Winterthur

Parteien stellen sich hinter Stadtpolizei

Mit viel Verständnis reagieren die Parteienauf die Krankheits- und Kündigungswelle im Polizeikader. Sie verweisen auf die Sparprogramme. «Das kann auch die restliche Verwaltung treffen», mahnen die Grünen. Kritik übt nur die SP.

Die Parteien stellen sich unisono hinter die Stadtpolizei. Zur  politischen Führung des Polizeidepartements gibt es allerdings kritische Stimmen von linker Seite.

Die Parteien stellen sich unisono hinter die Stadtpolizei. Zur politischen Führung des Polizeidepartements gibt es allerdings kritische Stimmen von linker Seite. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Hälfte des Stadtpolizeikaders ist derzeit krankgeschrieben, teils wegen Burn-out-Erscheinungen. Die Abgänge häufen sich. Doch Kritik an der Departementsführung durch Stadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP) gab es gestern einzig vonseiten der SP. Man sei besorgt über die Belastungssituation und die diversen Ausfälle, sagt Co-Präsidentin Mattea Meyer. «Die interne Kritik wirft kein gutes Licht auf die politische Führung der Polizei. Es stellt sich ernsthaft die Frage, ob sie ihre Verantwortung wahrnimmt.»

Ansonsten zeigten die Fraktionspräsidenten viel Verständnis und riefen zur Gelassenheit auf: «Wir wissen bisher schlicht zu wenig über die Hintergründe», sagt Christian Griesser (Grüne). Und Michael Zeugin (GLP) ergänzt: «Das Wichtigste ist jetzt, die Situation in Ruhe zu analysieren.» Auch für Lilian Banholzer (EVP) steht zunächst die «Klärung der Ursachen» im Fokus: «Die Angestellten müssen mit ihren Anliegen ernst genommen werden.»

«Wertvolle Zeit verloren»

Die FDP sieht den Hintergrund der aktuellen Krise klar bei den Sparmassnahmen. «Die Stadtpolizei erfuhr mit Effort 14+ und Balance bereits die dritte und vierte Sparmassnahme innert weniger Jahre», sagt Stefan Feer. Die FDP habe sich konsequent für die Aufstockung des Korps eingesetzt. Dass eine Mitte-links-Mehrheit die zusätzlichen Polizeistellen in der Debatte ums Budget 2016 abgelehnt hatte, räche sich nun: «Es ging wertvolle Zeit verloren.»

«Es bleibt unklar, weshalb es zu so massiven Verzögerungen im längst angekündigten Reorganisationsprozess gekommen ist»Christoph Baumann
SP

Ins gleiche Horn stösst die SVP: «Wir haben schon mit der Sicherheitsinitiative auf die grosse Belastung bei der Stapo hingewiesen», sagt Daniel Oswald. Die SVP schlägt die Einführung von Sozialdetektiven vor, um die Polizei von dieser Aufgabe zu entlasten.

Bei der CVP gab auch die Sicherheit der Beamten zu reden: «Die Einsätze werden immer rauer», sagt Iris Kuster. «Wir setzen uns daher für ein konsequentes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden bei Gewalt gegen Personen der Blaulichtorganisationen ein.» Die von Günthard-Maier angekündigten Reformen müssten zügig angegangen werden.

Das ist der SP zu spät: «Es bleibt unklar, weshalb es zu so massiven Verzögerungen im längst angekündigten Reorganisationsprozess gekommen ist», kritisiert Co-Präsident Christoph Baumann. «Die Aussage, dass dies mit den Balance im Zusammenhang stehe, irritiert, da der Beitrag des Polizeidepartements vorwiegend aus Gebührenerhöhungen besteht.» Die Grünen sehen in der Situation der Stadtpolizei ein Symptom des Spardrucks generell. «Es wurde auch in anderen Verwaltungs­bereichen gespart», mahnt Griesser. «Viele Abteilungen sind am Anschlag und kurz vor dem Burn-out.» (Der Landbote)

Erstellt: 27.01.2017, 21:46 Uhr

Artikel zum Thema

Krisenmodus am Obertor 17

Stadtpolizei Krankheitserscheinungen bei den Polizeichefs führen nun zu Kaderabgängen. Der Kommandant bleibt im Amt, doch auch er brauchte im Sommer zwei Monate lang Ruhe von der Arbeit. Eine Reorganisation soll nun retten, was zu retten ist. Mehr...

Die Hälfte aller Stadtpolizei-Chefs ist krankgeschrieben

Winterthur Ausnahmezustand bei der Winterthurer Polizei: Ein Grossteil der Kaderbeamten ist seit Monaten arbeitsunfähig, mehrere Führungsleute sind bereits weg. Die Situation zeichnete sich ab, doch ein Entlastungsprojekt blieb ein Jahr lang liegen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles