Umwelt

So bienenfreundlich spritzt die Stadt

Wie ökologisch setzt die Stadt Insektizide ein? Der Stadtrat sagt, man handle bienenfreundlich, was ein GLP-Gemeinderat jedoch in Frage stellt.

Neonicotinoide schaden den Bienen. Laut Stadtrat wird diese Art von Insektiziden nicht mehr verwendet.

Neonicotinoide schaden den Bienen. Laut Stadtrat wird diese Art von Insektiziden nicht mehr verwendet. Bild: Symbolbild/Keystone

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Das Bienensterben beschäftigt die Grünliberalen. Sie haben daher gefährliche Insektizide im Visir, genauer zwei der so genannten Neonicotinoide. Diese Gruppe von Pflanzenschutzmitteln schwächt die Bienenköniginnen nachweislich besonders stark und mit ihr das ganze Bienenvolk. In ihrer Interpellation wollten Gemeinderat Martin Zehnder und Stadtratskandidatin Annetta Steiner (beide GLP) daher vom Stadtrat wissen, ob Stadtgrün und die städtischen Landwirtschaftsbetriebe solche Neonicotinoide einsetzen oder nicht. In der Schweiz sind davon nach wie vor fünf zugelassen.

Wenn Dickmaulrüssler drohen

Früher, so der Stadtrat in seiner Antwort, habe Stadtgrün bei der Bekämpfung des Dickmaulrüsslers solche Insektizide eingesetzt, heute aber nicht mehr. «Sollte der Dickmaulrüssler sich allerdings unerwartet stark ausbreiten, wäre die Lage neu zu beurteilen», schreibt der Stadtrat. Dieser rund ein Zentimeter grosse Käfer frisst sich als Larve vor allem an Pflanzenwurzeln satt, und ausgewachsen an Blättern von Sträuchern und Gartenpflanzen. Derzeit setze Stadtgrün auf «Delfin», eine biologische Alternative zu den Neonicotinoiden. Solche seien keine mehr im Einsatz, auch nicht auf den städtischen Bauernhöfen, wo kein damit gebeiztes Saatgut verwendet werde. Doch auch dort ist der Verzicht nicht endgültig. Sollte der Rapsglanzkäfer, ein zwei Millimeter kleiner Parasit, zu grosse Probleme machen, könnte Thiacloprid gespritzt werden. Dafür bräuchte es allerdings eine Bewilligung. So viel zum Spritzen.

Braucht es Extra-Infos?

Punkto Information sieht der Stadtrat keinen Bedarf, Winterthurerinnen und Winterthurer stärker für den Bienenschutz zu sensibilisieren. Für eine gewerbliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sei eine Ausbildung nötig, schreibt er. Zudem böten Zeitschriften sowie die Fachstelle des Strickhofes genug Informationen zum Thema.

Dem Interpellanten Martin Zehnder genügt das nicht: «Dieser Verweis ist mir zu einfach.» Zudem stütze sich der Stadtrat zu einseitig auf die «vereinfachte Aussage» des Amts für Landschaft und Natur, dass Thiacloprid für die einzelne Biene nicht tödlich sei. Aber komplett aussen vor lasse man die Tatsache, dass die Königin unfruchtbar werde. Zudem benutzten viele Private nach wie vor bienenschädliche Pflanzenschutzmittel: «Die Stadt könnte Hobbygärtner beispielsweise so informieren, wie sie es über den Abfallleitfaden ja auch schon tut», findet Zehnder.

Proaktiv fördert Stadtgrün im übrigen die Wildbienen mit Bienenhotels. Und auf wenig benutzten Rasenflächen werden Wildblumen angesät als zusätzliche Futterquelle für die Bienen. (hit)

Erstellt: 08.02.2018, 15:45 Uhr

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