Winterthur

Sanfter Personalprofi oder schulerfahrene Kämpferin?

Beide wollen kooperativ führen und die Eltern einbinden. FDP-Mann Beat Meier und GLP-Frau Martha Jakob haben viele Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede liegen im Rucksack – und im Stil.

Im Schulhaus Steinacker traten sich am Dienstagabend zwei völlig verschiedene Kandidaten gegenüber.

Im Schulhaus Steinacker traten sich am Dienstagabend zwei völlig verschiedene Kandidaten gegenüber.

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Es soll niemand sagen, die Stimmberechtigten in Seen und Mattenbach hätten am 10. Juni keine Auswahl! Politisch haben die zwei Kandidierenden im grössten Schulkreis als FDP- und GLP-Mitglieder zwar viel gemeinsam, doch vom Temperament her standen sich am Dienstagabend im Schulhaus Steinacker zwei durchaus verschiedene Menschen gegenüber: Martha Jakob trat leidenschaftlich und angriffig auf, Beat Meier eher sanft und bedächtig.

«Am liebsten wäre mir eine Mischung aus den beiden.»Eine Wählerin

Die GLP-Kandidatin versuchte mit ihrer Praxiskenntnis aus über 20 Jahren als Lehrerin (und seit Kurzem Schulleiterin) zu punkten, der FDP-Kandidat betonte seine Führungserfahrung als Personalchef des Strassenverkehrsamtes und als langjähriger Schulpfleger im Kreis Stadt-Töss.

Gut verwurzelt sind beide

Im Podium der IG Elternräte, das von deren ehemaliger Präsidentin Gabriela Koller moderiert wurde, ging es zunächst darum, Martha Jakob und Beat Meier als Menschen und Eltern kennenzulernen und ihren Bezug zum Wahlkreis zu überprüfen. Hier gibt es einige Parallelen: Die 54-jährige Jakob und der 51-jährige Meier haben beide jeweils zwei Kinder und beide einen engen Bezug zu Seen.

Meier wuchs im Kreis auf und turnte jahrelang im TV. Martha Jakob, die im Tösstal aufwuchs, wohnt seit langen Jahren mit ihrer Familie hier und joggt in den Seemer Wäldern.

Wie sparen bei Sonderschule?

Wer immer das Präsidium übernimmt, wird sich mit der Frage der Sonderschulkosten auseinandersetzen müssen. Das Projekt Sirma gilt als gescheitert, das Nachfolgeprojekt Wega soll rasch eingeführt werden. Beat Meier hält Wega für den richtigen Ansatz, solange es «ein sauberes Planungsbudget und Controlling» gebe.

Er findet: «Die Sonderschulkosten sollten nicht ans Kind gebunden sein, sondern jede Schule soll ein Budget haben. Die Schulleiter sind viel näher am Kind als die Behörden.»

Martha Jakob zweifelte an der Praxistauglichkeit dieses Ansatzes: «Wenn eine Flüchtlingsfamilie mit sechs Kindern unter dem Jahr in Ihren Kreis zieht, ist die ganze Planung dahin.» Sie würde Punkto Kosten an einem anderen Ort ansetzen: «Ich würde Schulleiter unterstützen, gute Ideen zur Betreuung auffälliger Schüler umzusetzen.» Ausserdem würde sie beim Kanton dafür kämpfen, dass nicht für so viele Aufgaben teure Heilpädagogen eingesetzt und ausgebildet werden müssten. Auf diese Weise würde mehr Budget für Lehrkräfte und deren Entlastung freigespielt.

Muss die Schulpflege reorganisiert werden, wie dies ein Vorstoss im Gemeinderat fordert? «Nein», findet Beat Meier. «Es funktioniert grundsätzlich gut, die Entscheidungslinien sind klar. Man sollte nicht wegen einer Person, mit der es nicht optimal lief, das ganze System in Frage stellen.» Besagte Person ist Felix Müller, der Schulpräsident von Stadt-Töss, unter dem Meier acht Jahre Vizepräsident war.

«Muss nicht überall führen»

Martha Jakob gibt sich offen für eine Reorganisation. «Ich verstehe Führung als Netz, nicht als Pyramide», betonte sie mehrmals. Sie wolle Entscheide nicht von oben herab, sondern gemeinsam mit den Schulleitern treffen. Auch auf ihre Laienschulpfleger zählt sie fest: «Ich bin mit der Verantwortung nicht alleine.» Sowieso: «In Bereichen, wo es gut läuft, da muss ich nicht führen oder dreimal kontrollieren.»

Auch die Eltern seien zwingender Teil dieses Netzes, findet Jakob. «Disziplingeschichten und Fragen der Integration löst man nur mit den Eltern, ohne sie kann man einpacken.» Auch Beat Meier lobte Elternmitwirkung als «zentral und wichtig», betonte aber auch die Grenzen: «Wo es um Personelles oder den Lehrplan geht, endet die Mitsprache.»

Burn-out hier, Burn-out da

Wer Schulpräsidentin oder Schulpräsident werden möchte, muss Brandlösch-Qualitäten mitbringen. Wie eine Umfrage neulich zeigte, fürchtet mehr als ein Drittel der Schulleiterinnen und Schulleiter ein Burn-out. Meier bot spontan an, ihnen als Schulpflege die Mitarbeitergespräche abzunehmen, eine Idee von der Jakob gar nichts hielt. «Auch wir Lehrer drohen auszubrennen», hiess es dann aus dem Publikum.

Hier gab es wenige konkrete Versprechungen, Meier und Jakob wissen, das Kostenkorsett ist eng. «Auch wir Eltern stehen vor dem Burn-out», klagte zuletzt eine Mutter. «Ob hochbegabt, lernschwach oder ADHS, niemand von uns weiss, wohin man sich wenden soll.» Jakob empfahl den Schulpsychologischen Dienst, Meier die Homepage der Bildungsdirektion.

Und wer hat nun gewonnen?

Wer das Duell für sich entschieden hatte, lag im Auge des Betrachters: «Martha Jakob blieb in ihrer Rolle als Lehrerin stecken, Beat Meier versteht die Aufgabe der Schulpflege und hat viel mehr Führungserfahrung», fand FDP-Bezirksrat Peter Rütimann. SP-Gemeinderat Benedikt Zäch erlebte es genau andersherum: «Martha Jakob war die klare Siegerin, engagiert und mit allen Details vertraut. Meier blieb bei Allgemeinplätzen.» Eine Lehrerin und Wählerin seufzte: «Am liebsten wäre mir eine Mischung aus den beiden.»

(Der Landbote)

Erstellt: 16.05.2018, 18:34 Uhr

«Für viele Aufgaben an der Schule braucht es keine teuren Heilpädagoginnen – da sehe ich Sparpotenzial.»

Martha Jakob, GLP

«Die Schulleitungen sollen die Budgets für Sonderschulung verwalten; sie sind näher beim Kind als die Behörden.»

Beat Meier, FDP

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