Winterthur

Rektor zum gestoppten ZHAW-Ausbau: «Es wäre schön gewesen»

ZHAW-Rektor Jean Marc Piveteau verzichtet auf Kritik am Kanton, nachdem dieser den neuen Hauptsitz der Fachhochschule aus der Planung strich. Zugleich relativiert der Hochschulleiter die Dringlichkeit des Ausbaus – vor der Werk-1-Abstimmung war noch von hohem Zeitdruck die Rede gewesen.

Jean Marc Piveteau bedauert den geplatzten Umzug aufs Sulzer-Areal, kann die Beweggründe des Kantons allerdings verstehen.

Jean Marc Piveteau bedauert den geplatzten Umzug aufs Sulzer-Areal, kann die Beweggründe des Kantons allerdings verstehen. Bild: Johanna Bossart

Herr Piveteau, wie gefällt Ihnen die Aussicht in Ihrem Büro?
Jean-Marc Piveteau: Ich bin mit meinem Rektoratsbüro hier ­zufrieden.

Wir fragen darum, weil Ihr neues Büro ­sicher ganz oben im 100-Meter-Hochhaus platziert worden wäre. Nun bleiben Sie hier im 0815-Bürohaus hinter dem ­Neuwiesen-Zentrum.
Ja, ich wollte möglichst weit oben sitzen (lacht). Nein, im Ernst: Die Planung, wie das Hochhaus belegt werden sollte, war noch nicht gemacht. Und derartige Planungen ändern sich ja auch oft noch. Als wir hier an der Getrudstrasse einzogen, wurde die Raumbelegung in den letzten Monaten nochmals überarbeitet.

Nun werden Sie noch viele Jahre in diesem Provisorium bleiben.
Ja. In einem richtigen Hochschulgebäude wäre es natürlich schöner als hier in diesem Bürokomplex. Aber die Situation ist für uns auch in Ordnung hier.

Wann erfuhren Sie, dass der Umzug auf das Sulzer-Areal ­abgeblasen ist?
So genau erfuhr ich das etwa eine Woche, bevor der Entscheid des Regierungsrates kommuniziert wurde. Allerdings zeichnete sich schon seit längerer Zeit ab, dass wir den Umzug nicht wie geplant würden durchführen können. Wir sind ja immer in Kontakt mit den verschiedenen Ämtern.

«Es zeichnete sich schon seit längerem ab, dass wir den Umzug nicht wie geplant durchführen können.»

Wussten Sie schon vor der Abstimmung, dass die Pläne unrealistisch geworden waren?
Nein, das hat sich erst in den letzten Monaten abgezeichnet. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren wir erst in einer Planungsphase. Und eine Planung kann sich immer ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

War Ihnen wohl mit der Abstimmungszeitung? Darin wurde die ZHAW 17-mal erwähnt und der Umzug als Fakt dargestellt, nicht als eine vage Planung.
Für die Formulierungen in der Abstimmungszeitung sind nicht wir als ZHAW verantwortlich, sondern der Stadtrat. Und die Zeitung gab den damals aktuellen Stand der Dinge wieder: Man plante den Umzug ins Werk 1.

Konnten Sie in der Sache mitreden, oder mussten Sie den Entscheid des Regierungsrates einfach zur Kenntnis nehmen?
Bei der ZHAW waren verschiedene Teams in die Planung einbezogen. Diese Teams standen in regelmässigem Kontakt mit den Verantwortlichen in der kantonalen Bildungsdirektion.

Doch die ZHAW ist offensichtlich nur der Befehlsempfänger.
Die Entscheidungsgewalt liegt bei den kantonalen Behörden, beim Kantonsrat und beim Regierungsrat. Wenn diese Behörden etwas entscheiden, dann gilt das.

Und Sie haben nicht auf den Tisch gehauen?
Die Zusammenarbeit zwischen der ZHAW und den betroffenen Ämtern des Kantons läuft gut, wir können uns einbringen. In so einem Prozess müssen Kompromisse gemacht werden.

«Nicht ich bin für die Abstimmungszeitung verantwortlich, sondern der Stadtrat.»

Vielleicht muss man sich manchmal auch etwas be­klagen, damit man das erhält, was man gerne hätte.
Nun, meine Aufgabe ist es nicht, Politik zu machen, sondern eine Hochschule zu führen. Ich muss den Entscheid des Kantonsrates respektieren, und ich kann ihn auch nachvollziehen.

Offiziell fehlt das Geld.
Der Kanton musste angesichts der finanziellen Lage eine Priorisierung vornehmen. Im Bildungsbereich gibt es sehr viele Projekte, die zu bezahlen sind. Der zweite Grund ist die neue Immobilienstrategie: Man will kaufen, anstatt zu mieten. Das hat der Kantonsrat so festgelegt.

Hätte man das Hochhaus denn nicht kaufen können? Implenia hätte doch sicher mit sich reden lassen.
Diese Frage müssten Sie an die Bildungsdirektion richten.

Heute ist die ZHAW ja auch an verschiedenen Orten ein­gemietet: das Rektorat im ­Neuwiesenquartier, das Departement Linguistik im roten Turm und so weiter.
Das stimmt. Diese Mietverhältnisse ist man in der Vergangenheit so eingegangen. Die neue Immobilienstrategie bezieht sich nun auf zukünftige Projekte.

