Winterthur

Stadtwerk hielt brisante Infos zurück

Der Energieversorger hat im letzten Juni finanzielle Probleme beim Energie-Contracting verschwiegen, um einen 70-Millionen-Kredit nicht zu gefährden. Auch Werkvorsteher und Stadtrat Matthias Gfeller wusste davon.

Stadtwerk Winterthur ist mit 32 Prozent am Aktienkapital von «Wärme Frauenfeld AG» beteiligt.

Stadtwerk Winterthur ist mit 32 Prozent am Aktienkapital von «Wärme Frauenfeld AG» beteiligt. Bild: Marc Dahinden

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Am 14. Juni 2015 sagte die Winterthurer Stimmbevölkerung Ja zu einem 70-Millionen Franken-Kredit für den Energieversorger Stadtwerk. Das Geld ist für Investitionen im Bereich Energie-Contracting gedacht. Damit finanziert Stadtwerk Winterthur beispielsweise Quartierheizzentralen und verkauft die gewonnene Energie, laut eigenen Angaben seit dem Jahr 2000 mit Erfolg. Nun ist klar: Das Stimmvolk wurde im Vorfeld der Abstimmung über negative Entwicklungen in dem Geschäftsfeld bewusst nicht informiert.

Im Mittelpunkt steht die im Jahr 2012 gegründete Gesellschaft Wärme Frauenfeld AG. Diese hat in den letzten vier Jahren einen Wärmering aufgebaut, der Abnehmer in Frauenfeld mit Energie versorgt. StadtwerkWinterthur ist mit 32 Prozent am Aktienkapital beteiligt. Doch die AG kam nie richtig in Fahrt und geriet letztes Jahr gar in finanzielle Schieflage.

Heikle Aussage in Interview

Spätestens im Mai 2015 war dem Verwaltungsrat, in dem auch zwei Kaderleute von Stadtwerk Winterthur sitzen, bewusst, dass eine millionenteure Sanierung nötig werden könnte. Kommuniziert wurde dies allerdings erst Ende Juni, knapp zwei Wochen nach der Winterthurer Abstimmung. Und was man seither nur gemunkelt hatte, wurde nun letzte Woche in einem Interview in der «Thurgauer Zeitung» offenbar. Darin gab der VR-Präsident der Wärme Frauenfeld AG zu: «Wir wollten damals nicht mit Informationen an die Öffentlichkeit treten, welche die Winterthurer Abstimmung un­ter Umständen hätten gefährden können.»

Stadtrat und Werkvorsteher Matthias Gfeller (Grüne) verteidigt dieses Vorgehen. «Ich habe es begrüsst, dass in Frauenfeld keine Jahresabschlusszahlen kurz vor einer Volksabstimmung in Winterthur veröffentlicht worden sind», sagt Gfeller. Eine Öffentlichmachung der finanziellen Probleme hätte keinen Sinn gemacht: «Sonst hätten wir auch über alle anderen rund 60 Projekte des Energie-Contractings einzeln orientieren müssen.» Gfeller bestätigt, auch er selber sei «in kontinuierlichen Abständen über die ­finanzielle Situation informiert worden». Was der Gesamtstadtrat wusste, ist nicht bekannt.

Über die Probleme in Frauenfeld informierte Gfeller auch nach dem 14. Juni nicht, obwohl es um viel Geld geht. Frauenfeld will die AG mit fünf Millionen Franken sanieren, aus Winterthur wurden offenbar bis zu acht Millionen versprochen.

Weitere Informationen und Kommentar hier (Der Landbote)

Erstellt: 08.04.2016, 21:06 Uhr

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