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Standort soll nach Zimmer-Fusion «eher wachsen als schrumpfen»

Nach dem Kauf eines grossen Konkurrenten sind die Auswirkungen auf das Werk des wichtigsten industriellen Arbeitgebers der Stadt offen.

Mitarbeiter fotografieren das neue Logo: Der Prothesenhersteller Zimmer hat mit dem Konkurrenten Biomet fusioniert.
Mitarbeiter fotografieren das neue Logo: Der Prothesenhersteller Zimmer hat mit dem Konkurrenten Biomet fusioniert.

Was die Fusion der beiden Konkurrenten für die Stadt Winterthur bedeutet, ist noch unklar. Die Manager reden von Wachstum, doch vieles spricht für einen Personalabbau in Europa. Von einer Verkleinerung der Produktion könne nicht die Rede sein, versichert Zimmer-Manager Luigi Sorrentino gestern Mittag am Rand einer kleinen Fusionsfeier auf dem Firmenareal an der Sulzerallee, unweit des Bahnhofs Grüze. «Wir erwarten in Winterthur eher ein Wachstum.»

Einschneidender Umbau

Die Ausgangslage: Der Prothesenhersteller, der in der Stadt rund 1100 Personen beschäftigt und damit der grösste industrielle Arbeitgeber ist, wird mit dem Konkurrenten Biomet fusioniert. Schon der stolze Kaufpreis von 14 Milliarden Dollar verrät, dass es sich um einen Megadeal handelt, der Wellen werfen wird.

Auch der Blick auf die Unternehmens­profile legt nahe, dass ein einschneidender Umbau bevor­stehen könnte: Zimmer und Biomet produzieren dieselben oder ähnliche Produkte, allen voran Knie- und Hüftimplantate, und sie sind in denselben Märkten tätig, in erster Linie in den USA, aber auch in Europa. In der ­Medienmitteilung zur Fusion ist zudem davon die Rede, dass jährliche Synergien von 350 Millionen Dollar zu erwarten seien.

Bei der Firma beschwichtigt man. Die Auslastung sei in Europa sehr gut, sagt Sorrentino, was die Arbeitsplätze in allen europäischen Werken sichere, «solange die Verkäufe so bleiben». Gemeint sind die Fabrik in Winterthur, welche die grösste europäische Produktionsstätte der fusionierten Firma darstellt, und ebenfalls die Biomet-Werke im walisischen Bridgend, in Berlin und im französischen Valence.

Winterthur bleibt Europa-Hauptsitz

Positiv ist, dass Winterthur, der bisherige Hauptsitz von Zimmer in Europa, zum neuen Europa-Hauptsitz des fusionierten Konzerns wird. Die Europazentrale von Biomet befindet sich im niederländischen Dordrecht. Im Vergleich mit den Niederlanden sprach für Winterthur, dass in Dordrecht nicht produziert wird, während die Produktion in der Grüze kürzlich für viel Geld ausgebaut worden ist. Der Sitz in Dordrecht soll nicht geschlossen werden, heisst es, sondern einige seiner Funktionen behalten.

Ihre Funktion behält auch Zimmer-Europachefin Katarzyna Mazur, die gestern in guter Stimmung eine kurze Ansprache an die Mitarbeiter richtete. Gemeinsam habe man das Potenzial zum besten Anbieter auf dem Markt, sagte die polnische Managerin in ihrer Rede, die auf Englisch gehalten und im Intranet der Firma übertragen wurde: «Let’s celebrate.» Vor der Fabrik flogen die Ballone, es wurde getrötet, man holte sich eine Wurst vom Grill.

Stadtpräsident lässt sich ins Bild setzen

Wenig Feierlaune herrscht dagegen bei den Gewerkschaften. Der Regionalsekretär von Angestellte Schweiz, Alois Düring, rechnet mit einer «grösseren Anzahl Kündigungen», allerdings «eher ausserhalb der Schweiz». Er verweist auf die angekündigten Synergiegewinne, die den Aktionären zugute kommen werden. Dagegen sagt Zimmer-Manager Sorrentino, die Einsparungen sollen sich vor allem aus den tieferen Einkaufspreisen ergeben, die man in Zukunft als grösserer Konzern realisieren könne.

Allerdings machen die Materialaus­gaben nur einen kleinen Teil der Produktionskosten aus. Das für einen Hüftschaft mit 1500 Franken Marktwert benötigte Titan kostet zum Beispiel nur rund 20 Franken. Total laufen in Winterthur jedes Jahr über eine halbe Million Implantate vom Band.

Vorsichtig optimistisch gibt sich Standortförderer Michael Domeisen. Er sagt: «Das kann für Winterthur eine grosse Chance sein.» Ein starker Stellenabbau deute sich eher an den Welt­zentralen in den USA an, wo die beiden fusionierten Konzerne am selben Ort ansässig sind, im «Medizinaltechnik-Mekka» Warsaw in der Nähe von Chicago. Allerdings sagt Domeisen auch, dass die Folgen der Fusion schwer abzuschätzen seien. Er und Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) liessen sich darum nächste Woche einen Termin geben, an dem das Zimmer-Management sich erklären soll.Christian Gurtner

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