Technische Betriebe

Stadtwerk verschiebt Digitalisierung auf unbestimmte Zeit

Das digitale Kundenportal sollte schon lange stehen, doch wegen Fehlern bei der Vorplanung und Ausschreibung steckt das Projekt fest.

Stadtwerk Winterthur schiebt das Digitalisierungsprojekt auf die lange Bank. Das Projekt hat massive Verspätungen eingefahren.

Stadtwerk Winterthur schiebt das Digitalisierungsprojekt auf die lange Bank. Das Projekt hat massive Verspätungen eingefahren. Bild: mad

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Die meisten grösseren Stadtwerke der Schweiz haben ein digitales Kundenportal – Kunden können dort beispielsweise ihre Rechnungen einsehen, den Zählerstand erfassen oder ihren Stromverbrauch prüfen, und das zu jederzeit und auch auf dem Handy. Die Winterthurer Stromkunden allerdings werden noch eine ganze Weile nicht zu diesem Kreis der Digitalisierten zählen.

Stadtwerk bestätigt gegenüber dem «Landboten», dass das Projekt eine massive Verspätung eingefahren hat. Momentan kann Stadtwerk nicht einmal einen ungefähren Zeitpunkt nennen, wann das Portal dereinst aufgeschaltet werden könnte.

Kommission informiert

Das brisante Thema beschäftigt bis ganz oben: Kürzlich informierte Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) die zuständige Gemeinderatskommission über die Verzögerungen und musste dort Red und Antwort stehen. Der 60-köpfige Gemeinderat selber hatte im September 2018 das Projekt Kundenportal ohne Diskussion passieren lassen. Kostenpunkt: 650'000 Franken.

«IT-Projekte in dieser Grössenordnung und Komplexität sind für Stadtwerk Winterthur nicht alltäglich.»Stadtwerk-Medienstelle

Stadtwerk hätte daraufhin das Portal mit Hilfe eines externen Anbieters bis Mitte 2019 aufschalten sollen. Doch schon bei der Ansetzung dieses Termins hat man sich beim Energieversorger verkalkuliert. Es verging viel mehr Zeit als gedacht, bis die nötigen Ausschreibungsunterlagen erstellt waren. Die Medienstelle schreibt dazu auf Anfrage: «IT-Projekte in dieser Grössenordnung und Komplexität sind für Stadtwerk Winterthur nicht alltäglich. Nebst dem Portal müssen auch Schnittstellen entwickelt und in die bestehende IT-Architektur integriert werden.» Für die Ausschreibung des Auftrags gelten zudem engere Bestimmungen als sonst, da es sich aufgrund der Gesamtsumme um ein Beschaffungsvorhaben im Staatsvertragsbereich handelt.

Stopp vor wenigen Tagen

Doch auch die zusätzliche Vorbereitungszeit hat offenbar nicht gereicht. Vor wenigen Tagen stoppte Stadtwerk die Ausschreibung. Diese war schon weit fortgeschritten, Stadtwerk war bereits daran, die Angebote mehrere Anbieter zu analysieren. Erst da wurde bemerkt, dass die ursprüngliche Beschreibung der technischen Anforderungen «nicht in einer rechtsgenügenden Form vorlagen», wie es in den Ausschreibungsunterlagen heisst. Auch die von Stadtwerk formulierten Preiskriterien waren rechtlich nicht einwandfrei formuliert.

«Ich sehe Stadtwerk Winterthur als Kompetenzzentrum für die Smart City, das eine Vorbildfunktion wahrnimmt und andere Bereiche der Stadt motiviert, smarte Lösungen umzusetzen.»Stadtrat Stefan Fritschi im Jahresbericht von Stadtwerk 2018

Dies führte dazu, dass die Anbieter die jeweiligen Kriterien unterschiedlich interpretierten, ein Direktvergleich der Angebote wurde so unmöglich. Aus Angst, dass ein unterlegener Anbieter den Rekursweg beschreiten könnte und so noch mehr Zeit verloren geht, brach Stadtwerk die Übung ab. Es sei «kein Schaden» entstanden, schreibt die Medienstelle.

Nun wird alles noch einmal überarbeitet und die Ausschreibung wiederholt. Wann das ganze zu einem Ende findet, weiss niemand. «Den genauen Zeitpunkt für die Aufschaltung des Portals können wir derzeit nicht nennen», schreibt Stadtwerk.

Vorbildfunktion?

Die Öffentlichkeit von sich aus über die Sache zu informieren, hatte Stadtwerk offenbar nicht vor. Seit knapp einem Jahr hat man keine Zeile mehr zum digitalen Kundenportal lesen können.

Bemerkenswert ist auch, dass das Projekt als Vorbild hätte dienen sollen im Rahmen der gesamtstädtischen «Smart City»-Strategie. Stadtrat Stefan Fritschi schrieb im Stadtwerk-Jahresbericht 2018 folgendes: «Ich sehe Stadtwerk Winterthur als Kompetenzzentrum für die Smart City, das eine Vorbildfunktion wahrnimmt und andere Bereiche der Stadt motiviert, smarte Lösungen umzusetzen. Mit dem digitalen Kundenportal realisiert Stadtwerk Winterthur ein solches Angebot.»

Erstellt: 11.02.2020, 10:55 Uhr

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