Winterthur

Schloss von Rolf Erb kommt zum Verkauf

In einem Traumschloss am Bodensee wohnte der Winterthurer Unternehmer und verurteilte Wirtschaftskriminelle Rolf Erb bis zu seinem Tod. Nun wird das Anwesen aus der ­Konkursmasse verkauft – nächste Woche starten die Gebote.

«Denkmal von nationaler Bedeutung»: Zum Schloss Eugensberg gehört neben dem Haupthaus (Bild) etwa auch ein Badehaus am Bodensee.

«Denkmal von nationaler Bedeutung»: Zum Schloss Eugensberg gehört neben dem Haupthaus (Bild) etwa auch ein Badehaus am Bodensee. Bild: pd

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Es ist schon einige Zeit her, seit der grösste Winterthurer Wirtschaftsprozess seinen strafrechtlichen Abschluss fand: 2015 bestätigte das Bundes­gericht die verhängte siebenjährige Haftstrafe.

Von den Immobilien, die Rolf Erb besass und teilweise rechtswidrig weiterverschenkte, stehen nun zwei bekannte zum Verkauf. Die Villa am Wolfensberg in Wülflingen, in der Erb Teile seiner Kindheit verbrachte, wurde im Januar ausgeschrieben.

Bei der beteiligten Agentur berichtete man von grossem Interesse, verkauft ist das Haus aber offenbar noch nicht, wie aus Aussagen von Martin Wenk vom Thurgauer Konkursamt geschlossen werden darf. Man werde die Öffentlichkeit nach Unterzeichnung des Kaufvertrags informieren, wohl in einigen Wochen, sagt dieser. Die Villa kostet gemäss Inserat 2,95 Millionen Franken, der Renovationsaufwand ist auf 6,3 Millionen geschätzt worden.

«Äusserst grosszügiges» Schloss und Anwesen

Die wohl bekannteste Immobilie von Rolf Erb kommt nun ebenfalls zum Verkauf. Gestern lud die Immobilienfirma Ginesta mit Sitz in Küsnacht am Zürichsee für kommenden Donnerstag zu einer Medienkonferenz auf das Schloss Eugensberg ein. Genauere An­gaben, etwa zum Mindestgebot, werden noch nicht gemacht.

«Die Schlossanlage kann in ihrer Gesamtheit oder in Einzelobjekten erworben werden»,

Zum «äusserst grosszügigen» Anwesen (Medienmitteilung) in der thurgauischen Gemeinde Salen­stein gehören nebst dem Schloss samt Park, Swimmingpool und Nebengebäuden auch ein ehemaliger Gutsbetrieb (Wohnhaus), eine als Bauland klassifizierte Parzelle, grosse Landwirtschaftsflächen, Wälder und Weiher sowie ein Badehaus direkt am Bodensee. «Die Schlossanlage kann in ihrer Gesamtheit oder in Einzelobjekten erworben werden», so heisst es in der Mitteilung.

Unternehmer Rolf Erb war nach seiner rechtskräftigen ­Verurteilung wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung kurz vor dem Haft­antritt gestorben. Seine Angehörigen mussten im letzten Jahr aus dem Schloss ausziehen.

Kanton Thurgau hat Interesse an einer Ruine

Im Thurgau wollten Politiker schon wissen, ob nicht der Kanton das Schloss kaufen wolle. Offenbar ist dieser tatsächlich interessiert, aber nur an der auf dem Areal gelegenen Ruine Sandegg. Der Kauf des Schlosses selbst ist laut regierungsrätlicher Interpellationsantwort «keine Option», da zu teuer und nicht sinnvoll.

Einem Bericht der «Thurgauer Zeitung» zufolge könnte der Erwerb von Überresten der mehr als 1000-jährigen, 1833 abgebrannten Burg Sandegg den öffentlichen Zugang zu Teilen des Areals sichern. Aktuell prüfe das Amt für Archäologie, ob die schöne Terrasse instandgestellt und sinnvoll betrieben werden könne.

Schloss und Park Eugensberg werden kaum öffentlich zugänglich werden, so der Regierungsrat: «Die Bereitschaft von Privatpersonen, ihr Anwesen öffentlich zugänglich zu machen, hält sich im Allgemeinen in Grenzen.»

Das Gelände gilt als grösster und bedeutendster Landschaftspark im Thurgau und das Schloss ist gemäss kantonaler Denkmalpflege ein Monument von nationaler, wenn nicht von europäischer Bedeutung. Kaufinteressenten müssen also mit erheblichen Auflagen der öffentlichen Hand betreffend Um- und Neubauten rechnen, was die Nach­frage nach dem Bijou indessen kaum schmälern dürfte.

Investiert ein Zürcher Unternehmer?

Kein Kleinod ist eine dritte Erb-Immobilie, die allerdings in Winterthur besonders interessiert: das Zentrum Töss. Der grosse Wohn- und Gewerbeblock an der Zürcherstrasse wurde bereits verkauft. Der neue Eigentümer äusserte sich jedoch bis anhin nicht; nach Berichten handelt es sich um den Zürcher Unternehmer Dow Sternbuch.

Auch Quartiervertreter hatten mit Anfragen an die Verantwortlichen bislang kein Glück. Sie habe weder auf ihren Brief noch auf ein entsprechendes E-Mail an Verwaltungsratspräsident Livio Zanetti eine Antwort erhalten, sagt Rosmarie Peter, Präsidentin des Quartiervereins Töss-Dorf.

Dem Vernehmen nach hole die Verwaltung derzeit Offerten für umfangreiche Renovationsarbeiten ein, dazu soll auch die Renovation von Wohnungen gehören. Wie Peter berichtet, wurde bereits der Brunnen vor dem Gebäude etwas instandgestellt, «das wird kaum die Migros veranlasst haben».

Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) war mit den Zuständigen in Kontakt, man habe aber vorderhand Stillschweigen vereinbart, sagt er, da die Verantwortlichen später selber informieren wollten. Die wichtigste Botschaft, so der Stapi: «Die neuen Eigentümer wollen in das Zentrum investieren.»

(Der Landbote)

Erstellt: 04.04.2018, 16:00 Uhr

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