Winterthur

Potenzial als Versprechen für die Zukunft

Das Forum Architektur hat sich einmal mehr als Plattform bewährt, auf der Architektur und Städtebau zur öffentlichen Sache gemacht wird. Im Zentrum stand die mögliche Rolle der ZHAW für die Stadtentwicklung. Ein inspirierendes Projekt wurde lanciert.

Die Halle 180 Halle 180 als Ausbildungszentrum auf dem Sulzerareal.

Die Halle 180 Halle 180 als Ausbildungszentrum auf dem Sulzerareal. Bild: Marc Dahinden

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«Potenzial» war das Wort, das am Mittwochabend im Forum Architektur am meisten Konjunktur hatte. Was nicht erstaunlich ist bei einem Anlass, bei dem es um eine Ausstellung der ZHAW-Architekturschule und um eine Debatte um den aktuellen und künftigen Fachaustausch zwischen Stadt und Hochschule geht.

Die Ausstellung versammelt herausragende Studentenarbeiten der letzten zehn Jahre. Sie alle beschäftigen sich mit Orten und Projekten in Winterthur und sind darum auch ein Bekenntnis der ZHAW zum diesem Standort, wie Oya Atalay Franck, Direktorin Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen, einleitend bekräftigte.

Die Studien, Entwürfe und Modelle vermitteln die befreiende Wirkung des Suchens und Forschens aus den Zwängen der Alltagswirklichkeit, die hinterfragt und durch alternative bauliche Vorstellungen und sogar Phantasien überwunden werden. Aus der Vielfalt seien die faszinierenden Umnutzungsvorstellungen für den Sulzer Turm herausgehoben.

Architekturschule als Impulsgeber

Potenzial ist immer auch ein dynamisches Zukunftsversprechen. Sie bildeten den Hintergrund der drei Statements von ZHAW-Dozenten und Institutsleitern und der anschliessenden Diskussion unter der Leitung von ZHAW-Dozent Martin Tschanz. Stephan Popp jubilierte über den genius loci der Halle 180 als Ausbildungszentrum auf dem Sulzerareal, monierte aber gleichzeitig die nicht ausgeschöpften Möglichkeiten in den Austauschbeziehungen zwischen Schule, Stadt und Forum Architektur.

 «Wir müssen uns aus dem Würgegriff der Vorschriften und Labels befreien»

Astrid Staufer hob zunächst den internationalen Modellcharakter der kontinuierlichen, qualitätsbewussten Umnutzung der hiesigen einstigen Produktionsstätten hervor. Kritik übte die renommierte Architektin an der Vorstellung, dass Qualität teuer sei, und in Zweifel zog sie den Glauben, dass ökologische Reglementierungen tatsächlich nachhaltig seien. «Wir müssen uns aus dem Würgegriff der Vorschriften und Labels befreien», war ihr Appell.

Stefan Kurath hatte sich mit seinen Studenten mit der Entwicklung eines Leitbildes für Oberwinterthur beschäftigt. Dies geschah nicht zuletzt aus der Erfahrung heraus, dass Stadtentwicklung, die zu allem ja sagt und etwa unter dem Namen «Smart City» Zukunftslösungen vorgaukelt, der falsche Weg sei. «Auch Neinsagen ermöglicht Wachstum», formulierte Kurath seinen paradoxen Denkansatz und bekennt: «Manchmal ist Widerstand gegen die Gesellschaft positiv für den Raum und damit letztlich auch für die Gesellschaft».

In Liga der grossen Städte angekommen

In der anschliessenden Diskussionsrunde schälte sich immer deutlicher der Wunsch heraus, den Erkenntnistransfer zwischen Schule und Stadt zu optimieren. Der neue Stadtbaumeister, Jens Andersen, erst drei Wochen im Amt, war der Adressat dieser erfrischenden Botschaft. Anfänglich eher pragmatisch-defensiv, liess er sich vom Aufbruchsgeist der Veranstaltung anstecken. «Ich hoffte, nicht nur über Kosten, Effizienz und Termine diskutieren zu müssen, sondern auch über architektonische und städtebauliche Qualitäten».

Im politischen Kontext will er das Bewusstsein dafür schärfen. «Die Architekturschule und das Forum Architektur sind dabei wertvolle Partner mit ihren Kompetenzen und ihrem Fundus», bekannte Andersen. «Wir sind jetzt in der Liga der grossen Städte angekommen. Darauf darf man stolz sein, aber wir müssen noch mehr daraus machen», skizzierte er seine Perspektiven.

Forum Architektur als Plattform

Wie weit gespannt der Problemfächer ist und welche Herkulesaufgabe auf Andersen noch warten, machten auf dem Podium Christoph von Ah, Präsident FAW, Felix Landolt (SP), Gemeinderatspräsident und Beat Waeber, ZHAW, deutlich. Von Ah plädierte für mehr interdisziplinäres Schaffen bei der Entwicklung des für die Stadt zentralen Freiraumes. Landolt erinnerte an die durch die gesteigerte Mobilität entstandenen Probleme, und Waeber rückte nochmals die Moderation des Wissenstransfers zwischen Schule, Stadt und Öffentlichkeit in den Fokus.

Von Ah bot das Forum Architektur als Plattform für diese Prozesse an, und Oya Atalay Franck regte zum Schluss eine Veranstaltung an, wo nach einem Jahr eine erste Bilanz gezogen werden sollte. Bei so viel Potenzial und Aufbruchsgeist kann man eigentlich nur positiv gestimmt sein.

Ausstellung bis So 29. Oktober, 14 bis 17 Uhr, Forum Architektur, Zürcherstrasse 43.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.10.2017, 14:59 Uhr

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