Veltheim

Rote Rosen fürs Rosenberg

Der neue Leiter des Einkaufszentrums Rosenberg, der nach elf Jahren an seinen früheren Arbeitsort zurückkehrt, erinnert sich der Rose im alten Logo. Sein erstes Ziel: die Kunden ­vermehrt ins obere Stockwerk locken.

Mission Umsatzsteigerung: Der neue Chef des Rosenberg in seiner Shoppingmall. Als Jörg Ehrensperger das ­Zentrum seinerzeit verliess, stand noch das  alte, kleinere Haus mit ABM und Cindy’s Diner.

Mission Umsatzsteigerung: Der neue Chef des Rosenberg in seiner Shoppingmall. Als Jörg Ehrensperger das ­Zentrum seinerzeit verliess, stand noch das alte, kleinere Haus mit ABM und Cindy’s Diner. Bild: Madeleine Schoder

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Herr Ehrensperger, welchen Tipp geben Sie den Managern der Archhöfe und des Kesselhauses?
Jörg Ehrensperger: Wieso meinen Sie?

Nun, diese Zentren laufen schlecht, während Ihres als das erfolgreichste der Stadt gilt.
Ich kenne die Situation der anderen Einkaufszentren nicht gut genug, um sie beurteilen oder Tipps geben zu können. Was ich Ihnen sagen kann, ist, was bei uns gut funktioniert. Wir haben einen passenden Mietermix: Bei uns ­bekommt man eigentlich fast alles, was man zum Leben braucht, von Gartenartikeln und Möbeln vielleicht abgesehen. Es gibt Restaurant und Café, aber auch eine Apotheke und einen Kiosk mit Postagentur. Solches ist wichtig: Wer ein rezeptpflichtiges Medikament bezieht oder ein Paket abholt, erledigt vielleicht gerade noch den Einkauf oder wird auf ein Produkt in einer Auslage aufmerksam. Gut ist auch unser Einzugsgebiet: Winterthur und die Gemeinden im Norden, aus denen die Kunden über den Autobahnanschluss sehr schnell zu uns kommen. Wir haben sehr grosse, praktische Parkplätze.

Ist das wirklich ein Thema? Die Leute kommen, weil es bequem ist, zu parkieren?
Ja, ich höre das immer wieder. Ins Rosenberg kommen besonders viele Familien, und die schätzen den Platz im Parkhaus.

Man reduzierte die Parkplätze natürlich nicht ganz freiwillig, sondern wegen der Politik – Stichwort: Parkplatzverordnug.
Ja, aus drei Parkplätzen wurden zwei. Wir haben 300 Parkplätze, das ist unter der Woche genug, an den Wochenenden wird es teilweise eher knapp.

Es hätte auch Bushaltestellen.
Darüber sind wir froh. Grosseinkäufe im Bus zu behändigen, ist aber halt nicht so praktisch. Und es gibt in der Nähe keinen Bahnhof. Das merken wir auch bei der Kundschaft. Es hat hier nicht so viele Jugendliche, obwohl es Geschäfte für Junge gibt. Die Jungen zieht es in die Stadt, an den Hauptbahnhof.

Zwei von 40 Geschäften stehen leer. Was kommt da rein?
Das ist noch offen. Ich würde mir wünschen, dass beim Eingang wieder ein Restaurant einzieht.

Das konkurrenziert aber dann das Migros-Restaurant.
Ja, aber Restaurants sind wichtig, weil sie Kunden anziehen. Grund­sätzlich ist es heute schwieriger als früher, Nachmieter zu finden. Früher griff man einfach in die Schublade, es gab immer passende Interessenten. Heute haben es wegen der Internetkonkurrenz besonders die Läden schwer, die nicht zu einer grossen Kette ge­hören. Sie können es nicht ausgleichen, wenn es einmal an einem Standort nicht so gut läuft.

«Die Architektur ist schon sehr speziell.»Jörg Ehrensperger, neuer Leiter des Zentrums Rosenberg

Was muss sich ändern am ­Rosenberg?
Ich besuche regelmässig alle Läden und spreche mit Angestellten und Leitern. Was uns noch besser gelingen könnte, ist, die Leute ins obere Stockwerk zu bringen.

