote)

Erstellt: 13.04.2018, 12:06 Uhr

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