Polizei

Polizei eskortierte Unternehmer Jan Schoch zur Kirche

Unternehmer Jan Schoch wurde auf der Fahrt zu seiner Hochzeit von einer Polizeieskorte begleitet. Bewilligt hat den Einsatz öffentlicher Mittel der Polizeikommandant, der selbst Gast an der Hochzeit war, wie auch die Polizeivorsteherin.

Polizeikommandant Fritz Lehmann (links) war selbst Gast an der Hochzeit von Jan Schoch.

Polizeikommandant Fritz Lehmann (links) war selbst Gast an der Hochzeit von Jan Schoch. Bild: Archivbilder: Marc Dahinden

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Die Hochzeit von Jan Schoch vor rund zwei Wochen war ein gesellschaftliches Grossereignis. Der Unternehmer hatte für seine Feier das Casinotheater reserviert. Und geheiratet wurde nicht irgendwo, sondern in der Stadtkirche, wo das Brautpaar in einem standesgemässen Wagen vorfuhr.Für die Zufahrt zur Kirche hatte Schoch bei der Stadtpolizei um eine Bewilligung angefragt. Er erhielt sie, wie schon andere Brautpaare. Der Polizeikommandant, selbst einer der ge­ladenen Gäste, setzte aber noch etwas drauf. Er stellte Schoch von dessen Haus in Seen bis zur Stadtkirche eine Polizeieskorte zur Verfügung: zwei Verkehrspolizisten auf ihren Motor­rädern, beide im Dienst.

Polizei hoffte auf PR-Effekt

Der Kommandant habe die Eskorte persönlich bewilligt, be­stätigt Polizeisprecher Michael Wirz auf Anfrage. Nach der Begründung für den Einsatz gefragt, nennt er die Musikfestwochen. «Es hatte auf der Steinberggasse und rundherum viele Behinderungen. Darum hat der Kommandant entschieden, diesen Einsatz so zu machen.» Auch einen kleinen PR-Effekt habe man sich vor den nationalen und internatio­nalen Gästen Schochs erhofft.

«Dass dafür der Steuerzahler aufkommen muss, ist störend.»Fredy Künzler, SP-Gemeinderat

Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP), die selbst auch zu den geladenen Gästen der Hochzeit zählte, wusste von der Eskorte. Der Kommandant habe sie kurzfristig davon in Kenntnis gesetzt. «Das ist ein operativer Entscheid in der Kompetenz des Kommandanten, den ich so zur Kenntnis genommen habe.» Zur Frage, ob ein solcher Einsatz polizeilicher Mittel legitim ist, äussert sich Günthard nicht. Ebenso wenig zur ­Frage, ob der Unternehmer Jan Schoch zu ihren Wahlkampfspendern gehörte.

Günthard sagt dazu bloss: «Wahlspenden von Privatpersonen an mich kommentiere ich grundsätzlich nicht. Solche zu tätigen, sind freie Entscheide derjenigen Personen, und ich möchte diese und die Privatsphäre ­effektiver und potenzieller Spender und Spenderinnen schützen.» Auch Schoch nimmt zur Frage einer allfälligen Wahlkampfspende keine Stellung. Er lässt eine Mail des «Landboten» zur Polizeieskorte unbeantwortet.

Kritik an Gefälligkeiten

Deutlich wird in der Causa Eskortendienste hingegen die Politik. SP-Gemeinderat Fredy Künzler spricht von einer «lächerlichen Aktion». «Dass dafür der Steuerzahler aufkommen muss, ist störend. Jedem Normalbürger wäre eine solche Eskorte verwehrt worden.» Für einen schlechten Scherz hält die Sache Martin Zehnder (GLP). Er bezweifelt, dass irgendjemand von Seen in die Altstadt eine Polizeieskorte benötige. Die Begründung sei klar vorgeschoben, sagt auch Christian Griesser (Grüne). «Sonst hätte man während der Musikfestwochen jedes Auto in die Altstadt begleiten müssen.» Unsensibel, ja sogar dumm sei die Aktion. «Winterthur ist klein, da kommt so etwas früher oder später an die Oberfläche.»

Noch moderat kommentiert der bürgerliche Michael Gross (SVP) die Aktion, die «nicht sehr geschickt» gewesen sei. Er überlegt aber, ob die näheren Umstände in der Aufsichtskommission des Gemeinderats geklärt werden sollen. SP-Parlamentarier Künzler findet das hingegen übertrieben: «Ein paar Wahlkampfspenden hier, ein paar Gefälligkeiten dort – diese Sache spricht für sich selbst, die Wähler können die Konsequenzen ziehen.»

Die Polizei, sei noch erwähnt, wurde ein paar Tage nach der Hochzeit für ihre Dienste entschädigt. Schoch hatte den Beamten zwei Dankeskuchen zukommen lassen. (Landbote)

Erstellt: 04.09.2018, 16:14 Uhr

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