Winterthur

Sie muss richten, was andere versäumt haben

Christa Meier ist die links-grüne Kandidatin fürs Stadtpräsidium. In den Stadtrat wollte sie schon im letzten Jahr: Sie erzielte ein gutes Ergebnis und verzichtete dann zugunsten eines Grünen.

Will Stadtpräsidentin werden: Lehrerin Christa Meier.

Will Stadtpräsidentin werden: Lehrerin Christa Meier. Bild: Heinz Diener

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Sie amtet seit zehn Jahren als Gemeinderätin, im Amtsjahr 2013/14 präsidierte sie das Stadtparlament. Sie ist Lehrerin und zweifache Mutter. Und derzeit die Dauerkandidatin der SP. Im letzten Jahr bei der Ersatzwahl für den zurückgetretenen grünen Stadtrat Matthias Gfeller erzielte Christa Meier zuerst gute 6200 Stimmen, mehr als als die anderen Kandidaten links der Mitte.

Für den zweiten Wahlgang verzichtete sie aus Parteiräson zu Gunsten des Grünen Jürg Altwegg. Dieser wurde gewählt, die SVP hatte das Nachsehen: Opfer erbracht, Ziel erreicht.

SP und Grüne haben reagieren müssen 

Nun stehen im März nächsten Jahres die Gesamterneuerungswahlen an, Rücktritte aus dem Stadtrat gibt es keine: Wer jetzt rein will, hat es schwer. Christa Meier weiss das und möchte trotzdem rein. Ihre Partei nominierte sie im August.

Angriff mit stumpfer Waffe

Manche wunderten sich schon damals, dass die SP zwar angab, die bürgerliche Stadtratsmehrheit brechen zu wollen, aber dennoch darauf verzichtete, eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das Präsidium zu nennen. Die beiden amtierenden SP-Stadträte Yvonne Beutler und Nicolas Galladé zeigten keine Lust, gegen Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) anzutreten und ihre Departemente allenfalls zu verlassen.

Also verzichtete die SP ganz auf diesen Effort, der doch zusätzliche Publizität garantiert hätte. Viele SP-Sympathisanten empfanden dieses Verhalten als einen Angriff mit stumpfer Waffe auf die rechte Stadtratsmehrheit.

Die Grünliberalen nutzten die Chance: Zeitlich perfekt getimt portierten sie Annetta Steiner als Stadtrats- und gleichzeitig als Stadtpräsidiumskandidatin. Für die Grünen und die Linken sah es nun bitter aus. Aus den zu erwartenden Wahlkampf-Diskussionen zwischen Künzle und Steiner waren sie verbannt.

Deutlicher Hinweis aus Zürich

Selbst der erfahrene Stadtzürcher SP-Stratege Koni Löpfe verstand das Abseitsstehen seiner Winterthurer Genossen beim Stadtpräsidiumskampf nicht. Vor kurzem schrieb er das in der Parteizeitung PS in seiner üblichen Deutlichkeit.

SP und Grüne haben nun reagieren müssen. Die GLP-Kandidatin zu unterstützen, kam für die Linken nicht in Frage, zu oft hatten die Grünliberalen bei der bürgerlichen Sparpolitik mitgemacht. Also hiess es nachnominieren. Das ist nun geschehen. Wobei es auch diesmal weder Beutler noch Galladé sind, die den wieder entdeckten Führungsanspruch der SP vertreten, sondern wieder Christa Meier, die Nummer vier auf dem linksgrünen Ticket.

(Landbote)

Erstellt: 25.10.2017, 17:57 Uhr

Kommentar

Martin Gmür, Redaktor Stadt

Zur SP-Kandidatur

Warum denn nicht gleich so!

Die SP Winterthur hat sich umentschieden: Sie will nun nicht mehr nur die Mehrheit im Stadtrat erobern, sondern greift auch nach dem Stadtpräsidium. Doch nicht die tatkräftige Finanzvorsteherin ist die Führungsfigur, sondern die neue Kandidatin, Christa Meier.

Dem bisherigen Stadtpräsidenten Michael Künzle mangle es an Führungskompetenz, an Gestaltungswille und an Verlässlichkeit, kritisieren die SP und ihre Juniorpartner, die Grünen.

Diese Kritik fällt voll auf die SP zurück: Wer dem politischen Gegner Führungsanspruch und Verlässlichkeit abspricht und für sich selber reklamiert, der muss schon beim ersten Anlauf wissen, was er will. Die SP hätte schon vor zwei Monaten sagen müssen: Unser Ziel ist die Mehrheit im Stadtrat samt Präsidium. Doch es brauchte die Kandidatur der Grünliberalen, um die Linken auf den Weg zu bringen.

Erfreulich an der doch noch erfolgten Stadtpräsidiums-Kandidatur der SP ist der offene Wahlkampf, der jetzt beginnt und der Sachthemen bereithält. Mit dem Gesamtverkehrskonzept, den Quartierheizungen und der Wohnbaustrategie haben die Linken durchaus Brennpunkte benannt, bei denen die amtierende Mehrheit angreifbar ist. Hier haben Grüne aller Art und Linke durchaus Chancen, zu punkten bis zur Wahl im März.

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