Einbrüche

Stadtpolizei verzichtet auf Software zur Verbrechensbekämpfung

Die Stadtpolizei Zürich glaubt, dass der Rückgang bei den Einbrüchen vor allem auf die Prognosesoftware Precobs zurückzuführen ist. In Winterthur ist die Zahl der Einbrüche aber noch stärker rückläufig als in Zürich – und das auch ohne Precobs.

Jeden Tag registriert die Polizei in Winterthur durchschnittlich mindestens einen Einbruch pro Tag.

Jeden Tag registriert die Polizei in Winterthur durchschnittlich mindestens einen Einbruch pro Tag. Bild: Marc Dahinden

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15 Sekunden für das Fenster, zwei Minuten für eine Tür, fünf Minuten für eine Wohnung: Das sind die Durchschnittszeiten bei einem Wohnungseinbruch. 406 Mal passierte dies im vergangenen Jahr allein in Winterthur. Dazu kommen noch 120 Einschleichdiebstähle. In diesen Fällen kommen Diebe beispielsweise durch ein offenes Fenster oder eine offene Tür ins Haus – oder mit Hilfe eine Wohnungsschlüssels, den sie unter einem Blumentopf finden.

Zürich schwört auf Precops

Was im ersten Moment furchteinflössend klingt, relativiert sich jedoch etwas durch die Statistik. Denn seit 2011 ging in Winterthur die Zahl der Einbruch- und Einschleichdiebstähle um immerhin rund 50 Prozent zurück. In der Stadt Zürich verzeichnete man im gleichen Zeitraum «nur» ein Minus von 40 Prozent. Und dies, obschon man in Zürich – im Unterschied zu Winterthur – bereits seit 2014 das vielgepriesene Computerprogramm Precobs zur Verbrechensbekämpfung einsetzt. Die Kurzform Precobs steht für «Pre Crime Observation System»; es handelt sich dabei um eine spezielle Software, die Einbrüche voraussagen kann, bevor sie verübt werden (siehe Kasten). Die Zürcher Stadtpolizei glaubt nicht nur, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Einsatz von «Precobs» und den sinkenden Einbruchszahlen besteht. Man geht offenbar sogar davon aus, dass ein grosser Teil des Rückgangs bei den Einbrüchen auf den digitalen Helfer zurückzuführen ist.

Winterthur ist skeptisch

Vielleicht wäre ja der Erfolg bei der Bekämpfung von Einbrüchen in Winterthur gar noch grösser, wenn man ebenfalls auf diese Software der Stadtzürcher setzen würde. In Winterthur reagierte man bezüglich Precobs jedoch bisher ziemlich skeptisch. Fakt ist, dass man bis heute auf den Einsatz der Software zur Verbrechensbekämfpung verzichtet hat. «Wir haben Precobs zwar geprüft, benutzen es jedoch im Moment aus verschiedenen Gründen nicht», sagt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei Winterthur. Details zur ablehnenden Haltung will er keine nennen.

«Wir sind dort  präsent, wo die Einbruchsgefahr am höchsten ist.»Michael Wirz, Stadtpolizei Winterthur

Doch auch ohne dieses Computerprogramm setze man die Polizeipatrouillen gezielt bei den sogenannten Einbruch-Hotspots ein. «Dazu werten wir verschiedene Faktoren aus, darunter Ort und Vorgehen bereits geschehener Delikte», sagt Wirz. Diesbezüglich erhalte man auch Angaben der Kollegen der Kantonspolizei Zürich. «So sind wir dort präsent, wo die Einbruchsgefahr am höchsten ist.» Das ist so ziemlich genau das, was der Zielsetzung der Prognosesoftware Precobs entspricht. Ungeachtet dessen verfolge man die bisher gemachten Erfahrungen in Zürich dennoch mit grossem Interesse, meint Wirz.

Ernüchternde Studienresultate

Es zeigt sich allerdings, dass die Zurückhaltung der Winterthurer gegenüber der in den letzten Jahren von verschiedenen Fachleuten gelobten Software Precobs, durchaus berechtigt ist. Während die Zürcher Stadtpolizei jetzt sogar prüft, ob das Programm auch für andere Delikte, wie beispielsweise Autodiebstähle oder Sachbeschädigungen eingesetzt werden kann, zieht eine aktuelle Studie aus Deutschland ein ziemlich ernüchterndes Fazit zu Precobs. Denn die von den Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe eingesetzte Software zur Vorhersage von Straftaten hat offenbar kaum positive Effekte. Das ist zumindest das Resultat einer Untersuchung des Max Planck Instituts (MPI) für ausländisches und internationales Strafrecht im Auftrag der Polizei im deutschen Bundesland Baden-Württemberg.

Laut der Studie konnten durch den Einsatz des Programms Precobs Taten nicht im nennenswerten Umfang verhindert werden. Die Deliktszahlen gingen zwar leicht zurück, das geschah jedoch auch in Gebieten ohne entsprechende Software-Unterstützung. MPI-Kriminologe Dominik Gerster bilanziert: «Es gibt wohl mit Precobs eine gewisse kriminalitätsmindernde Wirkung, aber der Effekt ist eher schwach.»

«Der Erfolg gibt uns recht»

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, räumt zwar ein, dass man den positiven Effekt von Precobs nicht beweisen könne. «Andererseits geben uns die Zahlen und der Erfolg recht.» Insofern sei es eigentlich egal, zu welchen Schlüssen gewisse Studien kommen würden. (Landbote)

Erstellt: 13.11.2017, 15:45 Uhr

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Precobs

Nicht nur das Wetter, auch Kriminalität kann seit einigen Jahren vorhergesagt werden. Dies verspricht zumindest das in Deutschland entwickelte Computerprogramm Precobs, das mit Daten früherer Einbrüche gefüttert wird. Tatzeit, Tatort, Beute und Art der Tatbegehung – mehr braucht die Software nicht zu wissen, um Einbruchsserien zu erkennen. Gesucht wird also nach einem bestimmten Muster. Wie sind die Täter vorgegangen? Wann und wo haben sie zugeschlagen?
Aufgrund der entsprechenden Daten erstellt Precops eine Prognose für Gebiete, in denen in den kommenden 72 Stunden eine erhöhte Gefahr für Einbrüche besteht. Die Polizei schickt sodann gezielt Patrouillen in diese Quartiere. (tm)

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