Winterthur

Stadtrat gibt Gas auf der Stadthausstrasse

Bis im Spätsommer soll die Stadthausstrasse eine Flaniermeile mit Tempo 30 Zone dafür ohne Parkfelder sein. Nun liegen die Pläne auf.

Die Stadthausstrasse soll bereits im Sommer autofrei sein.

Die Stadthausstrasse soll bereits im Sommer autofrei sein. Bild: mad

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Neben Marktgasse und Steinberggasse fristet die Stadthausstrasse ein Mauerblümchen-Dasein. Nie zeigt sich das schöner als zur Adventszeit. Neben der strahlend erleuchteten, geschäftigen Marktgasse und der romantischen, alternativen Steinberggasse, erscheint die Stadthausstrasse wie ein Anhängsel, ein grauer Korridor. Auch wenn die sie vermeintlich optimal zwischen Altstadt und Parkanlage liegt.

Diese Zeiten sollen vorbei sein. Bereits Ende August wurde beschlossen, dass sich das nun definitiv ändern soll, der Gemeinderat hatte eine Motion von links-grün für erheblich erklärt. Ab Mittwoch können die Pläne der Stadt nun öffentlich eingesehen werden.

Fast 50-jährige Vorgeschichte
Die Forderung, die Stadthausstrasse vom Durchgangsverkehr zu befreien, hat eine lange Vorgeschichte. Schon zweimal, 1973 und 1985 stimmte das Volk einer Verkehrsberuhigung zu. Umgesetzt wurde sie aber nur teilweise. Die aktuelle Diskussion geht auf zwei Vorstösse vom Dezember 2017 zurück. Eine Motion von Silvia Gygax-Matter (GLP) mit Unterstützung von SP, Grünen und EVP fordert die Sperrung für den motorisierten Individualverkehr. Diese wird nun umgesetzt. Ein zeitgleich eingereichtes Postulat von Christoph Baumann (SP), unterzeichnet von den gleichen Parteien, fordert ein Konzept zur Aufwertung der verkehrsberuhigten Stadthausstrasse. Das Gestaltungskonzept will die Stadt parallel zur Umsetzung der Massnahmen anpacken. Vier bis sechs Jahre werde das dauern, sagt Bauvorsteherin Christa Meier (SP).(mig)

Autofrei – aber was heisst das konkret?

Für Autos

Für Autos gilt auf der Stadthausstrasse künftig eine Zufahrtsbeschränkung, wie man sie bereits von der Altstadt kennt. Es gibt allerdings Ausnahmen, mit Rücksicht aufs Gewerbe. So ist die Anlieferung für die Läden weiterhin möglich. Auch der Warenumschlag bleibt erlaubt. Wer also einen sperrigen Grill im Haushaltsgeschäft kauft, oder zwei Kisten Wein beim Getränkehändler, kann für maximal 15 Minuten auf den verbreiterten Trottoirs halten. «Damit sind unsere wichtigsten Anliegen berücksichtigt», sagt Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung Junge Altstadt. Zum Bringen oder Abholen von Personen werden an der Museumstrasse hinter dem Stadthaus Kurzzeitparkplätze markiert. Die Behindertenparkplätze vor dem Restaurant Strauss bleiben bestehen. Spezielle «Kiss-and-Go»-Parkplätze sieht der stadträtliche Plan nicht vor.

Für Fussgänger

An verschiedenen Stellen werden die Trottoirs altstadtseitig verbreitert. Das schafft Platz für grössere Strassencafés, Pflanzentöpfe oder Kunst im öffentlichen Raum. Ungewohnt: Weil neu Tempo 30 gilt, werden alle Fussgängerstreifen aufgehoben. Nur der Streifen vor dem Altstadtschulhaus bleibt bestehen, mit Hinblick auf die Schulkinder.

Für Velos

Eine schlechte Nachricht für Pendler: Zwischen Bankstrasse und Bahnhofplatz verschwinden 180 äusserst begehrte Veloabstellplätze. Das unterste Parkfeld vor dem Restaurant National soll ganz aufgehoben werden und statt in zwei Reihen sollen die Velos nur noch einreihig parkiert werden. Die Stadt will die wegfallenden Plätze durch neue Parkplätze an anderer Stelle kompensieren, etwa an der Bankstrasse. In Sachen Markierung oder Spurführung ändert sich für die Velos nichts.

Für Töffs

Die Zufahrtsbeschränkung gilt für den «motorisierten Individualverkehr»; Motorräder werden also ebenfalls verbannt. Die 20 bis 30 Abstellplätze beim Museum am Stadtgarten fallen weg. Sie werden ersetzt durch ein vergrössertes Motorrad-Parking neben dem Manor-Parkhaus und neue Abstellplätze hinter dem Stadthaus.

Für den Bus

Abgesehen von kleinen Anpassungen bei zwei Haltestellen, die sowieso nötig gewesen wären, ändert sich für den Busbetrieb nichts.

VCS und Pro Velo prüfen Einspruch

Kosten soll das gesamte Projekt rund 600000 Franken, wobei rund die Hälfte ohnehin für Sanierungsmassnahmen angefallen wäre, etwa für den Ersatz maroder Bodenplatten an einer Bushaltestelle. Während seitens der Ladenbesitzer kein grosser Widerstand zu erwarten ist, überlegen sich der VCS und Pro Velo Winterthur Einspruch einzulegen, um gegen die Aufhebung der Veloparkplätze in Bahnhofsnähe vorzugehen.

Bei diesen Plänen, die bereits in den Sommerferien 2020 umgesetzt werden sollen, handelt es sich aber nur um vorläufige Massnahmen. Parallel dazu plant die Stadt das definitive Gestaltungskonzept, dieses wird aber frühstens in vier Jahren umgesetzt sein. Dann erhält die Stadthausstrasse vielleicht auch eine eigene Weihnachtsbeleuchtung.

Erstellt: 05.12.2019, 10:16 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare