Winterthur

«Sonst ist Winterthur bald keine Velostadt mehr»

Pro Velo will mit einer Initiative erreichen, dass die Stadt einen Rahmenkredit von acht Millionen Franken für die Verbesserung der Velo-Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Die neue Veloschnellstrasse stadtauswärts endet beim Technorama abrupt, kritisiert Kurt Egli von Pro Velo.

Die neue Veloschnellstrasse stadtauswärts endet beim Technorama abrupt, kritisiert Kurt Egli von Pro Velo. Bild: Marc Dahinden

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Herr Egli, warum braucht Winterthur, das oft als Velostadt bezeichnet wird, eine Velo- Initiative?
Kurt Egli: Weil wir nicht mehr lange eine Velostadt bleiben, wenn nicht bald etwas passiert. Die Politik ruht sich schon viel zu lange auf den Lorbeeren ihrer Vorgänger aus.

Im Moment könnte man das anders sehen, so werden zurzeit rund um den Bahnhof Velobrücken und -abstellplätze gebaut.
Das sind eben Projekte, die schon sehr lange geplant wurden und nun ausgeführt werden. Neue Projekte werden schon lange nicht mehr angerissen. Dabei haben der Kanton und der Bund im Rahmen der Agglomerationsprojekte eine Mitfinanzierung bis zu 40 Prozent bei vielen Massnahmen bereits zugesichert.

Und wieso passiert nichts?
Als Begründung heisst es immer, dass die Stadt nicht genügend finanziellen und personellen Ressourcen habe. Und genau da wollen wir ansetzen. Es gibt viel Handelsbedarf.

Können Sie da ein paar Beispiele nennen?
Im Rahmen der Agglomerationsprojekte hat man etwa festgelegt, dass Winterthur fünf sternförmige Veloschnellrouten bauen soll. Bis jetzt steht nur ein Teilstück in Richtung Oberwinterthur, das aber, etwa beim Technorama abrupt endet. Man weiss dort als Velofahrer überhaupt nicht, wo man hin fahren muss. Eine Fahrradschnellstrasse sollte auch auf der Wartstrasse entstehen. Das war ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen. Winterthur hat sich daraus zurückgezogen, vier andere Städte haben es umgesetzt.

Das sind grossangelegte Projekte, der tägliche Frust der Velofahrer ist aber oft nur schon ein Lichtsignal.
Definitiv. Das ist eben das Problem, wenn die Stadt bei der Planung nicht an die Fahrradfahrer denkt. Oft läuft es nach dem Motto: Die Velowege werden nicht dort gebaut, wo sie am besten wären, sondern dort wo es am Schluss noch Platz hat. Aktuelles Beispiel ist der Grünring in Neuhegi, wo nun doch keine Velowege durch das Parkband gebaut werden. Diese wird die Stadt nun durch Baufelder von Privaten führen.

In Ihrer Initiative fordern Sie einen Rahmenkredit von acht Millionen Franken. Damit macht man keine grossen Sprünge.
Das ist so, aber wir wollten nicht mit einer grossen Summe hineinpreschen. Es geht uns darum, den Motor wieder zum Laufen zu bringen, der quasi stockt. Dazu braucht es nicht nur Geld, sondern auch ein Umdenken in der Politik. Eine Massnahme ist daher die Initiative, eine andere die neue Stelle beim Tiefbauamt, die das Parlament gegen den Willen von Bauvorsteher und Stadtrat Josef Lisibach bewilligt hat.

Denken Sie, dass die neue linke Mehrheit im Stadtrat auch Konsequenzen für Velofahrer hat?
Das denke ich schon, und ohne zusätzliche Planungsressourcen könnte es auch bei der neuen Regierung zu langsam vorangehen Trotzdem, Lisibach hat mal gesagt, es brauche keine neuen Fahrradrouten, da er selber nicht Velo fahre. Da gibt es also noch viel Luft nach oben.

Erstellt: 09.04.2018, 19:16 Uhr

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Kurt Egli ist Geschäftsführer des Verbands Pro Velo Winterthur, der die Initiative ins Leben gerufen hat. Diesen Samstag, an der von ihnen organisierten Velobörse in der Reithalle, wird Pro Velo mit der Unterschriftensammlung beginnen. Damit die Volksinitiative gültig ist, braucht es mindestens 1000 Unterschriften. (Bild: Bernd Kruhl)

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