Ersatzwahl

Schlägt SP einen Mann als Beutler-Ersatz vor?

Eine Woche ist seit der Rücktrittsankündigung von Stadträtin Yvonne Beutler vergangen. Die Nachfolgesuche der Parteien läuft auf Hochtouren. Hört man sich nach möglichen Kandidierenden um, gibt es einige Namen, die immer wieder genannt werden.

Wer wird zur Wahl um den frei werdenden Sitz antreten? Bestätigt ist noch keine Kandidatur.

Wer wird zur Wahl um den frei werdenden Sitz antreten? Bestätigt ist noch keine Kandidatur. Bild: Enzo Lopardo

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Der Rücktritt von Stadträtin Yvonne Beutler (SP) kam für alle Parteien überraschend, nun sind sie bei der Kandidatensuche unter Druck. Jemanden von langer Hand aufzubauen, war nicht möglich. Entsprechend unwirsch reagieren die Parteien auf Nachfragen zu Namen. Es sei noch zu früh. Viel mehr als Angaben zum Prozess sind den Verantwortlichen nicht zu entlocken.

SVP-Vorstand sondiert

Die SVP hat sich am Dienstagabend zu einer ersten Sitzung getroffen und dort nochmals bekräftigt, dass man antreten will. Der Parteivorstand werde nun sondieren, wer für diese Aufgabe in Frage komme, sagt Parteipräsident Simon Büchi. Wie lange dies dauere, sei noch unklar, spätestens am 8. Mai werde aber die Basis offiziell einen Kandidierenden nominieren.

Die SP Winterthur hat eine vierköpfige Findungs-Kommission (Fiko) eingesetzt, die von Gemeinderat Felix Landolt präsidiert wird. Vertreten sind weiter Marianne Ott, Matthias Erzinger und Christoph Baumann. Laut Parteipräsident Felix Steger hat das Gremium eine umfangreiche Liste mit Namen zusammengetragen. «Es handelt sich nicht nur um Leute mit einem Gemeinderats- oder Kantonsratsamt, sondern auch um profilierte Köpfe ausserhalb.»

SP lanciert Wahl-Webseite

Noch hat die Fiko nicht mit all diesen Leuten gesprochen, doch ein Zeitplan ist bereits festgelegt, wie Steger sagt: «Wir führen nun zunächst Gespräche und bis nach den Ostern wollen wir wissen, wer sich das Amt vorstellen kann. Nominiert wird die Person dann am 7. Mai.» Die Öffentlichkeit will die SP bereits in der Woche nach Ostern über den Vorschlag der Fiko informieren, und zwar auf der eigens eingerichteten Website www.stadtrat.vote.

Auch die Grünliberalen haben eine Fiko eingesetzt, die von Co-Präsident Beat Meier und Gemeinderätin Silvia Gygax geführt wird. Getagt hat diese noch nicht. Spätestens bis zur Mitgliederversammlung am 16. Mai werde aber eine Kandidatur feststehen, sagt Annetta Steiner.

Auch wenn sich die Parteien noch keine Namen entlocken lassen, dreht sich das Kandidaten-Karussell munter. Eine nicht repräsentative Umfrage bei lokalen Politikerinnen und Politikern fördert einige Namen zutage.

Viele erwarten Gross

Bei der SVP sehen mehrere Personen den 45-jährigen Michael Gross als Favoriten. Dieser sitzt seit 2016 im Gemeinderat und hat sich vor allem in der Budgetdebatte und in der Diskussion um die Pensionskasse stark engagiert. Ihm wird vor allem von bürgerlicher Seite attestiert, er habe das Format für ein solches Amt. Weiter werden Gabriella Gisler (56), Simon Büchi (35) und Markus Reinhard (40) als mögliche Kandidaten genannt. Gross will sich auf Anfrage nicht dazu äussern, ob er zur Verfügung steht. Büchi winkt eher ab: «Ich hatte genug Wahlkampf in letzter Zeit.»

Für alle Amtsträger Thema

Auch bei der GLP gibt es eine klare Favoritin. Allgemein wird eine Kandidatur von Gemeinderätin und Neo-Kantonsrätin Katrin Cometta (43) erwartet. Auf Anfrage will sie sich noch nicht dazu äussern, ob sie zur Verfügung steht. Angesprochen darauf, dass viele sie als Favoritin sehen, sagt sie jedoch: «Das freut mich.»

Ebenfalls als mögliche Kandidatin gilt Ratspräsidentin Annetta Steiner (54). Sie sagt, eine Kandidatur sei für alle GLP-Amtsträger ein Thema, auch für sie selbst. Doch es gelte verschiedene Faktoren abzuwägen. Nicht zuletzt gehe es um die Frage, wer überhaupt so kurzfristig in einen Wahlkampf einsteigen könne. Ebenfalls im Gespräch ist Kantonsrat Michael Zeugin (41), der allerdings schon dreimal erfolglos kandidiert hat und beim dritten Anlauf sagte : «Sollte es dieses Mal nicht klappen, werde ich keinen vierten Anlauf nehmen.»

Bei der SP sehen die Angefragten die grössten Fragezeichen, nicht zuletzt wegen der Geschlechterfrage. Die Grünen hatten ja bereits am Tag der Wahl den Wunsch geäussert, die SP solle auf eine Frau setzen. Laut Steger will sich die SP jedoch nicht auf eine Frau festlegen. «Das Geschlecht ist sicher ein sehr wichtiger Punkt, aber nicht der zentrale. Da die SP zuletzt immer zwei Frauen im Stadtrat hatte, ist das Geschlecht jetzt kein zwingendes Kriterium. Wichtig für dieses anspruchsvolle Amt sind in erster Linie Führungserfahrung, politisches und fachliches Know How.» Man habe auch mit den verbündeten Grünen gesprochen und diese sähen das ebenso.

«Die Situation
kommt völlig
unerwartet.»
Roland Kappeler,
SP-Gemeinderat
und möglicher Kandidat

Hinter vorgehaltener Hand heisst es, wenn die SP eine Frau aufstellen müsste, werde es wohl eher schwierig. Bei den Männern gebe es profiliertere Kandidaten. Genannt wird in erster Linie der 60-jährige, erfahrene Roland Kappeler, der seit 2012 im Rat sitzt. Ebenfalls vorstellen könnte man sich Gemeinderat Silvio Stierli (51) und Kantonsrat Andreas Daurù (39). Bei den Frauen gilt vor allem Maria Sorgo (33) als mögliche Kandidatin. Sie sagt selber, sie wolle erst die Diskussion mit der Fiko abwarten, grundsätzlich sei es für sie aufgrund einer Weiterbildung jedoch nicht der ideale Moment für einen Karriereschritt.

Welche Rolle spielt das Alter?

Roland Kappeler schliesst eine Kandidatur nicht aus: «Die Situation kommt auch für mich völlig unerwartet und ich habe das noch nicht wirklich mit allen Konsequenzen durchgedacht, aber grundsätzlich könnte ich mir das Amt schon vorstellen.» Schliesslich gehöre er im Rat zu den Insidern und die fachlichen Qualifikationen würde er ebenfalls mitbringen. So richtig ernsthaft rechnet er aber nicht mit einer Kandidatur, da Geschlecht und Alter eher gegen ihn sprechen würden.

Bei der SP wird betont, man dürfe nicht nur an Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gemeinderat denken. Ins Spiel gebracht werden etwa die ehemalige Gemeinderätin Jacqueline Romer (54), die heute Generalsekretärin in der Direktion der Justiz und des Innern bei Jaqueline Fehr ist. Oder Karin Fischer (51), Präsidentin der Kesb Winterthur-Andelfingen. Romer sagt jedoch auf Anfrage, sie stehe für dieses Amt nicht zur Verfügung. Fischer äusserte sich nicht. Nachdem die SP von der «Landbote»-Umfrage erfahren hatte, teilte sie mit, man habe festgelegt, dass mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sich gegenüber der Presse nicht äussern würden.

CVP verzichtet

Kaum zur Ersatzwahl antreten wird die CVP. Parteipräsident Andreas Geering sagt, der formelle Beschluss fehle zwar noch, doch man verzichte wohl auf eine Kandidatur. EVP und Grüne hatten bereits kommuniziert, dass sie nicht antreten werden. (Landbote)

Erstellt: 09.04.2019, 16:27 Uhr

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Wahldatum

Warten auf Bestätigung des Bezirksrats

Ein Termin für die Wahl ist offiziell noch nicht bekannt. Thomas Bolleter von der Stadtkanzlei sagt, der Termin könne erst festgelegt werden, wenn der Bezirksrat den Rücktritt von Yvonne Beutler entgegengenommen und bestätigt habe.Voraussichtlich werde die Wahl aber auf den 7. Juli 2019 angesetzt. So sei der notwendige Abstand von sechs Wochen zum vorhergehenden Urnengang vom 19. Mai gewährleistet. Zudem sei an diesem Wochenende auch nicht Albanifest oder bereits Ferienanfang.

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