Kultur

Stefaninis Schachteln, ein Geldgeschenk und die viel zu grosse Badewanne

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte erwägt, dem Kunstmuseum Winterthur Geld für einen kleinen Umbau zu schenken – im Andenken an Bruno Stefanini. Das war die Enthüllung des Abends in der Gesprächsreihe «Café des Arts».

Foto aus vergangenen Zeiten: Bruno Stefanini und seine Tochter Bettina im Jahr 2012.

Foto aus vergangenen Zeiten: Bruno Stefanini und seine Tochter Bettina im Jahr 2012. Bild: Archiv Landbote

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Freundschaftlich im Ton, aber beharrlich in der Sache fragte sich die Moderatorin und Kulturjournalistin Karin Salm in der Gesprächsreihe «Café des Arts» am Mittwochabend einmal quer durch die Themen der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG). Und es war also ihr Verdienst, dass in der sachkundigen Runde um Bettina Stefanini eine kleine Bombe platzte: Die SKKG will dem Kunstmuseum Winterthur einen «substanziellen Beitrag für die Neugestaltung des Eingangsbereichs schenken, im Andenken an den Stifter».

So steht es, etwas versteckt, im Jahresbericht der Stiftung. Als sich Salm erkundigte, was denn konkret geplant sei, quittierte die Runde die Frage mit einem kollektiven «pssst». Offenkundig sind die Pläne noch nicht spruchreif. Oder wie es Bettina Stefanini formulierte: «Wir sind das noch am Köcheln.»

Albtraumhafte Dimensionen

Es blieb an diesem Abend die einzige Enthüllung aus Winterthurer Sicht. Denn die gut alimentierte Stiftung, der aus ihrem Immobilienbesitz jedes Jahr viele Millionen zufliessen, hat ihren Fokus auf der gesamten Schweiz. Das bestätigte Christoph Lichtin, der neue Geschäftsführer der Stiftung, unumwunden: «Ich muss hier die Spassbremse spielen, die SKKG ist eine nationale Stiftung.» Eine regionale Bevorzugung Winterthurs soll es nicht geben. Auch wenn der Stifter Bruno Stefanini zeitlebens ein Winterthurer und mit Winterthur verbunden war, wie seine Tochter Bettina betonte. Die Stiftung steht finanziell so gut da, dass sie künftig jedes Jahr 3 Millionen Franken in die Kulturförderung stecken will, auch davon wird indes nichts für Winterthur speziell reserviert. Es ist jene Aufgabe, bei der die Stiftung sozusagen «bei null anfangen kann», wie Bettina Stefanini sagte.

«Wir sind das noch am Köcheln.»Bettina Stefanini über ihre Pläne für einen kleinen Umbau im Kunstmuseum

Daneben gehen die Erfassung und das Ordnen der Sammlung weiter – eine Mammutaufgabe. Kunsthistorikerin Elisabeth Grossmann, die bis vor kurzem interimistisch die Geschäfte der SKKG führte, erzählte, dass sie heute noch manchmal einen Albtraum habe. «Ich bin in der Luxburg (eines der Schlösser der Stiftung, Anm. der Redaktion), und es hat Schachteln über Schachteln.» Über ein Jahr lang hatten Grossmann und ein halbes Dutzend Mitarbeitende die Sammlung durchkämmt und grob erfasst.

Lichtin führt den Prozess weiter. Bis in zwei Monaten soll er dem Stiftungsrat ein grobes Datum nennen, wie viel Zeit er bis zum Abschluss benötigt. Vieles ist noch unklar, etwa wo welcher Teil der Sammlung eingelagert wird. Das sei auch von den Zielen abhängig, welche die Stiftung verfolge, erklärte Lichtin. Die prominentesten 100 Gemälde beispielsweise seien so gefragt für Wechselausstellungen, dass zu überlegen sei, sie direkt beim Spediteur einzulagern.

Einer der sensationellsten Funde in der Sammlung Stefanini: Eine Originalskizze von «Petit Prince». Bild: SKKG

Würde die ganze Sammlung mit ihren 60000 bis 100000 Einzelstücken an einem Ort aufbewahrt, so Lichtin, wäre eine fünf Meter hohe und 6000 Quadratmetern grosse Halle nötig. Die Dimensionen der Sammlung Stefanini seien einmalig auf der Welt, sie sei ein Mysterium. Die wichtigsten Stücke sind unterdessen erfasst, die Chancen auf Entdeckungen – wie zuletzt die Originalskizzen von Antoine de Saint-Exupéry für den «Petit Prince» – sinken.

Eine Badewanne aus Zink

Längst nicht alles ist von kunsthistorischem Wert. Bruno Stefanini sammelte viele sogenannte Kontaktikonen, gewöhnliche Gegenstände, die berühmten Menschen der Geschichte gehörten, wie etwa Napoleons Unterhosen. Fast alles in der Sammlung ist mit einem Zettel angeschrieben, darauf sind der Preis, der Kaufort und ein kurzer Beschrieb – ein grosses Glück für die Inventarisierung.

Im Sulzer-Hochhaus sei sie auf eine Zinkbadewanne gestossen, erzählte Grossmann. Auf dem Zettel der Vermerk «Bettinas Badewanne». Auch das sei eine Kontaktikone. Was dahintersteckt, erzählte Bettina Stefanini selbst. Es war, vor gut 100 Gästen im prallvollen Saal, der Höhepunkt des Abends. In jungen Jahren habe sie ausziehen wollen, ihr Vater aber habe ihr eine eigene Wohnung verweigert und ihr stattdessen in seiner Villa an der Büelrainstrasse ein Büro als Wohnung hergerichtet. «Erst später begriff ich, dass er mich in seiner Nähe haben wollte.»

Als sich die Tochter eine Badewanne kaufen wollte, habe Stefanini abgelehnt und gesagt, er werde ihr eine besorgen. «Dann brachte er diese Wanne aus dem 19. Jahrhundert, so gross, dass man darin schwimmen konnte. Ich hatte aber nur einen 50-Liter-Boiler.» Also habe sie jeweils mit einer Freundin in der Badewanne Schach gespielt. «Gemeinsam hatten wir mehr Wasserverdrängung.»

Erstellt: 05.09.2019, 14:54 Uhr

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