Die Leute sind halt zu faul, um noch die Rolltreppe zu nehmen.
Das Problem ist: Nach oben geht heute fast nur, wer dort in einem der Geschäfte etwas kaufen will, also der gezielte Kunde. Es gibt zu wenige Zufallskäufe.

Was kann man da machen?
Man muss den Leuten bewusst machen, welche Geschäfte es dort gibt. Ich bin zum Beispiel nicht zufrieden mit der Bespielung der Bildschirme im Einkaufszentrum. Wir sitzen hier im Café und blicken gerade auf einen. Was sehen Sie da?

Es werden die Logos der ­Geschäfte eingeblendet.
Aber zu kurz, zu schnell und zu viele. Hier könnte man zum Beispiel den Leiter eines Geschäfts im OG abbilden, der vor dem Laden steht. Und diese Einspielung dann einen halben Tag stehen lassen, sodass sie auch haften bleibt.

Also mehr ­Werbung im Haus?
Ja, und auch bezahlte Werbung, die diese Läden bekannt macht. Zudem ist es wichtig, die Aufenthaltsdauer im Zentrum zu verlängern. Die Kunden sollen nicht nur von der Tiefgarage in einen Laden gehen und zurück, wir müssen ihnen etwas bieten können, sodass sie herumgehen, flanieren. Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich gut, unsere Grundrisse sind grosszügig und es gibt einen hellen Lichthof.

Ihr Kommentar zur Architektur des Zentrums?
Sie ist schon sehr speziell. Man wollte damals ein Gebäude, das gut in die Stadt passt. Von oben betrachtet fügen sich die vier Balken auch tatsächlich gut ein, sie passen zu den umliegenden Häusern. Mit der genoppten Fassade wollte man verhindern, dass der Strassenlärm zu stark zurück­geworfen wird. Das Resultat ist Geschmackssache, aber es gehört zum jetzigen Rosenberg.

Sie kommen aus Frauenfeld, wo Sie die Passage beim Bahnhof leiteten. Schöner oder nicht, ­sicher war da alles viel kleiner.
Auch die Kundschaft war aufgrund der Bahnhofsnähe eine andere, sie umfasste vom Professoren bis zum Randständigen alle. Aber der Vorteil ist, dass jeder hinkommt und durchgeht. Wie der Name an­deutet, verbindet die Passage den Bahnhof mit der Innenstadt.

Kommen eigentlich die ­Frauenfelder zum Shoppen nach Winterthur?
Schon auch, ja. In Frauenfeld wollte ich verhindern, dass die Leute in Winterthur einkaufen, nun will ich hier verhindern, dass sie nach Zürich gehen (lacht). Es ist aber logisch, dass die Leute praktisch entscheiden. Wenn jemand in Frauenfeld auf der Autobahn ist, ist er schneller im Rosenberg als in der Frauenfelder Innenstadt, wegen dem Verkehr.

Was hat sich geändert, seit Sie den Rosenberg vor elf Jahren verliessen?
Ausser dem Name eigentlich alles. Vor der Neueröffnung 2011 stand hier ein rechteckiges Gebäude mit ABM und dem legendären Cindy’s Diner — und natürlich einer Migros. Es gab 14 Läden statt 40 und eine Wohnung statt 150, nämlich die des Abwarts. Nur die Shell-Tankstelle scheint mir noch ähnlich zu sein, und die Kirche. Auch erkenne ich manche Kunden wieder, und einige Mitarbeiter sind noch da, in der Migros-Filiale sind es 18. Wir haben eine grossen Belegschaft von 130 Personen, gewiss, aber immerhin.

Gross und viel Umsatz, da wünscht man sich nichts zurück aus der alten Zeit.
Was man reaktivieren könnte, ist das alte Logo mit der roten Rose, die fehlt mir jetzt. Und ich möchte nachschauen, wo die grosse Rose aus Holz hingekommen ist, die früher beim Eingang zum ABM stand. Das war war früher das Markenzeichen des Rosenbergs. (Landbote)

Erstellt: 10.04.2018, 15:32 Uhr

Jörg Ehrensperger (45)

Bis 2007 Chef am Rosenberg, ist neu wieder Leiter des Einkaufszentrums sowie Geschäftsführer der Migros-Filiale.

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