Sozialhilfe

Sozialberatung kann verbindlicher arbeiten

Im Superblock war vor kurzem wieder einmal eine Umzugsfirma im Einsatz. Denn im Sozialdepartement blieb kaum ein Pult, wo es einmal war. Nötig wurde der Umzug wegen einer Reorganisation, die auf das Projekt Falllast 75 zurückgeht.

Doris Egloff, Leiterin Sozialberatung, und Dieter P. Wirth,
Bereichsleiter Soziale Dienste.

Doris Egloff, Leiterin Sozialberatung, und Dieter P. Wirth, Bereichsleiter Soziale Dienste.

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Das Departement Soziales stellte das Projekt Falllast 75 im November 2017 vor. Eineinhalb Jahre lang hatten drei Sozialarbeitende versuchsweise nur noch 75 statt wie bisher rund 140 Fälle zu betreuen. Eine begleitende Studie zeigte, dass mit tieferen Fallzahlen pro Berater die Kosten sogar gesenkt werden konnten, und zwar um 1452 Franken pro Fall und Jahr. Insgesamt wurde ein Sparpotenzial von rund 1,5 Millionen Franken pro Jahr geortet. In der Folge beantragte der Stadtrat dem Gemeinderat insgesamt 17 neue Stellen bei der Langzeitsozialberatung, die auch bewilligt wurden.

Team doppelt so gross

Laut Dieter P. Wirth, Leiter der sozialen Dienste, gelang es relativ problemlos, die für 2018 und 2019 bewilligten zusätzlichen Stellen zu besetzen, sodass heute das Team der Langzeitberatung rund doppelt so viele Mitarbeitende umfasst wie noch vor zwei Jahren. Es zeigte sich jedoch schnell, dass es mit der Aufstockung nicht getan war. «Es wurde räumlich ziemlich eng, denn mehr Platz stand trotz mehr Stellen nicht zur Verfügung», sagt Doris Egloff, die Leiterin Sozialberatung. Weil nur Stellen bei der Sozialarbeit, nicht aber im administrativen Bereich aufgestockt worden waren, wurde zudem eine Reorganisation nötig. «Bisher hatte jede Abteilung eine eigene Administration. Nun haben wir einen kaufmännischen Support geschaffen, der abteilungsübergreifend arbeitet», erklärt Egloff. Auch Abläufe und Schnittstellen mussten neu definiert werden. Und so wurden eine neue räumliche Aufteilung und ein Umzug unumgänglich. «Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein. Erst jetzt kann sich der Nutzen der reduzierten Falllast zeigen», sagt Egloff. Denn nun finden sich alle Mitglieder eines Teams im gleichen Büro.

Mitarbeitende sitzen enger

Damit alle ein eigenes Pult haben, sitzen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aber deutlich enger als zuvor. «In diese Räume bringen wir kein zusätzliches Möbel mehr rein», sagt Egloff. Die Kosten für den internen Umzug kann sie nicht genau beziffern. «Aber wir haben versucht, die Kosten tief zu halten, und die meisten organisatorischen Aufgaben intern bewältigt.»

«Nur Feuerlöschen»

Auch wenn der Normalbetrieb bei der Sozialberatung nun erst richtig anläuft, lassen sich doch bereits erste Erkenntnisse zum Projekt Falllast festhalten. Eine Sozialarbeiterin sagt, sie erlebe das Arbeiten heute professioneller und entspannter als früher. «Ich habe jeweils rund 140 Fälle nebeneinander betreut. Es war eher ein Feuerlöschen, ich konnte mich nur um jene kümmern, die sich aktiv bei uns meldeten.» Heute betreut sie wie vorgesehen noch rund 75 Fälle. Dies ist laut Wirth keine besonders tiefe Zahl, sondern entspricht dem Durchschnitt, der auch in anderen Städten üblich ist.

«Der Umzug ist ein wichtiger Meilenstein. Nun können wir richtig starten.»

Die Änderung spüren nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch jene, die Sozialhilfe beziehen: «Wir erhalten die Rückmeldung der Klienten, sie fühlten sich endlich ernst genommen», sagt eine Sozialarbeiterin.

Eine der neu angestellten Mitarbeiterinnen sagt, sie schätze es, dass sie sich für die Beziehungsarbeit genügend Zeit nehmen kann. «Ich kann jeden Fall analysieren und mit den Klienten persönliche Ziele verein-baren. Dies ist verbindlicher, als einfach einen Brief zu schicken.» Der grösste Teil der Klienten sei dankbar dafür, sagt sie. Es gebe aber auch ein paar wenige, die es nicht so gerne hätten, dass nun so genau hingeschaut werde. «Denn nun werden alle stärker in die Pflicht genommen.» Das heisst, dass sie beispielsweise an einem Eingliederungsprogramm teilnehmen müssen.

Fälle schneller abschliessen

In der besseren Betreuung der Fälle liegt denn auch das Sparpotenzial, welches die Studie einst beim Projekt Falllast 75 ausmachte. «Wir können die Arbeitsintegration sorgfältiger planen. Wenn es gelingt, durch engmaschige Betreuung beispielsweise alleinerziehende Mütter bei einem schnelleren Wiedereinstieg in den Beruf zu begleiten, wird sich das langfristig auszahlen», sagt Egloff. Je enger die Betreuung, desto schneller sollten Fälle abgeschlossen werden können, so die Hoffnung.

Einfluss auf Organisation

Laut Wirth spüren auch die organisationsinternen Partner, dass die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter die Fälle nun besser betreuen können. «Sie haben mehr zu tun, weil Leistungen wie etwa die Wohnhilfe verstärkt in Anspruch genommen werden. «Insofern hat das Falllast-Projekt einen Einfluss auf die gesamte Organisation», sagt Wirth.

Der Gemeinderat hatte die zusätzlichen Stellen im Dezember 2017 nur auf vier Jahre befristet bewilligt. Eine noch in Auftrag zu gebende Begleitstudie soll bis dann zeigen, ob es sich lohnt, die Stellen fest aufzubauen. Für die Sozialarbeiterinnen ist jetzt schon klar, dass der Stellenaufbau etwas gebracht hat: «Versuchten wir früher vor lauter Stress, Anfragen abzuwimmeln, können wir heute auf den Einzelnen tatsächlich eingehen.»

Erstellt: 16.07.2019, 17:55 Uhr

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