Winterthur

Selbstkritik am Heuberger-Preis

Der Jungunternehmerpreis der Standort­förderung Winterthur ging gestern an drei Start-ups aus Zürich. Die Stifter des Preises, die Familie Heuberger (Siska), sind damit nicht glücklich.

Ausschnitt aus einem Start-up-Porträt am Heuberger-Jungunternehmerpreis. Im Final kämpften sechs weit entwickelte Projekte um den Sieg.

Ausschnitt aus einem Start-up-Porträt am Heuberger-Jungunternehmerpreis. Im Final kämpften sechs weit entwickelte Projekte um den Sieg. Bild: Marc Dahinden

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Mit 600 000-Franken-Preissumme ist der gestern zum siebten Mal verliehene Winterthurer Jung­unternehmerpreis der bestdotierte des Landes. Organisiert wird der Anlass von der Standortförderung Winterthur, welche die 106 Bewerbungen sichtete und auch die Fach- und Final-Jury zusammenstellt. Doch in den Reihen der Familie Heuberger (Siska Immobilien), deren Stiftung das Preisgeld bereitstellt, regt sich Kritik. Wie schon in der letzten Ausgabe von 2013 hatte es auch gestern kein Unternehmen aus der Region unter die drei Erstplatzierten geschafft. Das Winterthurer Start-up Dermalockin (Krebsdiagnose) nahm nur einen der zweiten Preise (immerhin 50 000 Franken) mit.

Der 93-jährige Patron und Stiftungsgründer Robert Heuberger gab gestern im Hotel Banana City einen zurückhaltenden Gastgeber. Sein Sohn Günter (62), der inzwischen die Geschäftsführung der Siska Holding übernommen hat, stellt ge­gen­über dem «Landboten» für den nächsten Jungunternehmerpreis 2017 Neuerungen in Aussicht. «Ich sitze zwar bisher nicht in der Jury und habe mich auch in die Preisvergabe bewusst nicht eingemischt», sagt er. Es sei aber klar, dass er und sein Vater mit der jüngeren Entwicklung des Preises nicht restlos zufrieden seien.

Gründen zum Verkaufen?

«Es gibt drei Tendenzen, die uns zu denken geben», sagt Heuberger. So würden die Bewerber immer professioneller und erfahrener. «Es setzen sich je länger, je mehr die Unternehmen durch, die bereits an anderen Jungunternehmerpreisen Erfahrungen gesammelt haben», sagt Heuberger. Echte Newcomer, für die der Heuberger-Preis das Sprungbrett zum Erfolg wäre, haben es je länger, je schwerer. Damit zusammen hängt der zweite Kritikpunkt: Bei der Fachjury geniessen regionale Unternehmen keinen Heimvorteil; lokale Erfolgsgeschichten sind so schwieriger zu schreiben. Und drittens missfällt der Unternehmerfamilie Heuberger der Trend zur Exit-Strategie. «Wir stellen fest, dass bei vielen der Bewerber das Ziel nicht der Aufbau eines eigenen Unternehmens, sondern eine rasche und profitable Übernahme im Zen­trum steht», sagt Günter Heuberger.

Aller Voraussicht nach wird die Robert-und-Ruth-Heuberger-Stiftung auch in den nächsten Jahren weiter grosszügige Preise an Start-ups ausloben. «Ich werde mich aber künftig dafür einsetzen, dass die Bedingungen im Sinne des Stifters, meines Vaters, geändert werden», sagt Günter Heuberger. Je 150 000 Franken gewannen gestern drei Zürcher Start-ups im Gesundheitsbereich: Rqmicro (mikrobiotische Tests auf Krankheitserreger), Cellspring (Zellkulturen für Pharmafirmen) und Inositec (Mittel gegen Kranken­haus­keime).

Erstellt: 11.11.2015, 08:33 Uhr

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