Winterthur

Stadtrat will klare Spielregeln für O-Bike

Bis zu 150 Velos kann die Verleihfirma O-Bike auf Winterthurer Boden gratis aufstellen, für jedes Velo mehr ist eine Bewilligung nötig. Und die dürfte für O-Bike nicht günstig werden. Gut so, findet Pro Velo und warnt vor Chaos am Hauptbahnhof.

So soll's an den Veloabstellplätzen Winterthurs nicht aussehen. Deshalb reguliert der Stadtrat die O-Bike-Bestände.

So soll's an den Veloabstellplätzen Winterthurs nicht aussehen. Deshalb reguliert der Stadtrat die O-Bike-Bestände. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hunderte von gelb-silbernen «O-Bikes» stehen in Winterthur- Töss derzeit auf einem Privatgrundstück. Die Firma mit Sitz in Singapur hat bestätigt, dass sie für Winterthur gedacht sind. Noch warte man aber auf eine Aussage der Stadt Winterthur. Gestern äusserte sich der Stadtrat und stellte klar: Ohne polizeiliche Bewilligung darf O-Bike maximal 150 Velos in der Stadt abstellen.

Baustadtrat Josef Lisibach (SVP) betont, man habe Sympathien für die «innovative Idee» eines stationslosen Verleihsystems. «Ganz persönlich finde ich es eine tolle Sache, wenn man per Handy-App ein Velo reservieren, aufschliessen und bezahlen kann.» Das sei ganz im Sinne einer «Smart City». Getestet habe er das zwar selbst noch nicht, die App habe er aber schon mal heruntergeladen.

Velo-Chaos am HB droht

Das grosse Aber ist für Lisibach die Platzsituation im Stadtzentrum. «Die 4000 Abstellplätze um den Hauptbahnhof sind bereits sehr gut ausgelastet und die Baumassnahmen zur Gleisquerung werden das Problem noch verschärfen». Gerade um die vielen Berufspendler mit ihren Privatvelos nicht zu behindern, habe der Stadtrat deshalb bewusst eine Bewilligungsgrenze von 150 Velos festgelegt.

«Ganz persönlich finde ich es eine tolle Sache, wenn man per Handy-App ein Velo reservieren, aufschliessen und bezahlen kann.»Josef Lisibach,
Stadtrat

Kurt Egli von Pro Velo hat die Ausbreitung der Leihvelos genau verfolgt. Der Velo-Lobbyist ist weniger begeistert als der Stadtrat: «Die Idee ist nicht schlecht, die Umsetzung leider schon. Die Velos sind billig, gehen schnell kaputt und haben nur einen Gang. Für eine hügelige Stadt wie Winterthur halte ich sie für ungeeignet.»

Wie Lisibach fürchtet auch Egli ein Gerangel um die knappen Abstellplätze am Bahnhof und auch Nachteile für Kinderwagen und Rollatoren, wenn die Velos achtlos auf dem Trottoir oder im öffentlichen Raum abgestellt werden. «Es kann nicht sein, dass die Polizei sie auf eigene Kosten wegtransportieren muss.»

Daniel Beckmann von der Verwaltungspolizei, die eine allfällige Bewilligung aushandeln wird, betont, dass die Stadt Bedingungen an die Firma O-Bike stellen werde, die den geäusserten Bedenken Rechnung tragen. Eine Bewilligung werde nur zeitlich begrenzt ausgestellt, im Sinne eines Testbetriebs. Wie lange, das steht noch nicht fest.

Bis zu 90 Franken Gebühr

Die Stadt werde ausserdem Obergrenzen für die Bahnhofsparkings definieren. «Die Einhaltung soll durch eine verantwortliche Person bei O-Bike überprüft werden», so Beckmann. Bleiben dennoch Velos zu lange im 48-Stunden-Parkbereich stehen und werden polizeilich abtransportiert, werde man das der Firma in Rechnung stellen, wie man das bei Privaten auch tut.

«Eine Gebühr ist angedacht. Das gebietet die Fairness gegenüber dem einheimischen Gewerbe.»

Kurt Egli von Pro Velo fordert ausserdem, dass O-Bike für die Benutzung des öffentlichen Raums auch etwas bezahlen soll. «Jeder Gewerbler, der ein Schild vors Geschäft stellt, muss dafür zahlen.»

Das sieht Stadtrat Lisibach ähnlich: «Eine Gebühr ist angedacht. Das gebietet die Fairness gegenüber dem einheimischen Gewerbe.» In Juristendeutsch ist eine Veloflotte von über 150 Stück auf öffentlichem Boden ein «gesteigerter Gemeingebrauch», es können Gebühren erhoben werden, wenn der Stadtrat dies anordnet. Dies ist passiert: Die Polizei ist ermächtigt, ab dem 150. Velo bis zu 90 Franken pro Jahr zu verrechnen.

Weitere Anbieter erwartet

Lisibach gibt zu, dass Winterthur wie andere Städte von der Entwicklung überrascht wurde. «Klare Rahmenbedingungen sind auch deshalb nötig, weil absehbar ist, dass weitere Anbieter in den Markt drängen.»

Diese dürfe man nicht schlechter behandeln als O-Bike. Das werde man beim Festlegen einer Höchstzahl von Velos berücksichtigen. Eine konkrete Zahl wollten weder Lisibach noch Beckmann nennen. Die Firma O-Bike wurde gestern von dem Stadtratsbeschluss in Kenntnis gesetzt, die Verhandlungen können beginnen. (Der Landbote)

Erstellt: 08.09.2017, 17:31 Uhr

Artikel zum Thema

Ab 150 oBikes braucht es eine Bewilligung

Winterthur Leihvelo Unternehmen wie oBike dürfen 150 Velos ohne Genehmigung anbieten. Für mehr braucht es eine Polizeibewilligung. Dies hat der Stadtrat entschieden. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.