Winterthur

Stadtwerk spürt den Klimawandelund macht deutlich weniger Gewinn

Anhaltende Trockenheit und wenig Wind haben den Preis von Ökostrom im letzten Jahr in Europa in die Höhe getrieben. Stadtwerk Winterthur musste 2018 deshalb einen Gewinneinbruch hinnehmen.

Stadtwerk Winterthur schliesst mit einem Gewinn von 18 Millionen Franken.

Stadtwerk Winterthur schliesst mit einem Gewinn von 18 Millionen Franken. Bild: Marc Dahinden

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Der Gewinn von Stadtwerk Winterthur ist 2018 gegenüber dem Vorjahr um rund 10 Millionen Franken oder etwas mehr als ein Drittel geschrumpft. Er fiel mit knapp 18 Millionen Franken – bei einem Ertrag von 235 Millionen – aber immer noch solide aus. Die 11,4 Millionen Franken, die Stadtwerk im Rahmen der jährlichen Abschöpfung an die Stadtkasse abliefert, sind im Ergebnis bereits abgezogen.

Laut dem zuständigen Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) waren es vor allem die klimatischen Bedingungen im vergangenen Jahr, die für das schlechtere Ergebnis verantwortlich waren. Das warme und trockene Wetter in Europa hat den Wind- und Wasserstrom im Einkauf verteuert, gleichzeitig wurde aufgrund des eher milden Winters weniger mit Gas geheizt. Weil Stadtwerk die Preise nur einmal jährlich anpasst, drückte dieser Umstand auf die Margen. Fritschi relativiert allerdings: «Zum Beispiel 2016, als die Preise für erneuerbare Energien tief waren, spielte der Effekt zu unseren Gunsten.»

Höhere Personalkosten

Sieht man den am Montag publizierten Geschäftsbericht genau an, fällt auch der rund 3,5 Millionen Franken höhere Personalaufwand auf. Dieser hat jedoch vor allem buchhalterische Gründe. So war 2017 eine Rückstellung von 2,5 Millionen Franken für die Pensionskasse aufgelöst worden, was den Personalaufwand rechnerisch senkte. Die tatsächlichen Mehrkosten lagen bei einem Gesamtpersonalaufwand von 45 Millionen ziemlich genau bei einer Million Franken, wovon der grössere Teil auf Lohnmassnahmen, der kleinere auf zwei zusätzliche Stellen zurückgeht.

Ob das Ergebnis Auswirkungen auf die Strompreise hat, kann Fritschi noch nicht sagen. Der Stichtag für den Tarifentscheid für 2020 ist erst im Sommer. Per Anfang Jahr hatte Stadtwerk die Energiepreise um rund 3,5 Prozent angehoben, weil sich gleichzeitig die Netznutzungskosten verringerten, blieben die Kosten praktisch konstant. Beim Gas blieb der Preis Anfang 2019 auf Vorjahresniveau, wobei der Kundenbonus gesenkt wurde; auch hier wird über die Preise erst später im Jahr entschieden. Eine Anpassung gab es Anfang Jahr auch bei den Fernwärmetarifen, zum ersten Mal überhaupt in 18 Jahren.

Betriebswirtschaftliche Baustellen bleiben die Bereiche Telecom und Energie-Contracting. Nicht mitgemeint ist dabei der Fernwärmeverbund der KVA. Hier stieg die Zahl der Anschlüsse um 36 auf 641, gleichzeitig wurde wegen der milden Temperaturen weniger Leistung nachgefragt, zwei Effekte, die sich laut dem Geschäftsbericht 2018 in etwa die Waage gehalten haben. Im Bereich der kleinen Wärmeverbünde hängt die Zahl der Neuanschlüsse vom Preis der fossilen Energieträger ab. Dieser war 2018 lange gestiegen, dann eingebrochen und zeigt nun wieder eine steigende Tendenz, was die Aussichten in dem etwas schleppenden Geschäftsfeld wieder verbessert. Gut funktioniert das Geschäft mit Wärmeverbünden dort, wo Stadtwerk als Dienstleister auftritt und beispielsweise Anlagen für Überbauungen baut und betreibt. Insgesamt resultierte im Energie-Contracting ein Betriebsverlust von 890000 Franken, laut Fritschi ist das Ergebnis damit «etwas besser als geplant».

Im Telecombereich hat die Stadt das Glasfasernetz weiter ausgebaut. Ende 2018 waren 97 Prozent der Gebäude im einst dafür ausgeschiedenen Gebiet ans Netz angeschlossen, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Wirtschaftlich hinkt der Bereich den Prognosen allerdings hinterher. Stadtwerk prüfte deshalb sowohl einen Verkauf wie auch die Möglichkeit, selbst als Internetprovider aufzutreten. Beide Szenarien wurden letztes Jahr wieder verworfen. Ein neues Marketing- und Vertriebskonzept soll das Geschäft 2019 mittelfristig ankurbeln. Fritschi warnt indes vor zu hohen Erwartungen. Bei Investitionen von über 50 Millionen Franken in den Netzbau sei Stadtwerk noch lange nicht an dem Punkt, an dem man Geld verdiene. Der Bereich Telecom schloss 2018 mit einem Verlust von knapp 2 Millionen Franken, auch das war laut Fritschi bereits besser als geplant. «Der Bereich Telecom ist inzwischen auf Kurs.»

Im Kontakt mit den Kunden merkt Stadtwerk die Digitalisierung. So sind beim Kundendienst 12 Prozent mehr Anfragen per E-Mail eingegangen. Ab diesem Jahr soll nun etappenweise das neue Kundenportal eingeführt werden, für das der Gemeinderat im letzten Herbst 650000 Franken bewilligt hat.

Wasserlieferant rundum

Bleibt noch das Wasser. Hier machte sich die langfristige Vorsorge bezahlt, wie im Geschäftsbericht steht. So lieferte Stadtwerk in der trockenen Periode von Juli bis August 30 Prozent mehr Wasser als im Vorjahr an Partnergemeinden. In der Erwartung, dass sich trockene Sommer häufen dürften, haben nun einige Gemeinden ihre Bezugsrechte bei Stadtwerk erhöht.

Für die Winterthurer Wasserversorgung sieht Stadtwerk dank des Grundwasserstroms der Töss keinen Handlungsbedarf. Als strategische Reserve verfügt Winterthur zudem über eine Konzession für ein Grundwassergebiet in Rheinau, das bei Bedarf erschlossen werden könnte. (Landbote)

Erstellt: 15.04.2019, 08:51 Uhr

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