Kirchenparlament

Kirchenparlament verweigert Gemeinde zusätzliches Geld

Steuererhöhung, Stellenwachstum, Millionen-Sanierung in Oberwinterthur: Der Stadtverband der Reformierten war sich am Montag meist einig. Umstritten war einzig ein von der Kirchgemeinde Winterthur-Stadt beantragter Kredit.

Das Kongresshaus an der Liebestrasse gab erneut zu reden.

Das Kongresshaus an der Liebestrasse gab erneut zu reden. Bild: mas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Stadtverband der sieben evangelisch-reformierten Kirchgemeinden ist auch eine Bank. Schliesst eine der Gemeinden mit einem Defizit ab, springt der Verband ein. Am Montagabend gaben die Schulden der Kirchgemeinde Winterthur-Stadt zu reden. Diese betragen 340'000 Franken und gehen auf die Zeit zurück, als aus dem ehemaligen Kirchgemeindehaus Liebestrasse ein Kongresshaus hätte werden sollen. Das Unterfangen scheiterte, die Ausgaben waren zu hoch, die Einnahmen zu klein.

Im Tössfeld wachsen

Die Kirchgemeinde Stadt will nicht zurück schauen. Die Gemeinde sei vor der Wahl gestanden, ihren Auftrag ernst zu nehmen und die Kirche von morgen zu gestalten oder den Abbau der Schulden höher zu gewichten, sagte Alfred Frühauf, Präsident der Kirchgemeinde Stadt. «Wir haben uns für eine Vorwärtsstrategie entschieden.» Die Stadt will im Tössfeld ein neues Angebot aufbauen. Im Wachstumsgebiet Lokstadt müsse es gelingen, diejenigen Mitglieder wieder für die Kirche zu gewinnen, die nur noch Steuern zahlten, sich aber nicht mehr aktiv beteiligten, führte Kirchenpflegerin Sabine D’Addetta aus. In einem ersten Schritt entsteht gegenüber der Badmintonhalle ein Raum für «Spiritualität und Diskussionen».

Bekommt kein Geld für seine «Vorwärtsstrategie»: Der Präsident der Stadtkirche Alfred Frühauf unterliegt mit seinem Antrag. Bild: bom

Um die «Vorwärtsstrategie» stemmen zu können, bat Frühauf den Stadtverband um weitere 65'000 Franken. Die Gemeinde selbst werde 100'000 Franken aus einem Legat ins Budget nehmen. Alternativ sei es auch möglich, am Finanzausgleich zwischen den Gemeinden zu schrauben, sagte Frühauf. Das aber mache erst nach dem Grundsatzentscheid im Frühling Sinn. Dann Stimmen die Reformierten darüber ab ob sie weiter sieben Gemeinden betreiben oder sich in einer einzigen Kirchgemeinde Winterthur vereinen wollen.

«Dreimal ist genug»

Der Vorstand des Verbandes beantragte, der Kirchgemeinde Stadt keinen weiteren Kredit zu gewähren. Diese habe es verpasst, ihre Schulden innert der vorgeschrieben fünf Jahre zu tilgen. Er werde den Antrag ablehnen, sagte Paul Schöchlin, Präsident der Kirchgemeinde Töss. Schon dreimal habe die Stadt ausserordentlich einen Beitrag erhalten. Kirchenpfleger David Hauser aus Veltheim hingegen sprach sich für den Kredit aus, weil im Tössfeld neue Kirchenformate getestet würden.

Mit 9:8 Stimmen lehnte die Zentralkirchenpflege den Kredit schliesslich ganz knapp ab. Wie sich der Entscheid auswirken wird, wird in rund eineinhalb Jahren ersichtlich. Dann ist klar, wie gross das Minus der Stadt im Jahr 2020 tatsächlich ausfällt.

Ohne Gegenstimmen bewilligte das Kirchenparlament 290'000 Franken für eine «Auffrischung» der Liebestrasse. Weitere Arbeiten sollen später erfolgen. Die Eckwerte eines neuen Konzeptes seien bestimmt, sagte Kirchenpflegerin Katrin Spillmann. Weil Daten aus der Zeit als Kongresshaus fehlten, werde das Konzept aber erst 2022 fertig sein. Die Liebestrasse soll zu zwei Dritteln fremd vermietet und zu einem Drittel von der Gemeinde genutzt werden.

Auch der Baukredit von 7,1 Millionen Franken für die Totalsanierung des 70-jährigen Kirchgemeindehauses Oberwinterthur war unbestritten. Diverse Räume, Leitungen und Isolationen müssten erneuert werden, sagte Finanzvorsteherin Lotti Hofstetter. Diskutiert wurde darüber, ob die Fenster unbedingt oder eventuell ersetzt werden sollen. Mit Blick auf den Energieverbrauch wurde entschieden, neue Fenster einzubauen.

Mehr Sekretariat

Für seine eigene Tätigkeit sieht der Stadtverband im kommenden Jahr Ausgaben und Einnahmen von je rund 2,6 Millionen Franken vor. Trotz der am Montag beschlossenen Aufstockung des Sekretariates von 300 auf 400 Prozent wachsen die Ausgaben nicht, weil 2019 ungefähr derselbe Betrag für das Reformations-Jubiläum ausgegeben wurde. Die Aufstockung war unbestritten. Die Arbeit im Sekretariat habe stark zugenommen, sagte Präsidentin Verena Bula. Ausgeschrieben werden vorerst 80 Stellenprozente für die Kanzlei und den Internetauftritt.

«Ohne Steuererhöhung werden wir uns schon 2021 in einer Schuldensituation wiederfinden.»Christian Schreiber, Finanzvorstand

Auch die Erhöhung des Steuerfusses von 12 auf 13 Prozent hiess die Zentralkirchenpflege mit 16:0 Stimmen gut. Die anstehenden Investitionen und das geschrumpfte Eigenkapital machten diesen Schritt unumgänglich, argumentierte Finanzvorstand Christian Schreiber. Ohne Erhöhung müsse der Stadtverband für das kommende Jahr mit einem Minus von 0,9 Millionen Franken rechnen, mit Steuererhöhung sei ein Überschuss von 0,4 Millionen Franken zu erwarten. In den vergangenen Jahren habe der Verband wie geplant Eigenkapital abgebaut. Für die anstehenden Ausgaben bei der Sanierung von Kirchgemeindehäusern reichten die Reserven nicht mehr, sagte Schreiber. «Ohne Steuererhöhung werden wir uns schon 2021 in einer Schuldensituation wiederfinden.»

Erstellt: 10.12.2019, 16:45 Uhr

Infobox

Stadtverband bekennt sich zu Fabrikkirche

«Der Stadtverband steht hinter der Fabrikkirche, Punkt», sagte Vizepräsident Ueli Siegrist am Montagabend an der Sitzung der Zentralkirchenpflege. Auch nach dem Rückzug der Kantonalkirche aus der Trägerschaft verbleibe für das Projekt ein jährliches Budget von 240 000 Franken, finanziert vom Stadtverband. Das Team der Fabrikkirche werde sich Anfang 2020 treffen, um über die weiteren Schritte und Veränderungen zu beraten, sagte Siegrist. Ein definitiver Entscheid sei nicht gefallen, aber es sei wahrscheinlich, dass der Betrieb im Restaurant Akazie aufgegeben werde. Die neuerliche Veränderung der Öffnungszeiten habe sich nicht im erhofften Masse in der Kasse niedergeschlagen. Den Mietvertrag habe der Stadtverband nicht gegen den Willen der Fabrikkirche gekündigt, sondern auf deren Wunsch, sagte Siegrist. Nach wie vor sei es auch möglich, den Vertrag neu zu verhandeln und zu verlängern. (dh)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.