Winterthur

Schrotthändler im Balkan zerlegen 7000 O-Bikes aus Hegi

Die Posse rund um das O-Bike-Depot in Hegi ist um eine kuriose Episode reicher. 7000 Billigvelos wurden an einen Schrotthändler verkauft und kommen nun ins Ausland.

In Neuhegi rosten seit Monaten ungebrauchte O-Bikes vor sich hin. Nun werden sie im Balkan verschrottet.

In Neuhegi rosten seit Monaten ungebrauchte O-Bikes vor sich hin. Nun werden sie im Balkan verschrottet. Bild: anb

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Von einem Tag auf den anderen standen im vergangenen Herbst plötzlich Tausende Billigvelos der Singapurer Firma O-Bike in einer Lagerhalle in Hegi. Da hatten sie schon eine lange Reise hinter sich: Hergestellt wurden die O-Bikes in China. Von dort fuhren sie im Containerschiff nach Genua und in Lastwägen in die Schweiz.

Nun geht die Reise weiter. Seit Mittwoch stehen vier polnische Sattelschlepper bei der Lagerhalle, jedes O-Bike wird über eine schmale Rampe in die Frachträume gerollt und dort dicht gestapelt. Das Ziel: Länder wie Bosnien oder Rumänien, wie bei einem Augenschein zu erfahren ist.

Gebaut, verrostet, Schrott

Viele der teils bereits verrosteten Eingänger-Velos werden wohl nie einen Fuss auf der Pedale spüren. O-Bike hat die rund 7000 Velos an einen Zürcher Schrotthändler verkauft, dieser wiederum an eine Altmetall-Verwertungsfirma.

Die meisten O-Bikes sollen in Osteuropa billig in ihre Einzelteile zerlegt werden, nur eine geringe Zahl kommt auf die Strasse – das O-Bike-Logo wird weggeschmirgelt.

O-Bike weiss selbst nicht genau, wie viele Velos auf Winterthurer Stadtgebiet stehen.

Die beteiligten Firmen wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Zürcher Vertretung von O-Bike war für eine Stellungnahme wie üblich nicht erreichbar.

Dem Vernehmen nach hat O-Bike den Verkauf der Velos selber initiiert. Laut den Abnehmern sei die Zahl von 7000 Velos eine grobe Schätzung. O-Bike wisse selbst nicht genau, wie viele Velos auf Winterthurer Stadtgebiet stünden.

Wieviele Velos sind hier deponiert? Das weiss niemand so genau. Video: anb

Dutzende Fahrräder wurden offenbar kürzlich gestohlen – alleine vor der Halle in Hegi standen zeitweise Hunderte der Billigvelos ohne Schloss herum.

Unklar bleibt bei der ganzen Geschichte, welche Geschäftsstrategie O-Bike verfolgt. Es ist noch kein Jahr her, dass das Start-Up weltweit und aggressiv in lokale Verleihvelo-Märkte in der Schweiz eindrang.

Worum geht es hier?

Die Velos in Hegi waren – je nach Ansprechsperson – für den Schweizer oder den europäischen Markt gedacht. Nun sind sie für die Firma plötzlich nur noch Schrott.

In diversen Medienberichten wurde auch schon gemunkelt, der Firma gehe es nicht ums Velofahren sondern um verkaufbare Kundendaten: Wer O-Bike fährt, hinterlässt seine Personalien und Kreditkarten-Angaben.

Dass für das grosse Depot die Wahl auf Winterthur fiel, dürfte Zufall sein. Denn auf den Strassen der Stadt konnte sich die Firma bisher nicht wirklich durchsetzen. Der Stadtrat hat eine Grenze von 150 Fahrrädern festgelegt, darüber wäre für O-Bike eine kostenpflichtige Bewilligung nötig.

Wie es nach dem Hegemer Velo-Exodus für die Firma O-Bike weitergeht, ist unklar. Schon länger hatte sie angekündigt, grössere und besser verarbeitete Velos mit drei Gängen auf den Markt zu bringen.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.04.2018, 17:39 Uhr

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