Ausserdorf

Sechs Stockwerke gegen die Autobahn

Die Pensionskasse BVK baut in Wülflingen die Überbauung Gartenhof, mit Wohnungen, einem Pflegezentrum und einer Kinderkrippe. Weil ringsum Lärm ist, liegt der Garten mitten im Gebäude drin.

Bild: Marc Dahinden

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Der Acker war im Ausserdorf der letzte seiner Art. In den vergangenen Wochen wurde auf dem Grundstückspickel zwischen Wieshofstrasse, Wässerwiesenstrasse und Autobahn die Erde abgetragen. Lastwagen transportierten diese weg, zusammen mit 35 000 Kubikmeter ausgebaggertem Kies. In der riesigen Grube standen am Dienstag Vertreterinnen und Vertreter von Bauherrschaft, Generalunternehmung, Architekten und Stadt. Sie legten den Grundstein für eine Überbauung, die Gartenhof heissen wird. Ursprünglich war der Name Wieshof vorgesehen, doch diesen Hof gibt es schon in Wülflingen, auf der anderen Seite der Töss.

Wie eine grosse Acht

Die Herausforderung für die Architekten des Gartenhofes lag darin, dass rings um den Standort die Lärmbelastung hoch ist. Sowohl der Verkehrslärm auf der Autobahn als auch auf der Wieshof- und Wässerwiesenstrasse überschreitet die zulässigen Grenzwerte.

Das von Oester Pfenninger Architekten aus Zürich geplante Gebäude wird deshalb von oben betrachtet wie eine Acht aussehen, mit einem kleineren Innenhof oben und einem grossen Innenhof unten. Im schmalen Bau werden Küchen und Badezimmer auf der Aussenseite liegen und die Wohnräume zum Hof hin. Diese Anordnung erlaubt es Bewohnerinnen und Bewohnern, die Fenster der Wohnräume trotz dem Lärm nach Belieben zu öffnen.

Zur Autobahn hin wird der Gartenhof sechs Stockwerke hoch gebaut und zu Wieshof- und Wässerwiesenstrasse drei Stockwerke hoch. Diese Bauweise soll verhindern, dass selbst Lärmechos in die Innenhöfe dringen. Diese sollen wie kleine Parks oder eben Gärten gestaltet werden, mit Bäumen und Liegewiesen. Alle Wohnungen erhalten auf der Hofseite zudem einen grossen Balkon. Insgesamt sind 112 Wohnungen geplant, mit je 2,5 bis 6,5 Zimmern, eine Kindertagesstätte und ein Pflegezentrum. Tertianum wird darin 87 Pflegebetten anbieten, wovon 15 Betten für Demenzpatienten gedacht sind. Wieviel Geld die Pensionskasse des Kantons Zürich in den Gartenhof investiert, will sie nicht mitteilen.

Von Äpfeln und Bäumen

Vom Garten im grossen Innenhof war bei der Grundsteinlegung mehrfach die Rede. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) nannte ihn Garten Eden und hoffte, dass allfällige Zankäpfel in dem Paradies aufgelesen und zu Most gepresst würden. Raffael Brogna, CEO der Generalunternehmung Eiffage Suisse AG hingegen gelüstete es stärker nach einer Apfelwähe. Fakt ist: Die Baumarten, die in den Innenhöfen gepflanzt werden, sind noch nicht bestimmt. Apfelbäume werden es aber wohl nicht sein. Sicher ist hingegen, dass die Bäume im Gartenhof genug Platz zum Wurzeln erhalten werden. Dafür sei extra die Tiefgarage an den Rand der Überbauung verlegt worden, sagte Thomas Schönbächler, der Vorsitzenden der BVK-Geschäftsleitung.

Die Auslegung der neuen Überbauung für drei Generationen von Bewohnern – die BVK wirbt wegen der Kindertagestätte gar mit vier Generationen – sei ganz im Sinne der Stadt, sagte Stadtpräsident Künzle. Die altersmässig durchmischte Mieterschaft im Gartenhof werde «aktive Nachbarschaftshilfe» ermöglichen. Schönbächler von der BVK lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt bei der Vorbereitung, beim gemeinsam durchgeführten Architekturwettbewerb und bei der Erschliessung des Grundstückes. «Ab heute wird es konkret», sagte Brogna von Eiffage. Schon bald würden Böden und Wände, die bisher nur im Kopf des Architekten und auf Plänen existierten, in die Höhe wachsen.

Münz und Broschüren

In die Kiste, die in das Fundament eingelassen wurde, deponierten die Anwesenden eine Zeitung, ein Sparschwein, etwas Münz und einige Broschüren. Beim Zudecken mit Beton spekulierte einer der Anwesenden, es werde wohl 200 Jahre dauern, bis die Kiste wieder ausgegraben werde. Einem anderen schien dieser Zeitraum zu kurz. Vorerst wird in Wülflingen gebaut. Die Fertigstellung des Gartenhofes ist für 2022 geplant.

Erstellt: 19.11.2019, 16:22 Uhr

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