Zum Hauptinhalt springen

Rentnerinnen zu bestrafen, ist der falsche Weg

Das Stimmvolk muss über die Teilaufhebung der Gemeindezuschüsse für AHV- und IV-Rentner befinden. Kommt die Vorlage durch, würden vor allem alte Frauen abgestraft. Keine gute Sparoption, findet Mirko Plüss.

Am 12. April, eine Woche nach ­Ostern, stimmt das Winterthurer Stimmvolk über die Teilaufhebung der Gemeindezuschüsse für AHV- und IV-Rentner ab. Derzeit entrichtet die Stadt für Bedürftige jährlich 3,5 Millionen Franken an Zuschüssen. Dieser Betrag soll im Rahmen des Entlastungsprogramms Balance um 2,1 Millionen gekürzt werden, Betroffene erhielten im Schnitt 84 Franken weniger pro Monat für den allgemeinen Lebensbedarf und für Busfahrten. 1000 Franken weniger pro Jahr, das spürt man.

Der Stadtrat hat d ie Kürzung unter einem grossen Spardruck vorgeschlagen. Doch selbst im Lichte der aktuellen Finanzlage erscheint die Massnahme in vielerlei Hinsicht sozial unverträglich. Vor allem alte Frauen wären von der Kürzung betroffen. Zahlen des Sozialamts zeigen eine massive Geschlechterdifferenz bei der Gruppe der AHV-Rentnerinnen und -Renter, welche die Hälfte aller Bezüger ausmacht. Mehr als dreimal so viele Frauen wie Männer würden künftig weniger Geld erhalten. Geschuldet ist dies nicht nur der höheren Lebenserwartung von Frauen, sondern in erster Linie der strukturellen Ungleichheit einer ganzen Generation. Frauen, die heute im Rentenalter sind, haben zu einem beträchtlichen Teil nie oder nur wenig eigenes Geld verdient. Sie ver­fügen deshalb auch nur über ein Minimum an Vorsorgegeldern und sind ­generell stärker von Altersarmut betroffen. Diese Frauen sind die Leidtragenden eines inzwischen überholten Rollenbildes und sie würden mit der Kürzung der Zuschüsse in ihrem letzten Lebensabschnitt bestraft.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.