In der Stadt Zürich hat sich der Kanton sehr teuer mit der Kunsthochschule ZHdK auf dem Toni-Areal eingemietet, bei uns wollte man so etwas nun nicht. Hat Winterthur zu wenig ­lobbyiert?
Nein. Der Stadtrat hat uns die Unterstützung gegeben, die er geben konnte. Es haben sich die Rahmenbedingungen verändert, darum musste die Planung angepasst werden. Übrigens ist auf dem Toni-Areal nicht nur die ZHdK untergebracht. Ein Drittel der Studenten auf dem Toni-Areal besucht die ZHAW.

«Nun müssen wir andere Lösungen suchen, was nicht immer leicht sein wird.»

Welche Folgen hat die Absage nun für Ihre Hochschule?
Wir können vorerst nicht umziehen. Auf dem Sulzer-Areal hätten wir mehrere Standorte zusammenlegen können, das wäre für den Betrieb besser gewesen. In den nächsten Jahren wird es nun eine neue Planung brauchen. Wir werden vermutlich gewisse Räume, die wir benötigen, erst mit einer gewissen Verzögerung erhalten.

Worauf müssen Sie konkret ­verzichten?
Das ist offen. Wir müssen nun andere Lösungen finden. Es geht hier nicht in erster Linie um das Rektorat, sondern um Unterrichtsräume, um Labors und um Mitarbeiterbüros.

Sie reagieren sehr gelassen. In der Abstimmungszeitung hiess es: Der Zeitdruck ist hoch, die ZHAW braucht jetzt eine Lösung.
Ich bin sicher, dass wir die notwendige Unterstützung des Kantons erhalten werden, wenn sich in Zukunft ein akuter Bedarf ergibt. Das habe ich in der Vergangenheit stets so erlebt.

Also alles easy?
Das habe ich nicht gesagt. Wir hätten uns gewünscht, dass die ursprüngliche Planung umgesetzt wird, das wäre schön gewesen. Nun müssen wir andere Lösungen suchen, was nicht immer leicht sein wird.

Und suchen Sie diese neuen ­Lösungen in Winterthur, oder auch anderswo?
In Winterthur. Die Departementsverteilung zwischen den drei ZHAW-Standorten Zürich, Winterthur und Wädenswil wird nicht angetastet. Über Einzelheiten, etwa die Kapazitäten der Unterrichtsräume, wird noch zu reden sein.

«Die Frackwoche ist ein Fest von Studenten für Studenten, und das wird sie bleiben. »

Passt einer der Hörsäle noch ins Technikum, das ja nun ­umgebaut wird? Oder vielleicht auch das Rektorat?
Nein. Die Vorgaben sind hier gemacht, und da es bereits Verzögerungen gab, sind wir froh, wenn es nun mit dem Technikumneubau rasch vorangeht.

Zuerst der geplante Umzug des Technikums nach Dübendorf, nun das Musik- und Bierverbot in der Frackwoche – es scheint, dass man sich bei der ZHAW nicht für Winterthurer Tradi­tionen interessiert.
Das sehe ich ganz anders. Die Frackwoche ist ein Fest von Studenten für Studenten, und das wird sie bleiben. Bezüglich der Durchführung gab es Diskussionen zwischen den Organisatoren und der Departementsleitung der School of Engineering, die für den Studienbetrieb und die Sicherheit verantwortlich ist. Sie wissen, wie das ist, wenn man solche Dinge organisiert: Manchmal muss man mehrere Runden drehen, bis man sich einig ist.

Was haben Sie gesagt? Weniger Bier, weniger Lärm?
Die Durchführung der Frackwoche hat die Departementsleitung zu verantworten, ich habe mich über das Thema informieren lassen. Die Verantwortlichen haben nun eine gute Kompromisslösung gefunden: Man darf draussen Bier trinken, jedoch nicht im Gebäude.

Fragen wir anders: Als Sie selber an der ETH in Zürich studierten, zählten Sie da zu den grossen Biertrinkern?
Nein. Als Westschweizer trinke ich lieber guten Rotwein.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.12.2017, 17:18 Uhr

Für eine vergrösserte Ansicht auf Bild klicken. Quelle: ZHAW, Grafik: ak

Die Räume der Fachhochschule ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) verteilen sich in Winterthur auf nicht weniger als 26 Gebäude; auf der Karte sind nur die wichtigsten Standorte verzeichnet.

ZHAW-Räume gibt es auch in der Altstadt (so das Institut für angewandte Informationstechnologie im Bolli-Haus an der Steinberggasse) und an der Stadthausstrasse (so ein Teil der School of Management and Law im Haus mit dem Swisscom-Shop).

Der neue Hauptsitz auf dem Areal Lokstadt, vormals Werk 1, sollte auch zu einer Zentralisierung der Schule führen. Der Regierungsrat gab jedoch vorletzte Woche bekannt, dass das Projekt aufgegeben wird.

In der Zeitung zur Volksabstimmung vom 8. März 2015 hiess es, das Werk 1 sei der «Schlüsselstandort für die weitere Entwicklung der ZHAW», und: «Eine Verzögerung wäre problematisch für die ZHAW, die baldmöglichst mit der Planung für ihren Hauptstandort im Werk 1 beginnen möchte.»

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben