Winterthur

«Sie hatten mich fast am Wickel»

Noch immer treiben Telefonbetrüger ihr Unwesen, die sich als Polizisten ausgeben. Über 20 Anzeigen gingen allein am Donnerstag ein. Eine «Landbote»-Leserin berichtet, wie die Betrüger bei ihr vorgingen.

Bei den Angerufenen handelte es sich, laut Stadtpolizei, durchwegs um Frauen mit  älteren Namen wie Aneliese, Heidi oder Elisabeth.

Bei den Angerufenen handelte es sich, laut Stadtpolizei, durchwegs um Frauen mit älteren Namen wie Aneliese, Heidi oder Elisabeth. Bild: Symbolbild, Stapo Winterthur

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Schon Mitte Dezember warnten Kantons- und Stadtpolizei vor raffinierten Trickbetrügern. Sie geben sich am Telefon als Polizisten aus und versuchen gutgläubige Menschen zu überzeugen, ihnen ihr Vermögen zur «sicheren Verwahrung» anzuvertrauen. Die Welle der Anrufe ist noch nicht verebbt, im Gegenteil. Eine Landbote-Leserin erzählt, wie die falschen Polizisten sie beinahe reingelegt hätten:

«Es ist noch keine Stunde her, da wurde ich von der Polizei angerufen. Das Telefon zeigte die Nummer 0017. Eine hochdeutsch sprechende Dame war am Apparat: In der vergangenen Nacht hätte ein Überfall auf eine ältere Dame in meiner Nachbarschaft stattgefunden: um ein Uhr. Ob ich davon etwas mitbekommen hätte?

Sie sagte, man habe die Täter gefasst und in ihrem Rucksack ein Adressbuch gefunden habe, in welchem auch meine Adresse und meine Bankverbindung stehe. Mein Geld sei also in Gefahr. Ich solle doch jetzt gleich zur Bank gehen und das ganze Konto leeren.

Da man die Täter innerhalb der Bank vermute, sei es äusserst wichtig, dass ich keine Auskunft darüber gebe, wofür ich das Geld brauche, allenfalls, dass mein Sohn es gerade dringend nötig habe. Sehr wichtig sei es, dass ich unbedingt eine 24-stündige Schweigepflicht allen Aussenstehenden gegenüber einhalte.

Wie weit es für mich bis zur Bank sei? Ich ging darauf ein, sagte, dass ich, sofern man mir das Geld aushändige, in ungefähr einer halben Stunde wieder zuhause sein werde. Ich könnte sie dann ja anrufen, ob sie mir ihre direkte Nummer angeben könne. Darauf folgte die sehr energische Antwort: Nein, nein, da die Täter wohl auch mein Telefon abhörten, wären sie dann gewarnt. Man wolle sie aber auf frischer Tat ertappen.»

Plötzlich brach die Verbindung ab. Die ältere Dame versuchte, ihren Sohn zu kontaktieren. Da kam bereits der nächste Anruf der Nummer 0017. Die forsche «Polizistin» wollte wissen, warum sie aufgehängt habe. Als sie sagte, sie wolle nur ihren Sohn anrufen, sagte die Unbekannte sehr energisch, man habe ihr doch bereits erklärt, sie müsse unbedingt eine 24-stündige Schweigepflicht einhalten. Man werde sie nochmals anrufen, sobald sie das Geld von der Bank geholt habe. Dann werde man ihr erklären, wie es weitergeht.

20 Anzeigen an einem Tag

Soweit kam es nicht. Die «Landbote»-Leserin rief die Stadtpolizei an, denn das Ganze schien ihr doch suspekt. Die echten Polizisten rieten ihr, den nächsten Anruf nicht anzunehmen und schickten einen Beamten vorbei.

Es handelte sich nicht um einen Einzelfall - im Gegenteil. Die Stadtpolizei warnte am Donnerstag zum wiederholten Mal vor einer Betrugswelle: «Im Laufe des heutigen Tages sind bei der Stadtpolizei Winterthur bereits rund 20 Anzeigen wegen Betrugsversuchen per Telefon von falschen Polizisten eingegangen» schreibt sie.

Bei den Angerufenen handelte es sich, laut Stadtpolizei, durchwegs um Frauen mit älteren Namen wie Aneliese, Heidi oder Elisabeth. In einem Fall habe eine 89- jährige Frau bereits mehrere Zehntausend Franken von ihrem Konto abgehoben. Als sie weitere über 30000 Franken von einem Konto einer anderen Bank abheben wollte, wurde der Schaltermitarbeiter misstrauisch und informierte die Polizei. Dank dem geistesgegenwärtigen Handeln des Mitarbeiters konnte die ältere Frau in letzter Sekunde vor einem immensen finanziellen Schaden verschont werden. Die Kantonspolizei Zürich hat in diesem Fall ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Auch die ältere Dame hätte sich fast täuschen lassen: «Ein dicker Hund, es war so raffiniert eingefädelt, dass auch ich im ersten Moment Herzklopfen und einen heissen Kopf bekommen habe. Fast hätten sie mich am Wickel gehabt. Doch dann dachte ich: Es kann doch nicht sein, dass die Polizei verlangt, mein ganzes Konto zu leeren und das Bargeld in einer Handtasche heimzutragen? Was aber geschieht bei jenen, die in einer solchen Situation ganz aus dem Häuschen geraten und den Anweisungen tatsächlich Folge leisten?»

Erstellt: 04.01.2018, 18:22 Uhr

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