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Pilger sucht Nachahmer

Otto Dudle gefällt das Pilgern so gut, dass er dafür wirbt. Zum Beispiel am nationalen Pilgertag am Samstag in einer Woche.

Für jedes Wetter gerüstet: Otto Dudle in Pilgerausrüstung.
Für jedes Wetter gerüstet: Otto Dudle in Pilgerausrüstung.
Heinz Diener

Zum Fototermin erscheint Otto Dudle wie abgemacht in voller Pilgermontur. Hut, Windjacke, Wanderschuhe. Sogar der Rucksack ist gepackt. Und das nicht nur zur Show: Am nächsten Morgen fährt Dudle zu einer einwöchigen Pilgerreise mit Freunden auf dem Jakobsweg ab Genf und durch die Gegend von Grenoble.Jakobsweg bei Genf? Geht dieser nicht durch Zentralfrankreich und Spanien? «Jakobswege gibt es in ganz Europa», erklärt Dudle, sofort im Element. Von überall her brachen Menschen im Mittelalter nach Santiago de Compostela in Nordspanien auf.«Es gibt bekannte Routen, die von Sammelpunkten wie Einsiedeln ausgehen. Und weniger berühmte, die aber genauso schön und interessant sind.»

Bis ans «Ende der Welt»

Die bekannte Strecke nach Santiago hat Dudle vor 30 Jahren erstmals unter die Füsse genommen. «Im Zug lag ein Monatsheft, in dem der Pilgerweg in der Schweiz beschrieben wurde.» Otto Dudle und seine Frau Marianne begannen, auf Etappen des Jakobswegs zu wandern. Zunächst tagesweise in der Schweiz, danach in grösseren Etappen durch Frankreich und Spanien.

Otto Dudle erklärt im Interview, was ihn am Pilgern fasziniert. Video: bä

In den 1990er-Jahren war die Route noch nicht so gut ausgeschildert und dokumentiert wie heute. «In der Schweiz haben wir uns trotzdem nie verirrt», sagt Dudle, da gebe es ja gute Wanderkarten. Anders in Frankreich. «Irr- und Umwege gehören auch dazu», sagt Dudle mit Schalk in den Augen.

Im Jahr 2000 erreichten die Dudles das Ziel Santiago und Finisterre, das «Ende der Welt» an der Atlantikküste. Fertig mit Pilgern war damit nicht. Der 74-Jährige pensionierte Dokumentalist engagiert sich seither in der Schweiz in Pilgerkreisen, war zehn Jahre lang verantwortlicher Redaktor der Pilgerzeitschrift «Ultreïa» heraus und gründete einen Pilgerstamm in Winterthur mit, in dem Pilgerinnen und Pilger an jedem ersten Dienstag des Monats im Treffpunkt Volgesang Erfahrungen und Tipps austauschen. Warum das alles? «Für mich ist das Pilgern sehr bereichernd» sagt Dudle.

«Wenn man sein Gepäck tragen muss, lernt man schnell, nur das Nötige mitzunehmen.»

Otto Dudle, Jakobspilger

Das Wandern in der Natur, die historischen Denkmäler am Weg. Beim Jakobspilgern erlebe man die Geschichte, die Europa zusammenhält. «Diese Erfahrungen möchte ich weitergeben und unter die Leute bringen.» Zum Beispiel am Schweizerischen Pilgertag am 20. Mai (siehe Kasten).

Für eine Woche Ferien ist Dudles Rucksack übrigens erstaunlich klein. «Wenn man sein Gepäck tragen muss, lernt man schnell, nur das Nötige mitzunehmen», sagt Dudle, wieder bereit zum Aufbruch. Hut, Windjacke, Wanderschuhe. Und Vorfreude im Gesicht, auf tägliche 20 Kilometer Jakobsweg.

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