Winterthur

Saisonstart in der Berufsfabrik

Am Montag starten rund 150 Jugendliche in ihre Lehre am Ausbildungszentrums AZW. Und bereits geht der Kampf um die Talente des nächsten Jahrgangs los. Das AZW ist stark gewachsen und hat ausgebaut.

Brandneu und noch nie benutzt: Arbeitsplätze der Anlagen- und Apparatebauer im neuen Anbau des AZW mit Blick auf den Katharina-Sulzer-Platz.

Brandneu und noch nie benutzt: Arbeitsplätze der Anlagen- und Apparatebauer im neuen Anbau des AZW mit Blick auf den Katharina-Sulzer-Platz. Bild: Madeleine Schoder

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Noch ist das Ausbildungszentrum AZW eine Baustelle, doch schon nächste Woche soll hier alles fertig sein. Dann kehren die «Stifte» zurück — und für rund 150 Jugendliche in 13 Berufen beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Für einige kommt das buchstäblich auf dem letzten Drücker. «Gestern habe ich den letzten Lehrvertrag unterzeichnet», sagt Canonica und lacht.

Gerne hätte er noch mehr Schulabgänger verpflichtet. «Bei den Polymechanikern, den Anlagen- und Apparatebauern und den Konstrukteuren ist die Nachfrage der Firmen grösser als die Zahl der Lernenden.» Und das, obwohl das AZW einen enormen Rekrutierungsaufwand betreibt. Die Zeiten, wo Lehrstellen knapp waren, sind vorbei. «Wenn Sie heute eine gute Schülerin oder ein guter Schüler sind und zehn Firmen anschreiben, kriegen Sie zehn Angebote», sagt Canonica.

Rekrutierung das ganze Jahr

Dazu kommt, dass die AZW-Lehrberufe anspruchsvoll sind. Alle Interessenten werden zu einer zwei- bis dreitägigen Eignungsabklärung eingeladen. «Solche Kurse finden jede Woche statt, das ganze Jahr lang», sagt Canonica. Zwei seiner Mitarbeiter sind hauptsächlich mit Eignungsabklärungen beschäftigt.

«Ich bin felsenfest überzeugt, dass es auch in Zukunft Polymechaniker oder Anlagen- und Apparatebauer braucht. Aber das Berufsbild ändert sich: Weniger feilen, mehr Steuerungstechnik.»Renzo Canonica, 
Geschäftsführer  Ausbildungszentrum AZW

Doch warum sollte heutzutage überhaupt noch jemand einen Beruf in der Industrie ergreifen? Braucht die Schweiz in Zukunft nicht nur noch Ingenieure und Programmierer? «Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir auch in Zukunft Polymechaniker oder Anlagen- und Apparatebeuer brauchen», sagt Canonica. «Nur verändert sich das Berufsbild.

Sie werden weniger feilen, dafür lernen sie beispielsweise mehr über Steuerungstechnik und Automation.» Am AZW erhalten die Lehrlinge in den ersten zwei Jahren eine breite Grundausbildung in ihrem Beruf, die Spezialisierung erfolgt dann bei einer der rund 80 Partnerfirmen.

Nach dem Lehrabschluss ist für viele noch lange nicht Schluss. Etwa ein Drittel der Absolventen geht an eine Fachhochochschule, schätzt Canonica. Ein weiteres Drittel bildet sich berufsbegleitend weiter und die übrigen arbeiten im Stammberuf und sind wertvolle Mitarbeiter an der Front. Bei den Firmen sind vor allem die Mitarbeiter an der Front wegen dem akuten Fachleutemangel stark gesucht, sagt Canonica. «Doch generell ist es heute eine Illusion zu glauben, dass man in dem Beruf pensioniert wird, den man gelernt hat. Drei bis vier Berufe über ein Arbeitsleben, das wird zur Normalität.»

Renzo Canonica selbst hat allerdings bemerkenswerte Konstanz bewiesen. 1990 übernahm er im Alter von 32 Jahren die Sulzer-Lehrlingswerkstatt, aus der 2002 das Ausbildungszentrum AZW hervorging. Canonica hat es die ganze Zeit geleitet. Gründungsmitglieder des AZW waren Burckhardt Compression, MAN, Wärtsilä und Zimmer, alles ehemalige Sulzer-Firmen.

In der Zwischenzeit hat sich die Zahl der Lernenden mehr als verdreifacht. Rund 600 Lernende (400 eigene, 200 von Partnerfirmen) gehen an der Zürcherstrasse 25 ein und aus. Für 800 Lernende organisiert das AZW überbetriebliche Kurse im Hause oder in der Ostschweiz. Anfang 2017 kamen gleich 80 Stifte dazu, als Rieter ihre Lehrlingsausbildung ans AZW auslagerte. Wer in Winterthur einen technischen Beruf lernt, kommt am AZW kaum vorbei.

Keine Kreide, alles digital

Das stark gewachsene Ausbildungszentrum brauchte also Platz - nicht zuletzt für seinen beeindruckenden, hochmodernen Maschinenpark, an dem die Lehrlinge Auftragsarbeiten fertigen. Diesen Platz hat man sich mit einem neuen Anbau verschafft, der in diesen Tagen fertiggestellt wird.

Von den überhohen Glasfenstern der neuen Anlagen- und Apparatebauer-Werkstatt überblickt man den Katharina-Sulzer-Platz. Weiter hinten ist Platz für Garderoben, Pausen- und Theorieräume. Wandtafeln sucht man vergeblich, alles ist elektronisch, bis hin zum Flipchart, der kein Papier enthält, dafür ein riesiges Display. «Sämtliche Investitionen in den Neubau und in die Modernisierung wurden mit Eigenmitteln getätigt», sagt Canonica. «Wir sind als Verein organisiert und unabhängig von Stadt und Kanton.»

Das AZW expandiert stetig

Dass Firmen sich für die Lehrlingsausbildung zusammenschliessen, hat sich als Erfolgsmodell erwiesen. So hat das AZW schon 2005 einen Ableger in Uster eröffnet, das AZO. Letztes Jahr kam das AZM in Langenthal dazu, das unter anderem die Lehrlinge der Maschinenbaufirma Ammann (die Firma von Bundesrat Johann Schneider-Ammann) betreut.

«Wir bieten den Unternehmen einen Vollservice», erklärt Canonica. Das heisst: Moderne Maschinen und Infrastruktur, geschulte Betreuer, die Kontakte mit allen Schulen und Ämtern sowie eine Betreuung der Lernenden, wenn es persönliche oder berufliche Schwierigkeiten gibt.

Start mit Lehrlingslager

Die 150 frischgebackenen AZW-Lehrlinge starten ihre Stifti am Montag nicht in Winterthur, sondern in einem Lehrlingslager. Das ist Tradition. Wenn sie zurückkommen, kennen sie all ihre Kameradinnen und Kameraden und die Hausregeln. Bis dahin sollten auch die letzten Bodenplatten verlegt sein. Und das Rennen um den nächsten Jahrgang beginnt.

Tag der offenen Tür: Am Samstag, 22. September, 10 bis 15 Uhr, kann das AZW an der Zürcherstrasse 25 besichtigt werden. Es gibt Führungen durch den Neubau und Infostationen zu den AZW-Berufen. (Der Landbote)

Erstellt: 10.08.2018, 16:16 Uhr

Renzo Canonica.

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