Winterthur

Prügelei auf dem Parkplatz

Vor drei Jahren artete der geplante Kauf eines Sofas zu einer Schlägerei aus. Zum Einsatz kam auch ein Radschlüssel.

Auf dem Parkplatz in der Grüze kam es zu einer Schlägerei, diese wurde nun vor dem Bezirksgericht Winterthur verhandelt.

Auf dem Parkplatz in der Grüze kam es zu einer Schlägerei, diese wurde nun vor dem Bezirksgericht Winterthur verhandelt.

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Fast drei Jahre nach der Schlä­gerei auf dem Parkplatz in der Grüze stand der Beschuldigte gestern vor dem Winterthurer Bezirksgericht. Mit seinen 1,70 Metern ist der mittlerweile 30-Jährige, der in Winterthur und Region für eine Sicherheitsfirma arbeitet, eher klein. Da er seine Freizeit im Fitnessstudio verbringt, aber auch sehr muskulös.

«Wo ist das Ehrgefühl geblieben, wenn nicht einmal die archaische Grundregel – Mann gegen Mann – eingehalten wird?» Der Staatsanwalt

An einem Samstagnachmittag im Oktober 2016 fuhr er zusammen mit seinem Bruder und seiner Freundin zum Möbelhaus Lipo, um ein Sofa zu kaufen, als es zum Streit mit zwei völlig Fremden kam. Gemäss seiner Version stand er einem Auto im Weg, worauf Blicke und Grimassen ausgetauscht wurden. «Häsch es Problem?», fragte er den Fahrer. «Nei, du?», erwiderte dieser. Damit hätte der Zwischenfall zu Ende sein können. Doch auf den Wortwechsel folgte eine wüste Schlägerei, bei der sich drei der Beteiligten leichte Schürfwunden zuzogen.

Radschlüssel als Requisite

Im Gegensatz zu den anderen, die «nur» wegen Raufhandels angeklagt wurden, wurde dem Beschuldigten auch versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen. Dies, weil er einen Radschlüssel aus dem Kofferraum geholt und damit herumgefuchtelt hatte – aus Angst und in der Hoffnung, die beiden Männer zu vertreiben. Dabei traf er einen von ihnen am Kopf: «Ich hatte ihn in der linken Hand, weil ich gar nicht vorhatte, jemanden zu schlagen», argumentierte der Rechtshänder. Auch sein Verteidiger sprach von einer Notwehrsituation. Die Richterin gab ihm den eingezogenen Radschlüssel mit der Aufforderung, den Schlag zu demonstrieren, worauf er zögerlich eine horizontale Bewegung ausführte. Der Staatsanwalt sprach hingegen von einem Schlag mit Schwung und erheblicher Kraft gegen den Kopf eines Beteiligten.

«Extrem angeschaut»

Gemäss der Version des Staatsanwalts hätten sich die Brüder betupft gefühlt, weil die Freundin des Beschuldigten «extrem angeschaut» wurde, zitierte er aus den Akten. Mit dem Radschlüssel habe der Beschuldigte das Kräfteverhältnis zugunsten seiner Gruppe zu beeinflussen versucht: «Wo ist das Ehrgefühl geblieben, wenn nicht einmal die archaische Grundregel – Mann gegen Mann – eingehalten wird?» Er forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwanzig Monaten. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch, was er unter anderem mit der Notwehrsituation, begrenzt verwertbaren Beweisen und der langen Dauer des Verfahrens begründete.

Nicht verwertbare Aussagen

Das Gericht qualifizierte sowohl die Aussagen der beiden Gegenspieler, die selbst beschuldigt und somit nicht an die Wahrheit gebunden waren, als auch der Freundin und des Bruders, die für ihn logen, als nicht verwertbar. Das Urteil stützte sich also allein auf die Aussagen des Beschuldigten. Vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung wurde er freigesprochen, für den Raufhandel gab es einen Schuldspruch und eine Strafe von vier Monaten bedingt, bei einer Probezeit von drei Jahren.

Mit schwerem Gepäck

Negativ wirkten sich die Vorstrafen aus, welche die Richterin zur Aussage veranlassten, der Beschuldigte sei einmal querbeet durchs Strafgesetzbuch straffällig geworden. Strafmildernd wirkten sich dafür sein Geständnis, die lange Verfahrensdauer sowie seine positive Entwicklung aus. So gelang es ihm während seiner Halbgefangenschaft, seinen Job zu behalten. Der Arbeitgeber weiss bis heute nichts von seinen Delikten: «Der Chef würde es nicht glauben.» Vom Lohn bezahlt er etwa alte Gerichtskosten ab. Er kümmert sich um seine schizophrene Mutter, die bei ihnen wohnt, und hat vor zwei Monaten mit der Diagnose MS selbst einen Schicksalsschlag erlitten. In der Therapie arbeitet er zudem weiterhin an seiner Persönlichkeit: «Ich lasse mich nicht mehr provozieren aus Angst, als feiger Mann zu gelten.»

Erstellt: 11.07.2019, 09:12 Uhr

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