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Schuldspruch zu Biorender

Ein ehemaliger Wiler Stadtrat wurde wegen ungetreuer Geschäftsführung schuldig gesprochen.

Das Gas wurde aufgrund technischer Probleme teuerer als geplant: Blick in die Vergärungsanlage von Biorender.
Das Gas wurde aufgrund technischer Probleme teuerer als geplant: Blick in die Vergärungsanlage von Biorender.
Heinz Diener (Archiv)

Das Kreisgericht Wil hat heute Montag den früheren Wiler Stadtrat Andreas Widmer wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Widmer vertrat während seiner Amtszeit die Stadt Wil im Verwaltungsrat der Fleischvergärungsanlage Biorender. Diese ging letztes Jahr in Konkurs.

Widmer hatte es 2011 versäumt, den Gesamtstadtrat über eine massive Verteuerung des Biogases zu informieren. Für die Stadt Wil entstand ein Schaden von 4,3 Millionen Franken. Widmers Anwalt kündigte noch am Montag Berufung an. Widmer selbst erklärte, stets korrekt gehandelt zu haben.

An der Biorender AG war neben Wil und St. Gallen auch Winterthur zu einem Viertel beteiligt. Die Anlage wird derzeit privat weitergeführt, Stadtwerk bezieht noch immer Biogas.

Freisprüche

Freigesprochen wurden der mitangeklagte Geschäftsleiter und der kaufmännische Leiter der Technischen Betriebe Wil. Die von ihnen abgewickelte Bezahlung der Biogas-Mehrkosten aus der internen Arbeitspreisreserve sei buchhalterisch vertretbar gewesen, begründete der Gerichtspräsident.

Für die richtige und rechtzeitige Information des Wiler Stadtrats wäre laut Gericht Andreas Widmer verantwortlich gewesen. Als Vorsteher der Technischen Betriebe vertrat er die Stadt Wil auch im Verwaltungsrat der Biorender AG. Alle wichtigen Informationen liefen über ihn.

Ungewissheit nach Biorender-Konkurs

Derzeit läuft der Betrieb provisorisch weiter. Abnehmerin des Gases ist noch bis Oktober 2015 die Stadt St. Gallen. Was danach aus dem ehemaligen Pionierprojekt wird, ist offen. Ex-Stadtrat Andreas Widmer wollte nach der Urteilseröffnung in Flawil nichts sagen.

Das Kreisgericht Wil hatte den Fall am vergangenen Freitag verhandelt. Der Staatsanwalt warf den drei Angeklagten vor, «flagrant die finanziellen Vorgaben der Stadt verletzt» zu haben - ohne Budget, ohne Nachtragskredit und ohne den Stadtrat zu informieren.

Der Staatsanwalt forderte für Widmer eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Busse, für die beiden Kaderleute der Technischen Betriebe bedingte Geldstrafen und Bussen. Die Verteidiger verlangten Freisprüche.

Technische Probleme

Die höheren Preise für das Biogas hätten auf Verträgen beruht und seien für die Stadt Wil gebundene Ausgaben gewesen. Die Verbuchung über die Arbeitspreisreserve - die dem Ausgleich von Preisschwankungen beim Energie-Einkauf dient - sei korrekt gewesen. Es sei nicht darum gegangen, irgend etwas zu verheimlichen.

Grund für die teuren Gaskäufe waren technische Probleme in der Fleischvergärungsanlage der Biorender AG in Münchwilen TG. Diese verrechnete, um fehlende Einnahmen zu kompensieren, den ökologischen Mehrwert des Biogases statt mit 8 Rappen pro Kilowattstunde neu mit 25 oder gar 50 Rappen pro Kilowattstunde.

SDA/mpl

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