Winterthur

Shopping-Landschaft im Umbruch

Die lokalen Shoppingcenter kämpfen ­weiterhin mit den Umsätzen. Das neue Schlusslicht wird wohl schon bald um mehrere Wohnungen aufgestockt.

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Neulich im Aldi, Filiale Archhöfe, eine Angestellte zur Kundin: «Gelesen im ‹Blick›? (Gemeint sind Fotos leerer Ladenflächen in den Archhöfen, Anm. d. Red.) ­Ohne uns könnten die das Center längst zumachen.»

Für die Archhöfe, die seit Jahren mit den Umsätzen kämpfen, waren die Bilder diesmal unverdiente Negativ-PR: Im Artikel ging es um die schweizweite Schliessung von Filialen der konkursiten Modekette OVS, die in den Archhöfen nie einen Ableger hatte. Die Leerstände bleiben fünf Jahre nach der Eröffnung des Shoppingcenters jedoch ein Fakt. Auf jedem Stockwerk ist derzeit je ein Ladenlokal leer.

Mit Depot war zuletzt einer der Grossen ausgezogen. Gegenüber dem «Landboten» beteuerte der Zentrumsleiter Stefan Styger kürzlich, er glaube nach wie vor an den Aufschwung. Tatsächlich, er kann auf ein vergleichsweise gutes Geschäftsjahr zurückblicken.

Die Archhöfe konnten 2017 einen Aufschwung verzeichnen. Doch das Umsatzplus ist teuer erkauft.

2017 stieg der Umsatz um eine Million auf 28 Millionen Franken, wie der aktuelle Branchenreport von GFK Switzerland ausweist. «Sehr erfreulich» sei dies, heisst es. Doch das Umsatzplus ist teuer erkauft. In den letzten zwei Jahren haben die Archhöfe kräftig in die PR investiert, im Winter mit Eisfeld und Chaletstimmung, derzeit lockt der schattige Sommer­garten auf den Archplatz und drinnen verteilen zwei lächelnde Promo-Damen vor einer riesigen pinkfarbenen Slot-Maschine Flyer fürs neue Gewinnspiel. Zahlen zu den Marketingaus­gaben nennt das Management keine.

Fakt ist, dass die Archhöfe das Lokwerk an der Zürcherstrasse umsatzmässig inzwischen überholt haben. Auch dort sind im UG und EG die Glasfassaden von jeweils zwei leeren Läden bunt-fröhlich mit Eigenwerbung tapeziert. Nach wie vor ist es zusammen mit den Archhöfen eines der landesweit unproduktivsten Einkaufszentren (Umsatz pro Quadratmeter).

Innen wurde es teilweise umgebaut und begrünt. Geplant ist eine Aufstockung um 60 Wohnungen auf dem Dach. Die Rekurse der Nachbarn hat das kantonale Baurekursgericht abgelehnt, wie gestern bekannt wurde (siehe Kasten rechts).

Vorsprung ausgebaut

Vom Schlusslicht direkt an die Spitze: Dort thront weiterhin unangefochten das Rosenberg. Mit 107 Millionen Franken Jahresumsatz legte es bemerkenswerte 4 Millionen zu.

Von den 150 erhobenen Einkaufscentern schafften dies lediglich drei weitere, nur drei wuchsen noch stärker. Zentrumsleiter Jörg Ehrensperger nennt die gute Lage im Einzugsgebiet am Stadtrand als wichtigen Standortfaktor. Doch bei der Migros, dem Zugpferd, seien die Umsätze überproportional stark gestiegen. Das lenkt den Blick wiederum auf die frühere Nummer 1, das Zentrum Neuwiesen.

Wollen die Warenhäuser konkurrenzfähig bleiben, müssen sie sich neu erfinden und neu positionieren.

Gut möglich, dass auch viele Städter ihre Grosseinkäufe inzwischen am Stadtrand machen. Das Neuwiesen setzte im letzten Jahr über ein Viertel weniger um. Das Einkaufszentrum ist Mitte 2017 zur eingerüsteten Grossbaustelle geworden. Der Haupteingang hin zur Rudolfstrasse war zeitweise ein Nadelöhr. Alles wird neu, nicht nur äusserlich. Die Migros zieht nach oben, das Restaurant zügelt gegen die Zürcherstrasse und die Grundrisse ändern sich.

Man sei im Zeitplan. Im August wird das OG neu eröffnet, Ende 2019 das gesamte Einkaufszentrum. Umsatzziele habe man sich aufgrund der Arbeiten heuer keine gesteckt, heisst es seitens der Siska Heuberger Holding AG, der das Neuwiesen gehört. Deren Illuster musste (umbaubedingt) ebenfalls heftige, der Effi-Märt und das Uster 77 leichte Umsatzeinbussen hinnehmen.

Eine Branche im Umbruch

Beim Shopping Seen hielt man sich knapp auf dem Vorjahresniveau (minus 1 Million Franken), so auch im Grüzepark. Im nationalen Vergleich haben sich die Winterthurer Shoppingcenter teilweise wacker gehalten.

Schweizweit waren die Umsätze insgesamt um 1,1 Prozent gesunken. Als Hauptursachen werden seit längerem der Einkaufstourismus, Rabattschlachten und Online-Shopping genannt. So überholten im letzten Jahr die fünf grössten Onlineshops (wie Digitec/Galaxus, Zalando und Amazon) die fünf grössten Einkaufszentren mit dem Zentrum Glatt als Branchenkrösus.

Der Trend geht weiter in Richtung E- und Mobile-Commerce übers Smartphone. Jeder dritte sogenannte Digital Native kauft ein- bis dreimal pro Monat mit dem Handy über eine Shopping-App ein.

Wollen die Warenhäuser mithalten, ist sich die Branche einig, müssen sie sich neu erfinden und neu positionieren. Als neue Konzepte kursieren unter anderem «Destination Center» (Unterhaltung), «Value Center» (eine bestimmte Gruppe ansprechen), «Innovation Center» (Datenanalyse vor Ort) oder «Retaildential Spaces» (Mix aus Handel, Restaurants, Unterhaltung und Dienstleistung).

(Der Landbote)

Erstellt: 05.06.2018, 11:05 Uhr

Umfrage

Für die Winterthurer Shoppingcenter fiel die Bilanz im letzten Jahr unterschiedlich aus. In welchem lokalen Warenhaus kaufen Sie am liebsten ein?

Rosenberg

 
35.3%

Neuwiesen

 
29.3%

Shopping Seen

 
12.0%

Archhöfe

 
8.2%

Lokwerk

 
15.2%

184 Stimmen


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