Islam

Stadt lässt Jugendliche über den Islam diskutieren

Die Stadt hat Workshops für Jugendliche lanciert, die Fragen zum Islam haben. Bisher ist ein sogenannter Islamic Discussion Club durchgeführt worden, drei weitere sind geplant. Auch die An’Nur-Moschee hat Interesse angemeldet.

Sozialarbeiterin Tugba Schussmann ist selber Muslimin und leitet die Workshops unter dem Namen Islamic Dis­cussion Club.

Sozialarbeiterin Tugba Schussmann ist selber Muslimin und leitet die Workshops unter dem Namen Islamic Dis­cussion Club. Bild: Archiv, Marc Dahinden

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«Jugendliche entwickeln manchmal komische Ideen über ihren Glauben, wenn es ihnen an religiöser Bildung mangelt», sagt Thomas Heyn. Als Leiter der Fachstelle Integrationsförderung hat er deshalb eine Workshopreihe lanciert, die vor allem junge Muslime ansprechen soll. «Viele beschäftigen sich mit dem Thema Radikalisierung, machen sich Gedanken und suchen nach Erklärungen. Die Workshops sollen die Jugendlichen dabei unterstützen und so universell präventiv wirken.»

In der Pilotphase sind vier Workshops geplant

Die Stadt hat Sozialarbeiterin Tugba Schussmann vom Verein Transeducation mit der Durchführung der Veranstaltungen beauftragt. Schussmann ist selber Muslimin und hat die Workshops unter dem Namen Islamic Dis­cussion Club bereits in einem Jugendtreff in Ebikon bei Luzern geleitet. In Winterthur steckt das Projekt noch in der Pilotphase, in der vier Veranstaltungen geplant sind.

Durchgeführt hat Schussmann bisher einen Workshop in Zusammenarbeit mit einer Sekundarschule. Die Jugendlichen bestimmen selber die Themen, über die sie sprechen wollen, vom Resultat ist sie überrascht: «Radikalisierung war nur am Rande von Interesse», sagt Schussmann. Viel mehr Fragen gebe es zum Thema Liebe und Sex im Islam oder auch danach, welche Gebete rezitiert werden sollten, um eine Lehrstelle zu finden. «Ich hatte mich intensiv auf Radikalismus vorbereitet und dann kamen ganz andere Fragen.»

Den Fokus auf Alltagsfragen erklärt sich Schussmann mit dem Alter der Jugendlichen. Das Angebot richtet sich an Jugendliche unter 21 Jahren. In dieser Altersgruppe weiss man nur von zwei Winterthurer Jugendlichen, die sich so stark radikalisiert haben, dass sie ins IS-Gebiet gereist sind. «Trotzdem müssen wir die Jugendlichen so früh wie möglich abholen und über ihre Religion informieren.» Denn so könne man im besten Fall verhindern, dass sie später in radikale Kreise geraten.

Verhaftungen erschweren Kontakt mit An’Nur-Moschee

Wo und mit wem die nächsten drei Veranstaltungen durchgeführt werden, ist noch offen. Schussmann will die Workshops nicht nur Schulleitern, sondern auch Moscheevereinen vorstellen, die dann bei den Jugendlichen für den Anlass werben sollen. Die An’Nur-Moschee, die im Zentrum der Radikalisierungsvorwürfe steht, hat bereits von sich aus Interesse angemeldet, wie ein mittlerweile zurückgetretenes Vorstandsmitglied bestätigt. «Wir wollten zeigen, dass wir offen für neue Ideen sind.» Doch am 21. Februar kam die Verhaftungswelle im Moscheeumfeld dazwischen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen zehn Personen ein, die in der Moschee zwei Informanten verprügelt haben sollen. Acht erwachsene Beschuldigte befinden sich noch immer in Haft, darunter der aktuelle Vereinspräsident.

«Eine Woche nach dem ersten Kontakt waren alle Ansprechpartner im Gefängnis», sagt Schussmann. Eine zukünftige Zusammenarbeit mit der An’Nur-Führung schliesst sie dennoch nicht aus, denn diese würde sich sowieso auf die Veranstaltungswerbung beschränken. «Die Workshops selbst finden ausserhalb der Moscheen statt.» Denn Ziel sei es auch, Muslime verschiedener Glaubensrichtungen zusammenzubringen. (Landbote)

Erstellt: 13.03.2017, 11:40 Uhr

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