Bau

Rückschlag für Erschliessung Neuhegi

Der Bund kritisiert in seinem Bericht zum Agglomerationsprogramm, die Erschliessung Neuhegi-Grüze sei unausgereift und zu teuer. Manche Politiker reagieren besorgt, andere erfreut.

Gemäss Bauvorsteherin Christa Meier (SP) hat sich der Stadtrat zwar für eine Beibehaltung der B-Priorität eingesetzt, jedoch ohne Erfolg.

Gemäss Bauvorsteherin Christa Meier (SP) hat sich der Stadtrat zwar für eine Beibehaltung der B-Priorität eingesetzt, jedoch ohne Erfolg. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Kritik aus Bern ist erstaunlich. Die Zentrumserschliessung Neuhegi-Grüze steht seit Jahren auf der politischen Agenda und wurde eingehend diskutiert. Trotzdem stellt der Bund in seiner Würdigung zum Agglomerationsprogramm Winterthur und Umgebung der 3. Generation fest, eine ausgereifte Lösung zur besseren Erreichbarkeit des neuen Zentrumsgebietes sei nach wie vor nicht vorhanden, trotz vertiefter Variantenstudien.

Ziel der Erschliessung ist es, die Autos von der Autobahn A 1 direkt ins Gebiet Neuhegi-Grüze zu leiten, um die Frauenfelder- und die Seenerstrasse zu entlasten. Zahlreiche Varianten standen zur Debatte. Der Stadtrat sprach sich schliesslich für eine Variante aus, die von Wiesendangen her kommend noch vor der Baumalleevon der Frauenfelderstrasse abzweigt. Ein Tunnel soll dann unter Hegi hindurch direkt zur Sulzerallee im Wachstumsgebiet führen. Die genaue Linienführung ist noch offen. Kostenpunkt: rund 200 Millionen Franken.

Aus dem Bericht «Zentrumserschliessung Neuhegi-Grüze» vom 31. Juli 2013. Karte: Stadt Winterthur

Dem Bund geht diese Planung zu wenig weit. Die Massnahme erreiche nicht den erforderlichen Reifegrad, um weiter auf der B-Prioritäts-Liste zu bleiben. Diese Projekte könnten zwischen 2023 und 2026 umgesetzt werden.

Im Detail kritisiert der Bund, die flankierenden Massnahmen, insbesondere auf der Frauenfelder- und Seenerstrasse zur Verbesserung von öffentlichem und Langsamverkehr, seien zu wenig konkret. Zudem sei im schweizeischen Quervergleich mit anderen Entlastungsstrassen das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungenügend. Und schliesslich sieht der Bund noch mögliche Konflikte mit Gewässerräumen.

Ebenfalls zurückgestuft hat der Bund den Knotenumbau Ohrbühl, und zwar von der Priorität A auf Priorität B. Bau- und Finanzreife seien unzureichend. Statt ab 2019 kann der Umbau nun wohl frühestens ab 2023 beginnen.

Zwei wichtige Verkehrsprojekte wurden somit zurückgestuft. Laut der zuständigen Stadträtin Christa Meier (SP) muss dies zumindest für die Zentrumserschliessung Neuhegi-Grüze nicht unbedingt zu einer Verzögerung führen: «Die optimierte und konkretisierte Massnahme kann unabhängig von dieser Zurückstufung im Agglomerationsprogramm der 4. Generation mit A-Priorität eingegeben werden, was noch immer einem beabsichtigten Baubeginn zwischen 2023 und 2026 entspricht.»

«Kommt sie überhaupt?»

CVP-Präsident Andreas Geering zeigt sich ob der Rückstufung besorgt. «Das bringt grosse Unsicherheit. Man weiss nicht, wann und ob die Erschliessung überhaupt kommt.» Es sei zu befürchten, dass alle anderen Massnahmen aus dem städtischen Gesamtverkehrskonzept und dem Verkehrskonzept Neuhegi-Grüze umgesetzt würden, man aber auf das letzte Element, die Erschliessung für Autos, verzichte. «Es wäre wichtig, alle Vorhaben parallel voranzutreiben», sagt Geering. Stadt und Kanton müssten diese Rückstufung unbedingt bekämpfen. Das habe man im Rahmen der Vernehmlassung zum Botschaftsentwurf versucht, sagt Stadträtin Meier. Jedoch ohne Erfolg.

Enttäuscht über die Rückstufung ist auch Peter Uhlmann, SVP-Kantonsrat und Mitinhaber der Firma Optimo, die im betroffenen Gebiet ihren Sitz hat. Überrascht sei er jedoch nicht: «Auf lokaler Ebene vermisse ich ein Engagement für dieses Vorhaben. So ist etwa die im Dezember 2017 bewilligte Stelle des Projektleiters für Neuhegi noch immer nicht besetzt.» Es sei aber wichtig, dass es nun vorwärtsgehe. «Im Moment mag die Situation noch nicht so dramatisch sein, aber nicht nur in Neuhegi, sondern auch in der Grüze werden Firmen angesiedelt. Deshalb muss sich die Stadt jetzt mit Nachdruck für die Erschliessung einsetzen», so Uhlmann.

Anders interpretiert Gemeinderat Reto Diener (Grüne) die Rückstufung. «Sie zeigt, dass die Erschliessung untauglich ist und keine Probleme löst. Die Stadt hat die Chance, nochmals über die Bücher zu gehen.»

Erstellt: 25.09.2018, 09:22 Uhr

Artikel zum Thema

Bund hält Tunnelprojekt für unausgereift und zu teuer

Winterthur Der Bund hat die Priorität der Zentrumserschliessung Neuhegi Grüze zurückgesetzt. Reifegrad der Vorlage und Kosten-Nutzen-Verhältnis seien ungenügend. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.