Winterthur

Private wollen keine Sitzbänke sponsern

Nach dem Aufruhr um den «Bänkli-Klau» in ­Wülflingen lancierte die Stadt eine neue Idee: Privatpersonen oder Firmen könnten Sitzbänke im Siedlungsgebiet sponsern. Die erste Bilanz ist simpel: kein Interesse.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nina & Obi, 27. 8. 2004» – «’s Bänkli für de Ruedi Egli, en grosse Dank vo de Walking-Gruppe Oberi» – «26. 03. 1991, hab dich lieb, Bolä» – «Der Weg ist das Ziel.» Solches und Ähnliches steht ­zuhauf auf den Sitzbänken in den Winterthurer Naherholungs­gebieten.

Die Beschriftungen sind der Beleg, dass das Banksponsoring funktioniert, und zwar nach dem einfachen Muster: Interessierte zahlen einen Beitrag an den Unterhalt und bekommen dafür eine Plakette, auf der sie sich verewigen können (wobei die Ewigkeit je nachdem bis zur Verwitterung oder zur ­Anfrage betreffend Verlängerung der Gönnerschaft dauert).

134 Gönner-Bänke gibt es in der Stadt – sie waren früher günstiger zu haben.

Was dagegen nicht zu funk­tionieren scheint, ist das im letzten Jahr lancierte Sponsoring von Bänken im Siedlungsgebiet. Auf den Sitz­bänken an der Technikumstrasse fehlt nach wie vor jede Plakette – dasselbe gilt für Hunderte weitere Bänke auf dem ganzen Stadtgebiet, die für Gönnerschaften freigegeben wurden. Stadtgrün-Chef Beat Kunz be­stätigt auf Nachfrage, dass man seit dem letzten Sommer keinen einzigen neuen Sponsor ge­winnen konnte.

Auf zumindest 20 Patenschaften jährlich hatte man im Garten- und Forstamt ­gehofft. Der verlangte Beitrag von 1500 Franken für fünf Jahre hätte die Unterhaltskosten für die jewei­lige Bank vollständig ­decken ­sollen.

Kaum Werbung

Kunz erklärt sich das fehlende ­Interesse damit, dass man die ­Aktion nicht beworben habe: «Wir sind die Stadtverwaltung, wir können nicht laufend Werbung machen.» Mit der Gönnerschaft wolle man denjenigen, die sich gesellschaftlich engagieren möchten, die Möglichkeit dazu geben. Nun sei der Dominoeffekt, auf den man gehofft hatte, leider ausgeblieben.

«Wir sind die Stadtverwaltung, wir können nicht laufend Werbung machen.»

Insgesamt sind unter den 1800 Sitzbänken auf Stadt­gebiet immerhin 134 Gönner-Bänke – sie liegen vor allem an Spazier­wegen und bestehen vielfach schon sehr lange, Kunz spricht von «altrechtlichen» Bänken, die früher günstiger zu haben waren, teilweise für 800 Franken bei zehnjähriger Laufzeit.

Die rund 500 Bänke, die noch auf einen Gönner warten, sind im Internet verzeichnet (stadt.winterthur.ch/sitzbankgoennerschaft). Die für ein Sponsoring ungeeignet scheinenden Bänke schied man bei der Stadt zum Vornherein aus.

Beck Lyner blieb einer der letzten Sponsoren

Aus der Vielzahl der Sitzbänke sorgten im letzten Jahr deren vier für Schlagzeilen. Nach der Demontage oberhalb der Schenkelwiese in Wülflingen entrüsteten sich Anwohner über den «Bänkli-Klau» (benannt nach dem Wülflinger «Brunnen-Klau», bei dem im Vorjahr der Nebentrog eines Brunnens entfernt worden war). Hier sprang am Ende das an­sässige Gewerbe ein und brachte die gewünschten Sponsoring­beiträge auf.

Susi Albl vom Eventservice Albl bedauert, dass andere diesem Vorbild nicht gefolgt sind. «Es ist gut, etwas zu tun», meint sie. «Mein Mann und ich gehen selber auch gerne spazieren und brauchen die Bänke zum Teil.» Neben der Albl-Bank steht die Beck-Lyner-Bank, «die Bank für Genussmomente der be­sonderen Art», so lautet der an­gebrachte Werbeslogan.

Die teils heftigen Reaktionen von damals verunsicherten den Stadtrat. Der ab­gewählte Bauvorstand Josef Lisibach (SVP) sieht die Verantwortung beim zurückgetretenen Matthias Gfeller (GP), wie er verschiedentlich sagte.

Dabei geht die Massnahme auf das vom Parlament genehmigte Sparprogramm Balance zurück: 40 Sitzbänke wurden ebenso wie wenig gebrauchtes Spielzeug auf Spielplätzen demontiert, man entfernte Hecken und verringerte die Pflege von Rasenflächen, um pro Jahr insgesamt 300 000 Franken an Unterhaltskosten einzusparen.

In den allermeisten Fällen störte sich niemand am Abbau, während sich in Wülflingen die zu Rate gezogenen Obergärtner offensichtlich punkto Beliebtheit der Bänke verschätzten. Trotz der neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sei nicht geplant, die Massnahme rückgängig zu machen, sagt Kunz.

Erfolgreiche Patenschaften bei Wildtieren

Obwohl sich keinerlei neuen Gönner meldeten, betont Stadtgrün-Chef Kunz, dass Patenschaften insgesamt kein Flop ­seien, sondern ein geeignetes Mittel der Geldbeschaffung für die öffentliche Hand. Er verweist auf die seit langem bestehenden Patenschaften von Tieren im Wildpark Bruderhaus.

Im letzten Sommer sind hier fünf Przewalski-Stuten und drei Luchse eingezogen, die noch keinen Götti haben. Wer sich also nicht für eine Sitzbank erwärmen kann – wie wäre es stattdessen mit einem Luchs? Mit 800 Franken im Jahr kommt ein solcher ­allerdings etwas teurer zu stehen als ein Bänkli.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.03.2018, 17:44 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.