Winterthur

So will der Stadtrat die Pensionskasse sanieren

Der Stadtrat hat heute sein Konzept zur Pensionskassensanierung präsentiert. Die Stadt will 144 Millionen bereitstellen, aber auch die Arbeitnehmer sollen zur Sanierung beitragen.

Der Stadtrat präsentiert seine Pläne im Superblock.

Der Stadtrat präsentiert seine Pläne im Superblock. Bild: Enzo Lopardo

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Nach einer langen Analyse präsentierte der Stadtrat heute morgen seinen finalen Vorschlag zur Sanierung der städtischen Pensionskasse. Der Stadtrat schlägt dem Gemeinderat eine Kombinationsvariante vor, die sowohl die Arbeitnehmer als auch die Stadtfinanzen belastet. Konkret soll die Stadt die Aufwertung des Rentner-Vorsorgekapitals in der Höhe von 144 Millionen Franken in Form einer Annuitätenschuld (siehe Kasten) für eine Dauer von 10 Jahren übernehmen.

Der Zinssatz soll auf der aktuellen Höhe des technischen Zinses von 2,25 Prozent festgelegt werden. Der Stadtrat soll zudem ermächtigt werden, bei geeigneten Verhältnissen einen vorzeitigen Ausstieg in Absprache mit dem Stiftungsrat der Pensionskasse vorzunehmen.

Der weitere Sanierungsbedarf (rund 66 Mio. Fr.) hingegen soll durch Sanierungsbeiträge von Arbeitgeberin und Arbeitnehmern erbracht werden.

Je nach Jahrgang Kürzung der Rente

Trotz Erhöhung der Sparbeiträge und der vorgesehenen Kompensationsmassnahmen können Leistungskürzungen, wie sie durch die Senkung des Umwandlungssatzes von 6,0 auf 5,0 Prozent entstehen, nur teilweise ausgeglichen werden. Je nach Einkommen und Jahrgang ist deshalb gemäss Modell des Stiftungsrats mit einer Kürzung der voraussichtlichen Altersrente im Vergleich zu heute von 5 bis maximal 13 Prozent zu rechnen, wie die Stadt in ihrer Medienmitteilung schreibt.

Die laufenden sowie die bis Ende 2019 neu entstehenden Renten erfahren durch die neue Vorsorgelösung keine Anpassung, da nach der aktuell gültigen Gesetzeslage und Rechtsprechung laufende Renten nicht gekürzt werden können.

Das durch den Stiftungsrat der Pensionskasse der Stadt Winterthur bereits beschlossene neue Vorsorgemodell tritt auf den 1. Januar 2020 in Kraft.

Ende März hatte der Stadtrat überraschend angekündigt, dass die seit 2013 verselbständigte Pensionskasse der städtischen Arbeitnehmer nach zwei Rettungspaketen mit 144 Millionen Franken saniert werden muss. Die Details des ersten Sanierungsvorschlags wurden von einer Mehrheit des Gemeinderats allerdings zurückgewiesen.

(huy)

Erstellt: 19.12.2017, 10:12 Uhr

Neues Vorsorgemodell

Das durch den Stiftungsrat der Pensionskasse der Stadt Winterthur bereits beschlossene neue Vorsorgemodell tritt auf den 1. Januar 2020 in Kraft. Es basiert auf folgenden Parametern:


  • Der technische Zinssatz wird von zurzeit 2,75 auf 2,25 Prozent gesenkt. Neu wird mit Generationentafeln statt wie bisher mit Periodentafeln gerechnet. Insgesamt sinkt dadurch die Sollrendite2 auf rund 2,3 Prozent, was die finanzielle Stabilität der Kasse in Zukunft verbessern wird.

  • Der ab 2019 geltende Umwandlungssatz3 von 6,0 Prozent (bisher: 6.8 %, aktuell Senkungspfad gemäss Vorgaben des Grossen Gemeinderates) für das Pensionsalter 65 wird stufenweise ab 2020 bis 2024 auf 5,0 Prozent gesenkt.

  • Die Sparbeiträge werden erhöht, damit das Leistungsniveau möglichst erhalten werden kann.

  • Den älteren Versicherten (Jahrgänge 1955 bis 1968) wird eine einmalige Höherverzinsung der individuellen Altersguthaben per 1. Januar 2020 zur teilweisen Kompensation von Leistungskürzungen gutgeschrieben. Zudem sind auch für tiefere Einkommen Massnahmen zur teilweisen Kompensation vorgesehen.

  • Die Ehegatten- / Partnerrente wird von 66 auf 60 Prozent einer bereits laufenden oder versicherten Alters- oder Invalidenrente gesenkt.

Annuitätenmodell

Das Annuitätenmodell ist eine Möglichkeit, welche das BVG nur für öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen bzw. Gemeinwesen vorsieht. Die Abzahlung der übernommenen Schuld
erfolgt über einen bestimmten Zeitraum, wobei ein fester Zinssatz vereinbart wird. Zudem kann das Annuitätenmodell auch mit einer Ausstiegsklausel versehen werden, so dass die Stadt
auch während der Dauer der Umsetzung noch entscheiden kann, ob die Umstände sich so verändert haben, dass ein vorzeitiger Ausstieg vorteilhaft sein könnte.

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