Winterthur

Revision setzt Schulleitungen zusätzlich unter Druck

Damit die Kosten in der Schulischen Integration nicht weiter steigen, sollen die Schulleitungen in Winterthur ab 2021 ein fixes Budget einhalten. Stadtrat Jürg Altwegg erhofft sich pragmatischere Entscheide.

Schulen, hier das neugebaute Schulhaus Neuhegi, bekommen in Zukunft einen Kostendeckel für die Sonderschüler.

Schulen, hier das neugebaute Schulhaus Neuhegi, bekommen in Zukunft einen Kostendeckel für die Sonderschüler. Bild: hd

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das letzte Projekt, das die steigenden Sonderschulkosten hätte eindämmen sollen, ist kläglich gescheitert. Was ändert sich mit dem neuen Anlauf, und was macht Sie sicher, dass es diesmal besser kommt?
Wir organisieren mit dem Rahmenkonzept die Schulische Integration neu. Bisher ist es so, dass die Kreisschulpflegen über Massnahmen verfügen. Wir wollen, dass das künftig die Schulleiterinnen und Schulleiter machen. Dafür bekommen sie ein Budget, für das sie verantwortlich sind. Wir rücken damit näher an die Probleme heran. Wenn zum Beispiel zwei Kinder ähnliche Schwierigkeiten haben, wird es möglich, diese gemeinsam anzugehen, während bisher jeder Fall einzeln angeschaut wurde.

Wie wollen Sie diese Budgets der Schulen festlegen?
Wir errechnen das Budget auf der Grundlage der Schülerzahlen und des Sozialmonitorings. Natürlich können wir auch so keine ganz genaue Prognose stellen. Und am Ende haben alle Kinder, die einen Unterstützungsbedarf haben, auch ein Anrecht darauf. Unsere Idee ist, dass es für Abweichungen einen Finanzausgleich gibt. Das heisst: Wenn eine Schule zu viele Mittel hat, kann sie diese unter dem Jahr einer anderen Schule im selben Kreis abgeben. Dafür gibt es ein Controlling, das die Verwendung der Mittel jederzeit nachvollziehbar macht.

Wie verändert sich der Prozess in einem Fallbeispiel?
Wenn heute ein Kind in einer Klasse auffällt, schicken wir es zuerst zum Schulpsychologischen Dienst. Die schauen sich das Kind an und schlagen eine Massnahme vor, zum Beispiel einige Lektionen Heilpädagogik. Über die Umsetzung entscheidet dann die Kreisschulpflege. Neu hat die Schule ein eigenes Budget und ein Interesse, dafür zu schauen, dass der Topf ausreicht. Sie schaut also erst einmal, was sie mit bestehenden Angeboten machen kann, bevor sie weitere Massnahmen bei der Kreisschulpflege beantragt.

«Bisher fehlt in der Kette der
Entscheidungen jemand, der die Kosten überwacht.»
Jürg Altwegg Stadtrat der Grünen und Präsident der Zentralschulpflege

Sie ersetzen also einen grossen Kostendeckel, wie es ihn beim Vorgängerprojekt Sirma gab, durch viele kleine und erwarten eine Besserung?
Sirma war kein richtiger Kostendeckel. Es fehlte jemand in der Entscheidungskette, der die Hoheit hatte, zu überwachen, ob das Geld ausreicht. Darum stiegen die Kosten stetig. Jetzt haben wir an der Front jemanden, der sich verantwortlich fühlt, dass das Budget eingehalten wird.

Und Sie glauben, dass das funktioniert?
Ich habe mich davon überzeugen lassen durch die Fachleute, die das Vorgängerprojekt evaluiert und die Erarbeitung des neuen Konzeptes begleitet haben.

Was die Verteilung der Kompetenzen angeht, gehen Sie auch den umgekehrten Weg. Über die sehr teuren externen Platzierungen von Schülerinnen und Schülern soll künftig die Zentralschulpflege entscheiden.
Ja, wir wollten diese hochschwelligen Fälle in einem zentralen Gremium entscheiden lassen. Es gibt einen Ausschuss, der die Sonderschulungsfälle intensiv prüft und einen Antrag stellt.

Mit der Revision erhöhen Sie unter dem Strich den Druck auf die Schulleiterinnen und Schulleiter, die ohnehin schon als überlastet gelten.
Die Schulleitungen wehren sich nicht gegen dieses Plus an Verantwortung. So das Parlament dies bewilligt, erhalten sie eine Aufstockung im Sekretariat. Damit sollten sie ausreichend Ressourcen freigespielt bekommen, um sich um das Sonderschulbudget zu kümmern. Wir führen das Projekt gestaffelt ein. Im nächsten Jahr gibt es noch keine Schulbudgets, erst 2021. Ende 2021 gibt es eine Evaluation und allenfalls noch Anpassungen.

Beim Stadtrat ist eine Motion hängig, die eine Reorganisation der Schulbehörden verlangt. Haben Sie keine Sorge, dass das Rahmenkonzept dadurch überholt wird.
Nein. In beiden diskutierten Varianten gibt es weiterhin eine Zentralschulpflege und Kreisschulpflegen, die Frage ist einzig, ob es sich bei letzterer um eine gewählte Behörde handeln muss. Am Rahmenkonzept müssen wir also nichts ändern.

Erstellt: 29.11.2019, 18:30 Uhr

Jürg Altwegg Stadtrat der Grünen und Präsident der Zentralschulpflege

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles