Winterthur

Städtische Pensionskasse verdient zu wenig

Seit der Verselbstständigung per 2014 hat die Pensionskasse der Stadt mit ihren Anlagen klar unterdurchschnittliche Renditen eingefahren. Das zeigt ein Vergleich mit den wichtigsten der Performance-Barometern der Branche.

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Mit einem Anlageverlust von fast 3,5 Prozent war 2018 für die Pensionskasse der Stadt Winterthur (PKSW) ein Horrorjahr. Sie teilt dieses Schicksal mit fast allen anderen Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz. Allerdings sind für die langfristige Gesundheit einer Kasse und die die Renten nicht einzelne Ausreisser relevant, sondern die Performance aller Anlagen über mehrere Jahre.

An der Pensionskasse der Stadt Winterthur wird in diesem Zusammenhang immer wieder Kritik laut. Vor allem bürgerliche Exponenten werfen der Geschäftsführung und dem Stiftungsrat vor, zu geringe Anlageerfolge zu erzielen. Stimmt das?

0,7 Prozent zu wenig

Legt man die Geschäftsberichte der Pensionskasse seit der Verselbstständigung per 2014 zu Grunde, findet man keine Anhaltspunkte für eine Unterperformance. Gegenüber dem in den Berichten beigezogenen «Benchmark» entwickelte sich die Rendite sogar leicht positiv - wobei für das Jahr 2018 noch keine Vergleichszahlen vorliegen.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die wichtigsten Vergleichsinstrumente der Vorsorgebranche in der Schweiz heranzieht, wie den Pensionskassenmonitor der Swisscanto Vorsorge AG, der die Performance aller Schweizer Kassen in Modellrechnungen abbildet.

«Der Pensionskasse der Stadt entgingen in den letzten fünf Jahren mindestens 70 Millionen.»

Er kommt über die letzten fünf Jahre auf eine durchschnittliche Rendite aller Kassen von 3,2 Prozent, wobei Kassen mit Vorsorgegeldern von 1 bis 5 Milliarden Franken, zu denen die PKSW mit knapp 2 Milliarden Franken Vermögen gehört, noch einmal leicht besser abgeschnitten haben.

Noch einmal grösser ist die Differenz zu den Vergleichsinstrumenten der Grossbanken. Sowohl der Pensionskassen-Index der Credit Suisse als auch das Pensionskassen-Barometer der UBS verzeichneten für den Zeitraum von 2014 bis 2018 eine Durchschnittsrendite von 3,5 Prozent; in beiden Fällen wurden die Daten der Kassen ausgewertet, die mit den Banken einen Global-Custody-Vertrag haben, ihre Vermögensverwaltung also über diese Banken abwickeln. Bei der UBS bezieht sich die Zahl auf Kassen mit über 1 Milliarde Kapital, bei kleineren Instituten war die Rendite etwas geringer.

70 Millionen verschenkt

Grob geschätzt lässt sich also sagen: Die Pensionskasse der Stadt Winterthur blieb mit ihrer Durchschnittsrendite seit der Verselbstständigung um 0,7 bis 1 Prozent hinter dem Marktdurchschnitt. Damit entgingen ihr für die letzten fünf Jahre zusammengerechnet mindestens 70 Millionen Franken - ein Betrag, der rund halb so hoch ist wie die Finanzspritze, welche die Kasse von der Stadt für die Umsetzung des neuen Vorsorgemodells ab 2020 und ihre langfristige Gesundung fordert.

Gisela Basler, die erst Mitte 2018 als Geschäftsleiterin zur Kasse gestossen ist, warnt allerdings vor allzu grossen Vereinfachungen: «Man muss aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.» Die Pensionskasse der Stadt Winterthur habe bei der Verselbstständigung per 2014 bereits eine Unterdeckung aufgewiesen.

Entsprechend geringer sei damals nach Auffassung der Verantwortlichen die Risikofähigkeit der Kasse gewesen. Die Pensionskasse legt laut Basler in ihrem Geschäftsbericht einen «Benchmarkt» zugrunde, der diesem Umstand Rechnung trägt, indem er der Anlagestrategie der PKSW entspreche.

Auffälliges Anlageprofil

Trotz aller Relativierung ist die Pensionskasse der Stadt Winterthur dabei, diese Anlagestrategie zu überdenken. Die neue Stiftunsgratspräsidentin Marianne Fassbind hat das Vorhaben diese Woche noch einmal bekräftigt.

Gegenüber dem Branchendurchschnitt fiel zuletzt vor allem der hohe Anteil sogenannter alternativer Anlagen auf. Die letzten Vergleichszahlen stammen noch von 2017. Damals wiesen die Schweizer Pensionskassen gemäss Swisscanto-Monitor einen Anteil alternativer Anlagen von 6,3 Prozent aus.

Bei der PKSW summierten sich die Beteiligungen an Private Equity Firmen, Hedge Funds sowie Unternehmensdarlehen und Versicherungsverbriefungen dagegen auf fast einen Viertel des gesamten Anlagevermögens. Unterdurchschnittlich gewichtet waren Aktien mit 20,4 Prozent - gegenüber 32,1 Prozent im Schweizer Durchschnitt. Bei Obligationen und Immobilien lagen die Unterschiede der Vermögens-Allokation im tieferen einstelligen Prozentbereich.

Hurrikan-Kosten

Schlagzeilen machten die Versicherungsverbriefungen (ILS), die 2017 mit einem Minus von 12,5 Prozent zu Buche schlugen. Die Pensionskasse zahlte hier die Zeche für eine schadensreiche Hurrikan-Saison in den USA. Die PKSW hat ihre Position anteilsmässig zuletzt verkleinert, auf immer noch 8 Prozent am Gesamtvermögen im Jahr 2017. Auch für 2018 dürfte ein Verlust resultieren. Ob die Rendite der Papiere, in welche die PKSW seit 2011 investiert, damit in die Verlustzone kippt ist noch offen. Bis 2017 betrug der durchschnittliche Netto-Ertrag ordentliche 3,9 Prozent.

Für alternativen Anlagen gilt ganz allgemein, dass sie mit hohen Vermögensverwaltungskosten verbunden sind. Diese lagen bei der PKSW über alle Anlagen betrachtet 2017 bei 0,8 Prozent und damit signifikant höher als im Schweizer Durchschnitt von 0,48 gemäss Swisscanto.

Die alternativen Anlagen dienen der PKSW zur Risikominimierung, weil sie vom Aktienmarkt entkoppelt reagieren, lautete bisher die Begründung für die Anlagestrategie, die jetzt zur Disposition gestellt wird. Zuletzt hätte die Kasse mit einem höheren Aktienanteil bessere Ergebnisse erzielt. Welche Handlungsoptionen der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung bei der Geldanlage haben, soll bis im zweiten Quartal des laufenden Jahres eine Studie klären.

Erstellt: 15.02.2019, 16:27 Uhr

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