Bezirksgericht

Stationäre Therapie für Störenfried

Einbruch, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch: Seit Jahren kommt ein psychisch kranker 25-Jähriger mit dem Gesetz in Konflikt. Gestern wehrte er sich vor Bezirksgericht vergeblich gegen eine stationäre Therapie.

Ein psychisch kranker Mann wurde vom Bezirksgericht eine stationäre Therapie auferlegt.

Ein psychisch kranker Mann wurde vom Bezirksgericht eine stationäre Therapie auferlegt. Bild: Marc Dahinden

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Neun Vorstrafen hatte er seit 2013 angesammelt, gestern stand der 25-jährige A. schon wieder vor Gericht. Vorgeworfen wurde dem IV-Bezüger, der einen italienischen Pass hat, aber in der Schweiz aufgewachsen ist, eine lange Liste von Vergehen: So sollte er Autos und Motorräder beschädigt und die Archhöfe in Winterthur trotz Hausverbot betreten haben. Zudem sollte er in drei Wohnungen sowie eine Spar-Filiale eingebrochen sein.

Vor Gericht gab A. alle Delikte zu – bis auf den Einbruch beim Detaillisten. Er stand damit aber auf verlorenem Posten. Denn auf dem Stein, mit dem er sich Zugang zum Laden verschafft hatte, wurde seine DNA nachgewiesen. Und auf den Bildern der Sicherheitskameras war er eindeutig zu erkennen.

Schizophren, schuldunfähig

Die Fragen des Richters beantwortete A. offen und direkt, wenn auch in sehr einfachen, schwach artikulierten Sätzen. Er sagte, er könne sich an die beschädigten Fahrzeuge nur ungenau erinnern, weil er damals betrunken gewesen sei. Die Einbrüche habe er hingegen klar vor Augen.

Er sei bei Bekannten eingestiegen, die ihm noch Geld schuldeten. Auch, dass er sich in einem Fall erst im Stockwerk geirrt hatte und deshalb die Türen von zwei Wohnungen im selben Haus eingetreten hatte, war ihm in Erinnerung.

«Ich war schon einmal in einer Klinik, und da ging es mir nicht besser.»

Der in der Schweiz aufgewachsene Italiener stand zuletzt vor zwei Jahren an gleicher Stelle. Das Bezirksgericht Winterthur erklärte ihn damals für schuldunfähig und ordnete eine ambulante Massnahme an. Beim Psychiater, der ihn wegen einer diagnostizierten Schizophrenie hätte behandeln sollen, erschien er aber nur zweimal, und die Bewährungshilfe funktionierte nicht.

«Wie soll das weitergehen?», fragte der Richter gestern. «So sicher nicht», sagte A. nach einem Zögern. Seine Schizophrenie wurde unterdessen durch einen zweiten Gutachter bestätigt, der ausserdem feststellte, diese sei nie richtig behandelt worden. «Ich habe keine Schizophrenie», sagte hingegen A., und er ergänzte: «Ich war schon einmal in einer Klinik, und da ging es mir nicht besser.»

Auf die Frage nach einer stationären oder einer ambulanten Massnahme lief die Verhandlung letztlich hinaus. Der Gutachter empfahl eine stationäre Unterbringung. A. sei nur bedingt bereit, eine Therapie zu machen. Zudem bestehe die Gefahr ähnlicher Delikte, die für Betroffene auch schwerwiegender ausgehen könnten.

Der Staatsanwalt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Beschuldigte am Bahnhof Winterthur, an seinem letzten Arbeitsort sowie im Gefängnis jemanden tätlich angegriffen hatte. Der Pflichtverteidiger argumentierte dagegen, diese Vorfälle seien für dieses Verfahren nicht relevant, da sie nicht angezeigt wurden.

«Es reicht jetzt»

Das Gericht folgte der Anklage und verpflichtete A. zu einer stationären Therapie. Eine ambulante Massnahme würde Einsicht voraussetzen, sagte der Richter und erinnerte daran, dass der letzte Versuch gescheitert war. «Es reicht jetzt.» Wenn die stationäre Massnahme anschlage, könne man die Therapie nach einer gewissen Zeit auch öffnen.

Die Zivilforderungen wies das Gericht ab. Zwar war unbestritten, dass A. mehrfachen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruch begangen hatte. Er sei aber schuldunfähig und hafte deshalb nicht, führte der Richter aus. Nicht ohne zu ergänzen: «Wenn Sie Multimillionär wären, wäre das anders.»

(Der Landbote)

Erstellt: 07.11.2018, 17:36 Uhr

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